Hausbesuch

Bockum-Hövels David Schmidt ist der Online-Rennfahrer

Beim Fußball im Garten schlüpft SG-Trainer David Schmidt schon einmal in die Rolle des Torhüters...
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Beim Fußball im Garten schlüpft SG-Trainer David Schmidt schon einmal in die Rolle des Torhüters...

Meist ist sein kleiner Sohn dabei und kommentiert das, was David Schmidt gerade macht. „Warum fährst du in die Wand“, wundert sich der Fünfjährige oftmals, wenn sein Vater wieder einen Crash verursacht hat und seinen Formel-1-Boliden nicht auf der Strecke halten konnte. Dass diese kleinen Anmerkungen seiner Konzentration nicht förderlich sind, weiß der 32 Jahre alte Spielertrainer des Fußball-Landesligisten SG Bockum-Hövel.

Hamm - Doch er genießt es, wenn er abends auf dem heimischen Sofa sitzt, an der Playstation mit Akteuren aus seiner Mannschaft um die Wette fährt, sein fünf Jahre alter Sprössling neben ihm sitzt und sich ebenfalls für dieses Online-Spiel begeistert. „Ich gucke mit ihm fast jedes Formel-1-Rennen im Fernsehen an“, sagt Schmidt.

Große Formel-1-Begeisterung

Am besten gefällt es dem Sohnemann, dass sein Vater bei den Rennen auf der Spielekonsole meist die Nase vorne hat, auch wenn Schmidt zugibt, dass Justin Krausch und Maik Rieping von Mal zu Mal besser werden und ihm das Siegen immer schwerer machen. „Das ist meist sehr lustig. Mein Sohn kennt mittlerweile alle Fahrer und sogar die Kurven der einzelnen Strecken“, sagt Schmidt nicht ohne Stolz und verrät, dass sein Sprössling großer Fan von David Hamilton ist. „Ich fahre auch einen Mercedes. Ich glaube, deswegen findet er den so gut.“

Schmidt versucht, alle fair zu behandeln

Mindestens genauso wichtig wie der Spaß mit seinem Sohn ist Schmidt aber das Miteinander mit seinen Teamkollegen. Denn er legt als Coach viel Wert darauf, in seiner Mannschaft eine gute Stimmung zu haben und dafür zu sorgen, dass alle Akteure gerne zum Training kommen. „Das ist mir beim Sport genauso wichtig wie bei der Arbeit. Da habe ich ein Auge drauf“, erklärt er. „Ich versuche, die Jungs gut zu behandeln und zu allen fair zu sein.“ Daher bleibt er nach dem Training auch mal länger am Adolf-Brühl-Stadion, weil er mit dem einen oder anderen Schützling noch ein Einzelgespräch führt. „Da kann es schon mal sein, dass ich erst um 23 Uhr nach Hause komme.“

Von anderen einiges abgeguckt

Den ehrlichen und offenen Umgang hat er nach eigener Aussage von Andreas Kersting, dem Team-Manager des SV Westfalia Rhynern, gelernt. Am Papenloh hatte Schmidt, nachdem er im Seniorenbereich beim damaligen SVA Bockum-Hövel seine ersten Erfahrungen gesammelt und bei einem Probetraining bei der Hammer SpVg für nicht gut genug befunden worden war, sieben Jahre gespielt. „Es war immer bemerkenswert, wie Andi mit einem umgegangen ist. Das hat mich immer sehr motiviert. Da habe ich mir einiges von abgeguckt“, verrät Schmidt.

Aber auch von der Art und Weise, wie Björn Mehnert, der in Rhynern fünf Jahre lang in der NRW-Liga und Oberliga sein Coach war, seine Übungsinhalte vermittelt hat, hat Schmidt einiges übernommen. „Das Training war sehr abwechslungsreich. Da habe ich schon viel gelernt – vor allem, wie er auf Situationen reagiert hat, wenn es mal nicht so lief und welche Maßnahmen er dann ergriffen hat“, meint Schmidt, der zudem noch zu einigen Akteuren aus der damaligen Zeit wie Dustin Wurst oder Mathieu Bengsch in Kontakt steht.

Jetzt aber gilt seine ganze Konzentration seiner Arbeit bei der SG, die er jetzt im fünften Jahr als Spielertrainer betreut und die er auf einem guten Weg sieht: „Unser Vorsitzender Egbert Homann hat dafür gesorgt, dass der Verein wieder auf gesunden Beinen steht, er hat ein gutes Team auf Vorstandsebene zusammengestellt. Was sich alles innerhalb der letzten zwei, drei Jahre entwickelt hat, ist schon Wahnsinn. Ich bin froh, dass er sich entschieden hat, mit anzupacken. Es sind jetzt klare Strukturen zu erkennen.“

Anstrengende Doppelfunktion

Schmidt macht aber auch keinen Hehl daraus, dass die Doppelfunktion als Spieler und als Trainer für ihn schon „anstrengend und stressig“ ist. „Man muss darauf achten, dass die eigene Leistung stimmt. Und man muss sich Gedanken machen, was man mit den Jungs trainiert, wie man es ihnen vermittelt und wie man sie anspricht. Das ist schon eine große Herausforderung. Aber mir macht sie Spaß“, stellt er klar.

