Start auf der Global Champions Tour

Bei den Reichen und Schönen: Zoe Osterhoff reitet in St. Tropez

Zoe Osterhoff im vergangenen Jahr auf der Station der Global Champions Tour in Doha.
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Zoe Osterhoff im vergangenen Jahr auf der Station der Global Champions Tour in Doha.

Es ist die Springsportserie auf diesem Planeten mit dem höchsten Preisgeld (25,9 Millionen Euro in 2021), den schönsten Austragungsorten (Paris, New York, Cannes, London, Berlin oder Hamburg) und auch die mit dem größten Glamour-Faktor.

Hamm – Die Global Champions Tour, 2006 vom niederländischen Pferdesportunternehmer Jan Tops und der griechischen Milliardenerbin Athina Onassis ins Leben gerufen, hat neue Maßstäbe gesetzt. In diesem Jahr wird diese Serie zum 15. Mal ausgeritten. Vom 27. bis zum 29. Mai macht sie Station im mondänen St. Tropez an der Cote d‘Azur – als dritte von 16 in diesem Jahr nach Doha und Madrid. Und mittendrin statt nur dabei: Zoe Osterhoff aus Hamm.

„Beide Pferde sind top in Schuss“

Seit Wochen hat die 22-Jährige auf dieses Event hingearbeitet und sich mit ihren aussichtsreichen Pferden bei internationalen Turnieren mit dem Niveau von zwei oder drei Sternen auf den ersten Höhepunkt ihrer Saison vorbereitet. Starten wird sie in Südfrankreich mit zwei in den Niederlanden gezogenen Wallachen: Elovely, zwölf Jahre alt, von Eurocommerce Dubai aus einer Calvados-Mutter, sowie Ferrari VDL, elf Jahre alt, von Cardento aus einer Indoctro-Mutter. „Ich habe bei beiden Pferden ein sehr gutes Gefühl“, sagt Osterhoff und ergänzt: „Beide sind top in Schuss.“

Das müssen sie auch sein, denn auf beide Vierbeiner und ihre Reiterin warten nach den Aufwärmrunden in Lier (Belgien), Prag sowie in Exloo (Niederlande) nun ganz andere Kaliber. St. Tropez gehört in die Fünfsterne-Kategorie – das schwerste, was der Springsport zu bieten hat. Das hat sich zuletzt am vergangenen Wochenende auch bei der Station in Madrid gezeigt, wo im Großen Preis von den 35 Qualifizierten gerade einmal zwei eine fehlerfreie Runde absolvierten. Im Stechen siegte der Franzose Olivier Robert vor dem Briten Scott Brash. Alle anderen Weltklasseleute waren im Umlauf der 1,60-Meter-Prüfung an den enorm hohen Anforderungen zum Teil krachend gescheitert.

„Da reiten die Besten der Welt“

„Jeder, der dorthin fährt, weiß ja, was da im Parcours steht und worauf man sich da einlässt. Da reiten die Besten der Welt, und es gibt ja auch ordentlich etwas zu verdienen“, sagt Zoe Osterhoff. In dem mit 300000 Euro dotierten Abschlussspringen werden auch in St. Tropez am Samstag 99000 Euro an die Siegerin oder den Sieger gehen. Davon wagt sie ja gar nicht zu träumen, aber wenigstens die Chance, unter den 35 Besten das höchst dotierte Springen reiten zu dürfen, befeuert ihren Ehrgeiz maximal.

Schon einmal, 2020 in Doha, bei der einzigen Station vor dem Corona-bedingten Abbruch, war Zoe Osterhoff dabei. „Und da lief es für mich auch sehr gut“, erinnert sich die Nummer 61 der U25-Weltrangliste. In allen vier Weltranglistenspringen, die sie bestreiten durfte, war sie mit Elovely und Chacenny platziert. Vier Springen sind es, in denen sie auch in St. Tropez von Donnerstag bis Samstag vorerst starten kann. „Natürlich würde ich mich gerne auch noch für den Großen Preis qualifizieren“, sagt Osterhoff. Aber da wird die Luft auch für die Allerbesten verdammt dünn.

