Kanu

Caroline Fink startet bei der Junioren-WM in Rumänien

Training auf dem Baldeneysee in Essen: Caroline Fink besucht das Sportinternat des Helmholtz-Gymnasiums.
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Training auf dem Baldeneysee in Essen: Caroline Fink besucht das Sportinternat des Helmholtz-Gymnasiums.

Die Hammer Kanutin startet in der Disziplin Marathon bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Im rumänischen Bascov/Pitest wird die 17-Jährige ab Donnerstag sowohl im K I als auch im K II ins Boot steigen.

Hamm- Als Caroline Fink 2019 im Alter von gerade einmal 15 Jahren von zuhause auszog, hatte sie damit überraschenderweise überhaupt keine Probleme. „Die ersten zwei, drei Wochen war es wie in einem Trainingslager oder in einer Ferienfreizeit. Dann hatte ich schnell die ersten Freundschaften geknüpft, und es kam Routine in mein neues Leben”, sagt die mittlerweile 17 Jahre alte Athletin vom Kanu-Ring Hamm, die zur zehnten Klasse vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in das Sportinternat des Helmholtz-Gymnasiums in Essen gewechselt war, um ihren Sport noch intensiver betreiben zu können.

Wechsel hat sich gelohnt

Und der Wechsel von Westtünnen zum Bundesleistungszentrum Kanu-Rennsport am Baldeneysee, wo sie täglich trainiert, hat sich gelohnt. Denn Fink, die in diesem Sommer schon ein Weltcup-Rennen in der Nähe von Paris gewonnen hat, startet ab Donnerstag in der Disziplin Marathon bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Rumänien. „Das ist natürlich das Größte, was ich in meiner Laufbahn bisher erreicht habe. Daher freue ich mich riesig auf die Wettkämpfe”, sagt sie.

Zum Kanufahren war Fink, die beim Hammer SC Leichtathletik betrieb und beim damaligen Maxi-Swim-Team schwamm, eher zufällig gekommen. Ihr Bruder Dominik hatte, während er die Grundschule in Westtünnen besuchte, bei einer Kanu-AG mitgemacht. Und wenn die Eltern ihren Sohn zum Kanal kutschierten, wurde auch die kleine Caroline jedes Mal mit ins Auto verfrachtet. „Irgendwann wurde ich dann, während wir auf meinen Bruder warteten, in ein Boot gesetzt, und hatte da richtig viel Spaß dran”, erinnert sie sich. „Mit Schwimmen und Leichtathletik habe ich dann aufgehört und bin nur noch Kanu gefahren.”

Zusammenspiel von Schule und Sport

Mit acht Jahren absolvierte sie ihre erste Regatta-Saison, nahm an Wettkämpfen teil und steigerte mit der Zeit ihr Trainingspensum immer mehr. So pendelte sie fast täglich vom Elternhaus in Westtünnen nach Werries zum Stein-Gymnasium, von dort in die Stadtmitte zum Training und abends wieder nach Hause. „Das wurde irgendwann anstrengend und war nur noch schwer zu bewältigen”, betont sie und nahm dann nach einer kurzen Bedenkzeit die Möglichkeit wahr, zum Sportinternat nach Essen zu wechseln. „Das war schon ein großer Schritt. Daher habe ich das zusammen mit meinen Eltern gut überlegt. Aber hier ist das Zusammenspiel Schule und Sport einfach viel besser koordiniert.” So ist zum Beispiel der Unterricht jeden Tag nach der siebten Stunde beendet, damit sie nachmittags trainieren kann. Und zweimal pro Woche darf sie die ersten beiden Unterrichtsstunden ausfallen lassen und fährt dann zum Frühtraining vom Internat zum Baldeneysee. „Den Stoff muss ich dann aber selbstständig nacharbeiten”, stellt sie klar, genießt ihr Leben im Essener Stadtteil Rüttenscheid, freut sich aber auch jedes Mal, wenn es am Wochenende nach Hause geht und sie ihre Familie sowie alte Freunde trifft.

Im kommenden Frühjahr wird sie ihr Abitur ablegen und anschließend studieren. In welche Richtung es dabei gehen soll, hat sie noch nicht entschieden. „Vielleicht etwas in Sachen Naturwissenschaft. Oder BWL”, meint sie. Genauso unsicher ist sie, ob sie dann noch weiter so oft im Kanu sitzen und so intensiv wie jetzt trainieren will. „Das hängt davon ob, wo ich einen Studienplatz bekomme und wie ich das dann alles unter einen Hut bekommen kann”, erklärt sie. Bis es soweit ist, will sie in diesem und auch im nächsten Jahr aber noch so viel erreichen wie es irgendwie möglich ist.

