Basketball-Oberliga: Bruder-Duell mit Andrej und Vladimir Docenko

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In der vergangenen Saison trug Andrej Docenko (links) noch das Trikot der SSV Baskets. Am Samstag kehrt er nun mit den LippeBaskets Werne ins Beisenkamp-Gymnasium zurück – und trifft dort unter anderem auf seinen Bruder, der die Südener coacht.

Hamm - Es ist ein Spitzenspiel. Ein Derby. Und es ist noch dazu ein familieninternes Duell. Wenn am Samstag (19.30 Uhr, Beisenkamp-Gymnasium) in der Basketball-Oberliga der ungeschlagene Tabellenführer SSV Hamm auf den punktgleichen Verfolger LippeBaskets Werne trifft, dann stehen sich auch die beiden Docenko-Brüder Vladimir und Andrej gegenüber.

„Das hatten wir noch nie“, sagt Andrej Docenko zu der keinesfalls alltäglichen Konstellation – und nimmt dem Ganzen ein wenig die Brisanz. „Vladi hat ja eine ganz andere Rolle als ich. Er konzentriert sich auf andere Sachen.“ Was dieser umgehend bestätigt. „Ich sehe das gelassen. Ich gehe ja nicht selber auf das Feld.“

Denn von seiner Doppelfunktion hatte sich Vladimir Docenko, mit 34 Jahren sechs Jahre älter als sein Bruder, vor dieser Saison verabschiedet. Der einstige Spielertrainer fungiert nur noch als Coach – eine Entscheidung, die sich auszuzahlen scheint. Sechs Siege in sechs Begegnungen – die Weste der Südener ist genauso makellos rein wie die der Werner.

Eine erhält am Samstag einen ersten Fleck. Und nicht nur das. Es gehe, betont Vladimir, nicht zuletzt „darum, wer in der Region das Sagen hat“. Und irgendwie in Sachen Basketball auch in der Familie, in der das anstehende Bruderduell keinen kalt lässt. „Der Papa ist sportbegeistert. Der kommt auf jeden Fall und guckt sich das Spiel an“, sagt Andrej. „Die Mama wird sich das nicht antun. Die mag das nicht so, wenn wir gegeneinander spielen.“

Bis zum Ende der vergangenen Saison waren die Docenkos gemeinsam im Hammer Süden aktiv, dann trennten sich die Wege. Andrej war zum Nachbarn gewechselt, für den er nicht zum ersten Mal in seiner Karriere aktiv ist. „Einige Faktoren“ hätten zu dieser Entscheidung geführt, sagt er.

Und nennt vor allem die schwierige personelle Situation beim SSV im vergangenen Jahr: „Da waren immer ziemlich wenige Leute beim Training, wir hatten dadurch keinen richtigen Wettbewerb.“ Das sei in Werne, wo der Aufbauspieler mit seinen 28 Jahren als erfahrener Akteur zu den Führungsspielern zählt, anders.

Die Beteiligung in den Übungseinheiten sei stets hoch, das Team funktioniere als Kollektiv hervorragend, sei sehr jung und hoch motiviert. „Die Jungs würden auch fünf, sechs Mal die Woche trainieren“, sagt er über die Teamkollegen, von denen er einige bereits beim seinem ersten Stopp in der Nachbarstadt vor fünf Jahren als Jugendtrainer unter seinen Fittichen hatte. „Da kriege ich im Training regelmäßig einen auf den Sack“, lacht er. „Ich muss mich richtig reinknien, damit ich mithalten kann.“

Dass sich die Lage bei seinem Ex-Verein inzwischen deutlich verbessert hat, hat Andrej mitbekommen. Auch wenn – beruflich bedingt – die Trainingssituation bei den SSV Baskets weiterhin nicht immer optimal sei, „individuell sind die Hammer stark. Vielleicht so stark wie noch nie zuvor.“ Und deshalb steht für ihn auch fest: „Das wird ein knappes, ein offenes Spiel. Ich bin selbst gespannt.“

Gekappt hat Andrej seine Verbindungen zum SSV natürlich nicht. Mit einigen Spielern ist er befreundet, er und sein Bruder wohnen in Hamm nah beieinander.

Dass sie sich sportlich derzeit aus dem Weg gehen, finden beide allerdings gar nicht so schlecht. „Unser Verhältnis ist eigentlich sogar besser geworden als vorher“, sagt Vladimir. In der täglichen Arbeit prallten bisweilen die unterschiedlichen Ansichten in Sachen Basketball aufeinander. „Wir ticken da ein bisschen anders. Auch, weil wir als Spieler andere Typen sind“, erklärt Point Guard Andrej über Flügelakteur Vladimir.

„Würden wir beide noch in einer Mannschaft spielen, dann wären wir zwei jetzt sehr unruhig. Dann hätte es vielleicht schon gekracht.“ So aber gehen beide entspannt mit dem brisanten Duell um. Ohnehin „reden wir nicht so viel über Sport“, sagt Vladimir.

Am vergangenen Samstag allerdings war das anders, als die LippeBaskets unfreiwillig spielfrei hatten und kampflos zu einem 20:0-Erfolg kamen, weil die TG Witten die Begegnung aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen musste.

Da reisten die Werner nach Barop, um den SSV unter die Lupe zu nehmen. „Danach haben wir uns kurz über das Spiel unterhalten“, erzählt Vladimir, ehe er lächelnd hinzufügt: „Und uns spaßeshalber ein bisschen aufgezogen.“ Aber eine Wette? Nein, die laufe nicht zwischen ihnen beiden, sagt der SSV-Trainer. „Wir sind ja nicht spielsüchtig“, fügt sein Bruder grinsend hinzu.

Den Sieg am Samstag allerdings wollen beide. Und das nicht, um dem Bruder eins auszuwischen, sondern um den bislang so perfekten Saisonstart mit ihrem jeweiligen Team auszubauen. „Ein Docenko wird auf jeden Fall gewinnen“, betonen beide unisono. Doch hier endet die Einigkeit. „Mir ist es natürlich lieber, wenn ich das bin“, sagt Andrej. Und sein Bruder kontert: „Ich gönne ihm ein gutes Spiel. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn wir am Ende der Sieger sind.“

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