Schmidt ist jedoch nicht nur Coach des Landesliga-Teams, sondern seit diesem Sommer trainiert er auch die neu zusammengestellte Mini-Mannschaft der SG Bockum-Hövel, in der sein Sohn dem Ball nachjagt. „Das mache ich natürlich ihm zuliebe“, betont er. „Denn unser Sohn ist echt verrückt nach Fußball.“ Schon direkt nach dem Aufstehen steht er am Bett seiner Eltern, steuert direkt auf seinen Vater zu und will mit ihm im Garten kicken. „Er hat dann immer schon ein Trikot an. Und ich bin eigentlich jemand, der gerne mal länger schläft. Aber wenn er dann da steht, kann man ihm den Wunsch nicht abschlagen“, sagt Schmidt, der sich meist ins Tor stellen und die Schüsse seines Sprösslings abwehren muss. Manchmal muss er sogar einen Trainingsparcours auf dem Rasen hinter dem Haus aufbauen. „Er hat da schon gewisse Erwartungen. Und das Wort Pause kennt er nicht“, stöhnt Schmidt.

Bei der SG kümmert er sich aber natürlich nicht nur um seinen Sohn, sondern um das gesamte Team und will nun vor allem daran arbeiten, dass sich nicht alle Spieler gleichzeitig auf den Ball stürzen, sondern dass sie sich auf dem Feld verteilen, ihre Positionen halten und sich das Leder zupassen. „Das ist schon eine enorme Herausforderung. Aber man merkt schon, dass einige der Jungs talentiert sind“, sagt er und hofft, dass ihn diese Mannschaft mental nicht ganz so fordert wie das Landesligateam.

Bis in die Nacht keine Ruhe

Denn Schmidt gesteht offen und ehrlich ein, dass er nach einer Partie – egal, wie sie ausgegangen ist – sonntags meist bis 2 Uhr in der Nacht keine Ruhe findet, nicht ins Bett gehen kann und auf dem Sofa die Begegnung noch einmal Revue passieren lässt. „Ich überlege dann nach einer Niederlage, woran es gelegen hat und was ich falsch gemacht habe. Selbst bei einem Sieg grübel ich über Kleinigkeiten, die mir nicht gefallen haben. Ich bin da wohl zu ehrgeizig und sollte die Kirche im Dorf lassen. Aber ich war als Spieler auch schon so“, sagt er und verspricht: „Daran muss ich arbeiten. Denn eigentlich sollte ich mehr für meine Familie da sein. Aber noch ist es so, dass meine Familie mich auffängt und mir Kraft gibt.“

Wohlfühloase Bockum-Hövel

Viel Halt bekommt er aber auch den Wohlfühleffekt, den er in seiner gewohnten Umgebung in Bockum-Hövel erfährt. Nicht weit von seinem Elternhaus hat er sich vor vier Jahren ein Eigenheim gekauft, in dem er nun mit Frau, Sohn und Tochter lebt. Und von da möchte er nicht mehr weg. „Hier ist meine Heimat, hier habe ich meine Freunde, hier fühle ich mich wohl“, stellt er klar. „Es wäre für mich unvorstellbar, aus Bockum-Hövel wegzuziehen. „Ich kenne hier jede Ecke und gefühlt jeden zweiten Menschen.“

Trainerkarriere im Blick

Wie lange er noch Spielertrainer bei der SG sein wird, das weiß er nicht. So will er sich nach und nach als Aktiver zurückziehen und die Auftritte seiner Schützlinge von der Seitenlinie verfolgen. „Wir haben viele junge Leute im Team. Da ist es wichtig, sie von außen zu sehen, um ihnen bessere Tipps zu geben. Aber klar, wenn ich gebraucht werde, bin ich da und werde auch noch selbst auflaufen“, erklärt er. Zudem würde es ihn reizen, in Zukunft auch noch höherklassiger als Trainer tätig zu sein, wobei er da noch etwas zwiegespalten ist. „Ich weiß nicht, ob ich mich irgendwo in ein gemachtes Nest setzen will. Ich finde es spannend, so etwas von unten aufzubauen. Bei meinem Job habe ich am Anfang auch nichts geschenkt bekommen und habe mich zu meiner jetzigen Funktion hochgearbeitet. So etwas würde mich als Trainer gerne auch reizen. Vielleicht schaffen wir das ja mit der SG“, meint Schmidt und hofft, noch möglichst lange die sportlichen Geschicke in Bockum-Hövel zu leiten – und noch viele Formel-1-Rennen gegen seine Teamkollegen zu bestreiten.

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