Carsten Berg beim SC Rote Erde Trainer aus Überzeugung

+
Carsten Berg möchte den SC Rote Erde Hamm wieder weiter nach oben führen.

Unvergessene und erfolgreiche Wasserballer gab es in der langen Geschichte des Hammer Traditionsvereins SC Rote Erde mehr als genug. Zuletzt hat der Club allerdings nicht mehr die großen sportlichen Schlagzeilen geliefert. Dennoch hat RE mit Carsten Berg jemanden, der den Verein in den vergangenen Jahren nachhaltig geprägt hat.

Hamm – Berg war zuerst Spieler, jetzt seit langer Zeit Trainer im Jugend- und Seniorenbereich. „Wasserball übt auf mich einfach eine große Faszination aus. Ich gehe gerne ins Wasser zum schwimmen. Und dann in Verbindung mit dem Ball – ich finde das einfach klasse“, sagt der mittlerweile 48-Jährige. „Wasserball ist einfach ein toller Mannschaftssport.“ Und so verbringt Berg normalerweise – außer wenn er aktuell durch den zweiten Corona-Lockdown ausgebremst wird – den Großteil seiner Freizeit im Maximare. Dort trainiert er die U14-Mannschaft und das Zweitligateam. Zudem jagt er dem Ball auch noch in der dritten Mannschaft in der Bezirksliga hinterher. 

Meist sind es zehn bis zwölf Stunden pro Woche, die er am Beckenrand steht. Hinzu kommen noch die Spiele mit seinen Mannschaften. „Ohne die Unterstützung und das Verständnis meiner Frau würde das alles nicht gehen“, erklärt Berg, der sein Geld als Firmenkundenberater bei der Volksbank verdient. Angefangen hatte der junge Carsten Berg, der in Bönen wohnte und in Hamm das Gymnasium Hammonense besuchte, im zarten Alter von zehn Jahren – wobei er bei der Suche nach der passenden Sportart auch wenig Auswahlmöglichkeiten hatte. 

Denn sein Vater war „Winfried „Charly“ Berg, einer der besten und bekanntesten Spieler in Reihen des SC Rote Erde in den 1970er Jahren. „Mein Bruder Kristian und ich waren familiär ein bisschen vorbelastet“, sagt Carsten Berg, der zuerst unter Leitung von Georg Wienkötter, später unter der von Ludger „Filz“ Weeke trainierte. Nach dem Wechsel in den Seniorenbereich musste Berg aber einsehen, dass die damals noch überaus ambitionierte Bundesliga-Mannschaft der Hammer für ihn ein wenig zu stark besetzt war. Daher zog es ihn, nachdem er mit dem RE-Team noch 1990 den Aufstieg in die 1. Liga geschafft hatte, anschließend nach Kamen, später dann nach Werne. Dort machte er auch das erste Mal Bekanntschaft mit dem Trainerjob, als er die Werner Jugend trainierte.

 „Von der Komplexität her ist Wasserball einfach eine der spannendsten Sportarten. Man muss schwimmen können, man braucht Athletik, Kraft, Ballgefühl, Spielverständnis, und man muss werfen können. Hinzu kommt dieses Gemeinschaftsgefühl in einer Mannschaft. Und es ist eine tolle Sache, dies den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln“, fand er schnell große Freude an der Trainertätigkeit und an der Möglichkeit, seine Wasserball-Begeisterung an den Nachwuchs weiterzugeben. Dies macht er mittlerweile seit vielen Jahren wieder bei seinem Stammverein im Hammer Osten. Und das nicht nur, weil sein Sohn Justus in der U14 des SC Rote Erde spielt. Sondern vor allem aus Überzeugung. Und mit viel Leidenschaft. „Es ist für mich eine spannende Sache, den Verein im Jugendbereich wieder da zu positionieren, wo er früher einmal war“, sagt er. 

Vor zwei Jahren hatte er mit seinen Schützlingen, die damals noch in der U12-Altersklasse antraten, bereits ein Ausrufezeichen gesetzt, als er die Mannschaft zur deutschen Vize-Meisterschaft geführt hatte. „Da hat man gemerkt, dass der Name SC Rote Erde in Deutschland immer noch bekannt ist. Viele Leute haben sich gefreut, dass unser Verein wieder auf der Bildfläche aufgetaucht ist“, meint Berg. Und auch mit der ersten Mannschaft sieht er sich noch lange nicht am Ende seines Weges. Vor vier Jahren, als das Team sportlich aus der 2. Liga abgestiegen und nur durch den Verzicht eines Konkurrenten den Klassenerhalt geschafft hatte, war er als Trainer eingestiegen. „Ich will die Mannschaft jetzt erst einmal in der Liga etablieren. 

Mit erfahrenen Spielern wie meinem Bruder Kristian, Hennig Kohle oder Lars Teske und jungen Talenten wie Simon Brinkmann oder Vitor Pavicic-Capucho haben wir ein spannendes Gemisch“, betont Berg. „Und wenn wir es schaffen, unsere jungen Hoffnungen aus unserer Jugend wie Sead Alagic sowie Finn und Moritz Constapel zu halten und entsprechend entwickeln zu können, dann wäre es ein Traum, solche Spieler in die 1. Liga zu bringen.“ Allerdings war es zuletzt meist so, dass die guten Talente aus Reihen des SC Rote Erde von anderen Vereinen abgeworben wurden – eine Tatsache, die Berg nur zu gerne ändern würde. „Natürlich können wir nicht so etwas bieten wie die Topteams in Deutschland, wir sind nur ein kleiner Verein. Und das Monetäre ist momentan auch nicht bei uns vorhanden, um höher zu kraxeln. Aber wir versuchen, die Jungs über gutes Training, Kameradschaft und Freundschaften zu halten“, sagt der Coach – wohl wissend, dass die Bedingungen in Hamm ganz andere sind als in den goldenen Zeiten, als Rote Erde im Senioren- und Juniorenbereich eine Deutsche Meisterschaft nach der anderen gewann. „Wir haben super Trainingsbedingungen. Und die Zusammenarbeit mit dem Maximare hat sich etabliert. Aber ein Vereinsleben so wie früher mit dem Clubhaus im Jahnstadion existiert in dieser Form nicht mehr. Das war ein Traum damals“, meint Coach Berg. Gedanken über das Ende seiner Karriere hat er sich übrigens noch nicht gemacht. „So lange mir das alles Spaß bereitet, mache ich weiter. Derzeit möchte ich diesen Sport nicht missen“, sagt er. 

Jetzt aber muss er sich zumindest bis Anfang Dezember gedulden, ehe er wieder ins Maximare fahren und dort selber spielen oder seine Mannschaften trainieren darf. „Die Jungs haben alle Hausaufgaben, die wir per Videokonferenz gemeinsam erledigen werden. Damit können sich die Jungs fit halten, und wir halten die Mannschaft zusammen. Aber in Sachen Wasser und Spielverständnis müssen wir dann wieder bei Null anfangen“, meint er. „Das ist gerade für das Zweitligateam schade. Denn da hatte ich schon das Gefühl, dass die Jungs gut drauf sind und diese Saison mehr drin ist als nur der Klassenerhalt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare