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Björn Zintel muss sich gedulden - ASV ab Donnerstag beim Linden-Cup

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Von: Günter Thomas

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ASV-Rückkehrer Björn Zintel kann nach einer Schulter-OP derzeit noch nicht wieder trainieren.
ASV-Rückkehrer Björn Zintel kann nach einer Schulter-OP derzeit noch nicht wieder trainieren. © Henning Wegener

Es lief gerade die achte Einheit der Saisonvorbereitung beim Handball-Bundesligisten ASV Hamm-Westfalen, als Rückkehrer Björn Zintel ein schmerzhaftes Ziehen in der linken Schulter verspürte.

Hamm - „Keine dramatische Situation, eine, die häufig im Training vorkommt“, erinnert sich der Mittelmann. „Eine Abwehraktion, ich wollte Jan von Boenigk mit ausgestrecktem Arm vom Tor wegziehen. Dabei habe ich mir die Schulter ausgekugelt.“

Es folgten Operation und eine voraussichtlich längere Zwangspause. „Ich bin kein Freund von Prognosen, aber den Saisonstart werde ich auf jeden Fall verpassen“, weiß Zintel, der es mit Fassung trägt, dass er aktuell zum Zuschauen verurteilt ist. „Verletzungen kommen nie gelegen“, sagt er achselzuckend. „Ich habe noch keinen getroffen, der gesagt hat, hey, Verletzung – passt mir super. Aber natürlich: Du kommst irgendwo an, freust dich, und wenn direkt sowas passiert, ärgert das. Aber letztlich bin ich ein sehr positiver Typ.“

Zumal er nach der Verletzung viel Unterstützung erfahren hat. „Als ich nach Hause kam, habe ich von Handballkollegen ein Riesen-Video mit Grußbotschaften bekommen“, sagt Zintel. „Das hat meine Freundin Lisa initiiert, als ich noch in der Klinik in Münster war. Leute aus der Heimat, aus Balingen, von hier haben mir da gute Besserung gewünscht – über zwölf Minuten lang war das, und es waren ein paar witzige Sachen dabei.“

Bis das passende Haus oder eine Wohnung gefunden ist, wohnt Zintel mit seiner Freundin, die er während seines ersten Engagements beim ASV kennengelernt hat, bei deren Eltern in Bergkamen. Eine gute Lösung. Wenn die Sache mit der Mobilität nicht wäre. „Alle in der Family helfen, so gut es geht“, sagt Zintel. „Aber das ist schon das Blödeste an dieser Verletzung, dass du immer auf andere angewiesen bist. Da sieht man, wie aufgeschmissen man ist.“

Zintel ist schmerzfrei

Denn aktuell muss der mittlerweile 26-Jährige eine Arm-Orthese tragen, die ihn in der Bewegung sehr einschränkt. „Zum Glück schlafe ich auf dem Rücken, da stört mich das nicht so“, sagt er, und auch spezielle Trainingseinheiten kann er schon wieder machen. „Ich bin schmerzfrei, trainiere isoliert im Aktivita. Ich kann nur nichts für den linken Arm machen.“

Dass er sich nach zuletzt zwei Jahren mit Balingen in der ersten Liga, an deren Ende der Abstieg stand, und davor zwei weiteren in der zweiten Liga in Hüttenberg für ein zweites Engagement in Hamm entschieden hat, bereut er trotz der Verletzung nicht. „Es waren für mich viele Sachen, die gepasst haben“, sagt er. „Ich möchte viel spielen und Verantwortung übernehmen. Und natürlich ist es noch eine schöne Geschichte, mit der großen Aufgabe Klassenerhalt hierhin zurückzukommen. Ich habe hier noch viele Freunde von früher. Und da ist die Nähe zu Lisas Familie, die wir sonst nur zwei Tage im Jahr zu Weihnachten gesehen haben.“

