Beim SKG Herringen überwiegt der Stolz

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SKG-Torhüter Bruno Coelho Ferreira.

Follonica - Ein wenig haben die Spieler des SK Germania Herringen schon gebraucht, um das Erstrunden-Aus im Cers-Cup beim italienischen Vertreter Follonica Hockey zu verdauen. „In der Kabine war es nach dem Spiel erst einmal eine halbe Stunde lang sehr ruhig“, sagt der SKG-Vorsitzende Michael Brandt. „Denn wir haben in den ersten 35 Minuten der Partie schon alle das Gefühl gehabt, dass da etwas für uns drin ist.“

Natürlich waren die Herringer nur als krasser Außenseiter nach Pisa gereist. Schließlich hatte der aktuelle Fünfte der italienischen Topliga das Hinspiel bereits mit 4:3 in der Glückauf-Halle gewonnen. Doch die zweimalige Führung der Germanen in Follonica und der über lange Zeit starke Auftritt der Gäste hatte Lust auf mehr bei den Spielern, Fans und Betreuern gemacht. „Eine 4:1-Führung wäre möglich gewesen. Und wenn wir nur unser 2:1 in die Pause mitgenommen hätten, wäre es danach ein ganz anderes Spiel geworden“, sagt Brandt. „Aber wenn du dann unter Druck stehst, musst du eben aufmachen – und dann kannst du halt schnell den einen oder anderen Gegentreffer kriegen. Ein 6:5 wäre sicher ein gerechteres Ergebnis gewesen, zumal wir auch nach der Pause noch einige gute Möglichkeiten hatten.“

So blieb den Herringern einmal mehr international nach Runde eins die Zuschauerrolle – ein Schicksal, das der Klub mit fast allen anderen deutschen Vertretern teilt, denn nur der RSC Cronenberg schaffte den Sprung in Runde zwei. „Das aber nur, weil das Team mit Uri eine lösbare Aufgabe bekommen hat“, ist sich Brandt sicher. „Wir haben dagegen wieder einmal kein Losglück gehabt und einen der Topfavoriten bekommen.“

Um so größer war nach der ersten Enttäuschung die Freude darüber, dass die Mannschaft den Italienern trotz der 3:7-Niederlage ein gleichwertiger Gegner gewesen ist, der nach dem offenen Schlagabtausch in Durchgang eins taktische Änderungen im eigenen Spiel vorgenommen, auf Manndeckung umgeschaltet und damit die Kreise der Gäste deutlich eingeschränkt hatte.

Große Probleme hatte den Herringern die extrem harte und daher schnelle Bahn gemacht. „Wir mussten in der ersten Halbzeit früh wechseln, weil die Bahn enorm auf die Knochen ging“, sagt Brandt. „Einige hatten daher schon früh Krämpfe und mussten sich behandeln lassen. Aber Follonica war sichtlich überrascht, dass unsere Spieler solch ein Tempo gehen konnten.“

Die Verpflichtung von Joka Ferreira habe sich ebenfalls bezahlt gemacht, versichert Brandt: „Er hat zwar am Anfang einen Fehler gemacht, war aber dann ein starker Rückhalt. Bruno wird immer lockerer, bringt mittlerweile seine Leistung, weil er in Portugal im Training steht. Ihn zu verpflichten, war die richtige Entscheidung, um auf dem Niveau bestehen zu können.“ Spätestens zu den Play-Offs soll der Portugiese dann auch in Herringen wohnen, denn ihn ständig einzufliegen, ist auf Dauer für seine Leistung nicht förderlich. „Aber es ist schwierig, ihn am deutschen Arbeitsmarkt passend unterzubringen“, so Brandt. „Um da größere Chancen zu haben, lernt er daher zurzeit fleißig deutsch.“

In Italien taute die Mannschaft dann beim gemeinsamen Abendessen mit den Italienern wieder auf, wohl wissend, dass sie in ihrer Entwicklung wieder ein Stück weiter gekommen ist. Eine wichtige Erkenntnis für das Selbstvertrauen: Schließlich steht am Samstag wieder Bundesliga-Alltag auf dem Programm, und dann will das Team beim Aufsteiger Recklinghausen seine Tabellenführung verteidigen.

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