Cevin Conrad soll Aces auf ein höheres Niveau heben

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Der neue Sportdirektor und Headcoach Cevin Conrad (links) und Abteilungsgeschäftsführer Burkhard Reher wollen die Aces Ahlen-Hamm voranbringen.

HAMM - Die Aces Ahlen-Hamm arbeiten am Fundament für eine bessere Zukunft. Ein wichtiger Stein in den Bauplänen der Footballer im Hammer SC ist ein US-Amerikaner: Cevin Conrad. Der 48-Jährige leistet in Deutschland seit 25 Jahren Entwicklungshilfe in seinem Sport.

„Football verbindet mich mit meiner Heimat. Wenn ich auf dem Platz stehe, ist das für mich ein bisschen Amerika“, sagt der Mann aus dem US-Bundesstaat Oregon.

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Die Sport-Vita des vierfachen Vaters, der 1988 der Liebe wegen von der amerikanischen Pazifikküste nach Deutschland kam und in der Nähe von Wermelskirchen im Bergischen Land wohnt, ist lang.

Conrad schloss sich kurz nach seiner Ankunft den Bielefeld Bulldogs an und verhalf ihnen als Trainer zum Aufstieg in die 2. Liga. „Als ich nach Deutschland kam, wusste ich erst gar nicht, dass es den Sport auch hier gibt“, sagt Conrad in perfektem Deutsch, aber mit einem amerikanischen Akzent, den er in Anspielung auf seinen Wohnsitz scherzhaft als „Bergisch-Platt“ bezeichnet.

Später wechselte er ins Oberhaus zu den Cologne Crocodiles, mit denen er deutscher Vizemeister wurde. Es folgten viele weitere Stationen als Sportlicher Leiter, Headcoach oder Spezialtrainer für Offensive, Defensive und Athletik – und etliche Erfolge.

„Von 40 Spielzeiten waren 37 winning seasons“, sagt Conrad selbstbewusst – Saisons also, die mit Meisterschaft oder Aufstieg endeten. Mitte der 1990er Jahre gründete er die Jugendnationalmannschaft und arbeitete unter anderem als Dozent an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Immer wieder zog es den vielseitig interessierten Conrad, der nebenbei auch Fechten, Baseball und Basketball lehrte und Führungen etwa durch die Solinger Schloß Burg anbietet, zwischenzeitlich zu kleineren Vereinen. Ihnen half er, Strukturen aufzubauen. „Hamm ist jetzt ein neues Projekt. Das Ziel ist es, hier eine Talentschmiede aufzubauen“, sagt Conrad.

Der Kontakt zu den Aces kam über Vorgänger Michael Hap zustande, ein früherer Assistenztrainer und Spieler von Conrad, der zu dem Zeitpunkt gerade frei war und eine neue Herausforderung suchte. Die Strecken innerhalb der German Football League (GFL), der Bundesliga, waren ihm zu weit. „Michael sagte mir: Die Aces sind genau dein Ding. Und ich dachte mir: Es wäre ganz nett, wieder einen Heimatverein zu haben.“

Den hat er nun. Und die Aces haben einen renommierten Coach. „Wir sind sehr glücklich, dass wir so einen versierten Mann gewonnen haben und dass der Übergang so fließend war“, sagt Burkhard Reher, Abteilungsgeschäftsführer der Aces. Zu tun gibt es einiges. Auch und gerade für Conrad, der eine zentrale Figur in den Planungen der Footballer ist – als Headcoach der Herrenmannschaft, als Trainerausbilder innerhalb der 160 Mitglieder zählenden HSC-Abteilung und als Sportdirektor, nach dessen Leitlinien in den Nachwuchsmannschaften gearbeitet werden soll.

Zweimal pro Woche ist Conrad beim Training in Hamm. Was er dort bislang gesehen hat, gefällt ihm: „Der Halt im Team ist sehr gut. Ich habe viele hochmotivierte Leute mit Football-Durst getroffen. Die wollen mehr, die sind wissbegierig. Ein paar Ältere haben sich gefreut, richtig Football kennen zu lernen. Sowas macht mir Spaß“, sagt der 48-Jährige.

Zurzeit legt er mit den Spielern die Grundlagen. Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit stehen im Mittelpunkt, flankierend hinzu kommen taktische Aspekte wie Spielzüge. Ab Februar wird mit leichtem Kontakt trainiert und ab März mit vollem.

„Football ist ein körperlich, taktisch und technisch anspruchsvoller Sport mit einer engmaschigen Choreographie, der Spielern auch viel Disziplin abverlangt. Es ist nicht entscheidend, ob du gut den Ball fangen kannst; es ist entscheidend, ob du das auch kannst, wenn dich dabei einer umreißt“, sagt Conrad. „Das Ziel ist es, dem Gegner das eigene System aufzuzwingen. Und was werden wir schaffen.“

Die Saison beginnt im April. Die Herrenmannschaft, das sogenannte First Team, tritt nach dem Aufstieg aus der Landesliga künftig in der Verbandsliga an. Nur zu gern würden die Aces bald noch eine Klasse höher spielen, doch das soll nur ein Nebeneffekt sein: „Der entscheidende Faktor ist die Jugend. Mit einem guten Unterbau wird auch das First Team weiter wachsen können“, sagt Reher. „Zurzeit sehen wir an jedem Trainingsabend zwei, drei neue Gesichter. Das ist sehr erfreulich, aber wir brauchen noch viel, viel mehr junge Spieler.“

Im Aces-Nachwuchs gibt es bereits hoffnungsvolle Talente. Niklas Bredenbach, Dennis Reher und Simon Schulte-Pentling etwa. Dieses Trio gewann im vergangenen Jahr mit der U15-Auswahl des NRW-Landesverbandes die World Youth Football Championship im texanischen Houston. Die Tatsache, dass Schulte-Pentling zumindest vorübergehend für den Nachwuchs des GFL-Teams Düsseldorf Panther spielt und nicht für seinen Heimatclub, verdeutlicht, warum die Hammer Footballer ihr Fundament stärken wollen. In dieser Altersklasse sind die Aces nur in der untersten Liga vertreten, Düsseldorf dagegen in der höchsten. Dass für eine optimale Förderung in Zukunft keiner mehr Hamm verlassen muss, daran arbeiten die Aces.

Und daran arbeitet Conrad. „Die Ausbildung in der Jugend ist das A und O. Wir wollen die Jungs so aufbauen, dass sie bei den Herren sofort Fuß fassen können. Wir können kein Team zusammenkaufen. Wir müssen auf dem, was wir haben, Stück für Stück aufbauen“, sagt der US-Amerikaner. „Das Ziel muss sein, gesund zu werden, denn dann kommt der Erfolg von alleine.“ - sst

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