Anfangen will sie damit jetzt schon in Rumänien, auch wenn sie ihre eigenen Erwartungen enorm zurückschraubt und ihre Topplatzierungen beim Weltcup in Frankreich, ihrem bislang ersten und einzigen internationalen Einsatz, nicht als Maßstab nehmen will. Dort hatte sie auf der Olympiastrecke von 2024 beim so genannten Short-Race über 3,6 Kilometer den ersten Platz und über die lange Distanz von fast 20 Kilometern den zweiten Rang belegt. Von einem ähnlichen Coup geht sie bei der WM, bei der sie über die Langdistanz einmal im Einer und einmal im Zweier zusammen mit ihrer Partnerin Jil Rübel aus Koblenz an den Start gehen wird, nicht aus. „In Paris waren zum Beispiel die starken Ungarinnen nicht dabei. Ich will daher einen guten Platz im Mittelfeld erreichen”, sagt sie.

Marathon: Kombination aus Paddeln und Laufen

Hinzu kommt, dass es bei Marathon-Rennen nicht nur auf das Paddeln ankommt, sondern das Rennen im Wasser wird durch bis zu 200 Meter lange Portagen unterbrochen, auf denen die Kanuten ihr Boot über Land tragen müssen. „Die Kombination aus Paddeln und Laufen fasziniert mich an dieser Sportart”, sagt Fink, die sich als frühere Leichtathletin auf den Passagen mit dem im Einer acht Kilogramm schweren Boot an der Hand oft einen Vorsprung auf die Konkurrentinnen herausläuft. So wie auch in Paris, als sie ihre Gegnerinnen beim Rennen distanzierte und sich die Führung dann beim Paddeln nicht mehr aus der Hand nehmen ließ. Daher stehen bei ihr auch immer Laufeinheiten mit auf dem Trainingsplan.

Doch nach Meinung von Björn Hilbk, ihrem Heimtrainer beim Kanu-Ring Hamm, würde dieser Mix genau zum Charakter von Fink passen. „Caroline mag es zu kämpfen, sich zu quälen. Sie beißt sich durch”, sagt der Coach, der seinem Schützling eine gute Platzierung im vorderen Mittelfeld mit Blick in Richtung Top Ten zutraut. „Es ist ihre erste WM. Da ist das schwer zu sagen. Aber sie ist vielseitig, kann eben nicht nur gut paddeln, sondern das Laufen macht ihr nichts aus.”

Allerdings sind die Marathon-Rennen durch die Portagen auch oftmals unberechenbar. Denn beim Ein- oder Aussteigen – mal an einem Steg, mal an einem Sandstrand – kann wertvolle Zeit verloren gehen, wenn man stürzt oder durch jemand anderes behindert wird. „Es kann immer viel passieren. Daher wird mein erstes Ziel bei der WM sein, beim Start schon mal gut wegzukommen. Denn wir starten immer alle auf einmal, und da ist das dann ein kleines Gemetzel. Da kann man immer schnell reinfallen”, erklärt sie und will sich anschließend einer kleinen Gruppe anschließen, um dort „auf einer Welle mizufahren” und damit Kraft zu sparen.

Frühzeitige Anreise

Fink ist schon einige Tage vor ihrem ersten Start nach Rumänien gereist, um sich vor Ort die Gegebenheiten anzuschauen. Vor allem auf die Portagen will sie ein Auge werfen, um zu schauen, wie sie am besten aus dem Boot raus und dann später wieder rein kommt, damit sie hier keine Zeit verliert, sondern vielmehr ihre Stärken auf den Laufstrecken einbringen kann. Und wenn dies klappen sollte, vielleicht geht es ja dann aus dem Mittelfeld doch weiter nach vorne – so wie beim Weltcup in Paris.

WM-Startzeiten: Caroline Fink startet in Rumänien am Donnerstag um 8.45 Uhr Ortszeit (7.45 Uhr deutsche Zeit). Zur selben Zeit kämpft die Hammerin einen Tag später mit Jil Rübel aus Karlsruhe im K II um die Medaillen.

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