Kurzes Gastspiel für Edgar Landim beim ASV

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Edgar Landim zog sich einen Kreuzbandriss zu.

HAMM - Wenn Spieler und Verantwortliche des ASV Hamm-Westfalen am Ende der Saison in der 2. Handball-Bundesliga ein Unwort des Jahres wählen könnten, es stünde jetzt schon fest: Kreuzband. Bei Marian Orlowski und Fabian Huesmann ist es gerissen, sie sind bereits länger außer Gefecht. Nun „erwischte“ es Edgar Landim.

Immerhin: Bei dem Portugiesen handelt es sich „nur“ um einen Einriss. Zwei Monate muss er dennoch mindestens pausieren. Der bis zum Sommer ausgeliehene Landim wird somit nicht mehr für den ASV auflaufen. Dass die Zahl an Kreuzbandverletzungen ungewöhnlich ist, ist Kay Rothenpieler bewusst. Der Coach hinterfragte daher vieles, auch sein Trainingsprogramm, besprach sich mit Ärzten – und kam zu dem Schluss: „Es ist einfach Pech. Das sind Dinge, die in einem so dynamischen Sport passieren können, in dem viel auf die Gelenke geht.“

Der Ausfall von Landim und die zu dem Zeitpunkt noch vorläufige erste Diagnose Kreuzbandriss hatte den ASV kurz vor dem Gastspiel in Essen (28:30) ereilt, was nach Ansicht Rothenpielers ein Grund für die ganz schwache erste Halbzeit seines Teams war. Aber es gab gewichtigere Faktoren als den erneuten personellen Rückschlag. Der Kräfteverschleiß ist hier und da unübersehbar, nicht zuletzt deshalb laufen einige ihrer Form hinterher oder sind großen Schwankungen unterworfen. Besonders ins Gewicht fällt dies bei Ondrej Zdrahala, der im Januar für Tschechien im WM-Einsatz war. „Wenn er als Führungsspieler schwächelt, dann wird’s eng bei uns“, sagt Rothenpieler mit Blick auf die jungen Akteure in seinem Aufgebot, denen in Kapitän Jakob Macke (ausgeliehen an Flensburg) ein weiterer, auch abseits des Feldes wichtiger Fixpunkt fehlt.

Alles will Rothenpieler, der immerhin Martin Doldans Fußverletzung als nicht gravierend verbuchen durfte, damit aber nicht erklären. „Wir dürfen uns nicht von zwei, drei Kleinigkeiten aus dem Rhythmus bringen lassen“, fordert er mit Blick auf die entscheidende Phase in Essen Mitte der zweiten Hälfte. Auch nicht durch strittige Schiedsrichter-Entscheidungen, von denen es einige gab. Bei der Ansicht der Partie auf Video ist Rothenpieler bewusst geworden, „dass wir zu viel Hektik hatten. Auf dem Spielfeld und auf der Bank. Die hat uns an einem Tag, wo wir nicht hundertprozentig da waren, noch mehr aus dem Tritt gebracht.“

Insgesamt ist der ASV trotz der auch in Essen gezeigten Moral, trotz des Willens derzeit etwas aus dem Tritt geraten. Zwischenzeitlich schnupperte das Team an den Aufstiegsrängen, weckte Erwartungen, die verfrüht waren und „die wir jetzt nicht so halten konnten“ (Rothenpieler), weil das Team noch in der Entwicklung, nicht gefestigt und nicht erfahren genug sei. Zwar steht trotz vier siegloser Partien in Folge Platz sechs zu Buche. Angesichts von sechs Zählern Rückstand auf Rang drei ist die respektable Position jedoch der Beginn des Niemandslandes.

Aber deshalb die Saison einfach austrudeln lassen? „Das wäre kontraproduktiv“, sagt Rothenpieler, der von seinem Team nachhaltig volles Engagement einfordern wird. Die derzeitige Phase ist für ihn Bestandteil des Lernprozesses für seine Akteure, von denen sehr viele im Hammer Osten bleiben werden. „Wir lamentierten nicht, wir hinterfragen jetzt nicht alles. Denn wir spielen eine gute Saison, haben einen Riesenschritt gemacht“, so der Coach. „Wir wollen die Entwicklung in den nächsten Jahren fortführen. Dazu gehört, dass wir diese Erfahrung mitnehmen, damit wir dann in der kommenden Saison besser gewappnet sind.“

Denn zum Reifeprozess gehöre es dazu, Lehren aus „Durchhängern“ zu ziehen. „Schwächephasen kommen immer wieder. Die Kunst besteht darin, sie so kurz wie möglich zu halten“, sagt Rothenpieler. Die derzeitige soll für den ASV am Freitag (19.45 Uhr) gegen den SV Henstedt-Ulzburg enden. „Wir müssen uns jetzt neu fokussieren und aus jedem Spiel das Bestmögliche herausholen“, sagt der 44-Jährige – wohl wissend, dass seine Spieler wieder an die Grenzen gehen müssen. Zumal Alternativen auf mancher Position dünn gesät sind. Rothenpieler: „Es gibt Situationen, in denen du siehst, dass du einen breiten Kader brauchst.“ Erst recht, wenn das Verletzungspech so groß ist wie derzeit. - fh

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