Im Team für die Hamburg Giants

Dabei reitet die Hammerin nicht nur auf eigene Faust und Rechnung. Denn in die Global Champions Tour (GCT) ist auch die Global Champions League (GCL) eingebettet – ein Teamwettbewerb, der an jeder Station in zwei Springen ausgeritten wird. 16 Mannschaften treten in diesem Jahr an – darunter die Berlin Eagles mit der lebenden Legende Ludger Beerbaum, die Valkenswaard United mit Marcus Ehning oder die St. Tropez Pirates mit Athina Onassis vorneweg. Zoe Osterhoff hat, wie schon im Vorjahr, einen Platz bei den Hamburg Giants bekommen. Eine Mannschaft, die nicht mit den großen Stars besetzt ist – was sich bisher auch in den Ergebnissen gezeigt hat.

In Doha belegten die Giants Rang 15, jüngst in Madrid reichte es beim Sieg der Shanghai Swans mit Christian Ahlmann und Max Kühner zum 14. Platz. „Tja, da müssen wir das Feld eben von hinten angreifen. Natürlich sind wir auch in St. Tropez klare Außenseiter“, sagt Osterhoff, die dort mit der Nummer eins im Team, Bart Bles aus den Niederlanden, sowie mit dem Portugiesen Rodrigo Almeida an den Start gehen wird. Zwei Reiter kommen dabei in die Wertung. Weiterhin im Team, dieses Mal aber nicht im Einsatz, sind der Russe Vladimir Beletsky, die Polin Natalia Czernik sowie Suus Kuyten aus den Niederlanden, die zusammen mit Bles die ersten beiden Stationen absolviert hatte.

Angereist ist Osterhoff am Mittwoch mit dem Flieger von Amsterdam nach Nizza. Von dort aus ging es mit dem Shuttle-Service weiter nach St. Tropez. Die Pferde wurden bereits am Montagabend verladen. Mit dem Lkw ging es für sie – begleitet von einem Fahrer und einer Pflegerin – von den Niederlanden aus, wo die Hammerin beim Weltklasse-Reiter Jur Vrieling stationiert ist, weiter an das Mittelmeer. Wegen der langen Fahrstrecke gab‘s eine Pause in Lyon.

Zeit für ein wenig Spaß an der Cote d‘Azur

Das Springen mit Teamwertung stehen in St. Tropez am Donnerstag und Samstag auf dem Programm. „Gut, dass Bart dabei ist. Er macht das ja schon entspannter und bringt mit seiner Erfahrung ein bisschen Ruhe“, sagt Osterhoff. Insgesamt ist das Programm in St. Tropez mit insgesamt sechs Springen an drei Tagen sehr überschaubar. Und deshalb ist die junge Reiterin aus Hamm auch überzeugt davon, ein bisschen Zeit zu haben für ein wenig Spaß an der Cote d‘Azur – auch wenn Corona dafür momentan mehr Hürden in den Weg stellt als der Parcoursbauer.

„Schade, dass man einen solchen Ort nicht so erleben kann, wie man es normalerweise könnte, wenn man das erste Mal da ist“, sagt Osterhoff. Sie hofft aber auf ein wenig „gutes Wetter, Sonne, Strand und lecker Essen“. Wobei: „Natürlich ist da der sportliche Wettbewerb viel, viel wichtiger.“

Die teuren Plätze sind belegt

Und der wird wohl sogar vor Zuschauern ausgetragen – wie jüngst in Madrid, wo voll besetzte Tribünen die Pandemie vergessen ließen. Ein Blick auf die offizielle Webseite (athinaonassis-horseschow.com) zeigt: Die teuren Plätze, wo der Jetset sitzt, der Schampus fließt und sich das Essen dem Sterne-Niveau des Turniers annähert, sind ausverkauft. Da glitzert dann nicht nur das nahe Mittelmeer in der Sonne...

Wie es für Zoe Osterhoff nach der Rückkehr aus Frankreich weitergehen wird, ist offen. Nachdem sich Teamkollegin Kuyten bei einem Trainingssturz verletzt hat und Bart Bles vom niederländischen Verband für das Nationenpreis-Turnier in St. Gallen in der Schweiz nominiert worden ist, soll sie auf der nächsten Station der Global Champions Tour in Valkenswaard in den Niederlanden (4. bis 6. Juni) einspringen. Allerdings findet parallel dazu die Deutsche Meisterschaft in Balve statt, bei der sie ursprünglich antreten wollte. Osterhoff: „Ich werde da jetzt erst einmal mit Bundestrainer Otto Becker telefonieren und das mit ihm besprechen. Wir werden in Ruhe entscheiden.“

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