Und anders als bei seiner ersten Zeit in Hamm kommt er jetzt als gestandener Bundesligaprofi zurück, der viel Erfahrung im Abstiegskampf mitbringt. Was wird also entscheidend sein, um die Klasse zu halten? „In Balingen haben sie es toll hingekriegt, dass sie sich 15 Jahre lang mit einer Ausnahme in der Bundesliga etabliert haben“, lobt Zintel, der aus Erfahrung weiß: „Es wird Phasen geben, wo wir sechs, sieben, acht Spiele nicht gewinnen. Aber das heißt nicht, dass du die Liga nicht halten kannst. Es ist einfach wichtig, sich auf jede Aufgabe voll zu konzentrieren.“

„Nie ein Spiel abgeschenkt“

Davon, gewisse Partien, in denen das Team im Vorfeld auf dem Papier chancenlos ist, nicht mit voller Energie zu bestreiten, um Kräfte zu schonen, hält der Spielmacher gar nichts. „Gewinnen ist immer besser als verlieren. Wir haben nie ein Spiel abgeschenkt. Nach Magdeburg oder Kiel zu fahren, um die Halle zu fotografieren, das geht gar nicht – du musst jedes Spiel so spielen, als wenn du es gewinnen kannst. Wir haben letztes Jahr gegen Berlin zweimal unentschieden gespielt, gegen Flensburg – du musst da sein, wenn der Gegner nicht an sein Maximum kommt.“

Ob der ASV das Abenteuer Bundesliga bestehen wird, weiß der 26-Jährige nicht, wohl aber, dass es mächtig schwer wird. „Die Aufgabe ist schon super schwer“, sagt er. „Allein Stuttgart, das letztes Jahr zwei Punkte vor dem Abstieg stand, hat enorm aufgerüstet, mit Bergenthal einen Kreisläufer verpflichtet, der im EM-All-Star-Team stand, und Heinevetter fürs Tor – die haben einen Etat von sechs Millionen plus. Das ist schon eine super schwere Aufgabe.“

Zintel will Dayan unterstützen

Seinem Positionskollegen Yonatan Dayan verspricht Zintel alle Unterstützung, „auch wenn ich natürlich lieber in Hallenschuhen auf der Platte helfen würde“. Vor allem gelte es, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. „In der Liga prasseln viele Dinge auf einen ein – wenn die Leute in Magdbeburg dich anschreien, da musst du dich erst mal dran gewöhnen. Die Größe und Atmosphäre der Hallen ist geil – aber das ist auch ein ganz anderer Druck, der da erzeugt wird.“

Erfahrung sei daher sehr wichtig – und auch der größte Unterschied zwischen dem jungen Björn Zintel, der 2015 nach Hamm kam und dem von heute: „Die Skills waren früher schon da, ich habe sie nur nicht zur richtigen Zeit eingesetzt“, sagt er. „Ich kann heute nicht viel härter werfen, schneller laufen oder höher springen – ich weiß diese Möglichkeiten, die ich für mein Spiel einsetzen kann, nur besser zu nutzen. Die richtig guten Mittelmänner machen das wie beim Schach. Sie wissen vorher, welche Sachen sie in drei Würfen machen wollen.“ Bis zu seinem Eröffnungszug muss sich Zintel aber noch ein bisschen gedulden.

ASV beim Linden-Cup gegen Top-Gegner

Der ASV Hamm-Westfalen nimmt ab Donnerstag am 31. Linden-Cup im mittelhessischen Landkreis Gießen teil. Dies ist ein besonderes Turnier, denn parallel zu einem Bundesliga-Turnier findet ein Regionalturnier mit den besten Vereinen der Region statt. Das heißt, dass am Spielabend zunächst eine Partie zwischen zwei annähernd gleichwertigen Vereinen der mittelhessischen Region stattfindet und danach zwei Bundesligisten gegeneinander antreten.

Im ersten Spiel trifft der Bundesliga-Aufsteiger aus Hamm um 20.15 Uhr auf den künftigen Liga-Konkurrenten HSG Wetzlar. Die weiteren Gegner sind am Freitag um 18 Uhr der Erstligist Bergischer HC und am Samstag um 17.45 der starke Zweitligist TV Hüttenberg – also alles gute Partien, um sich für die Bundesliga einzuspielen.

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