Elf Trainingseinheiten pro Woche

Der zurückhaltende Draufgänger: Bedirhan Kabak träumt vom Leben als Profi-Boxer

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Mit Bulut Özcan (links) hat Bedirhan Kabak einen Weltmeister als Trainer an seiner Seite.

Während andere noch in den Federn stecken, bemüht Bedirhan Kabak schon am frühen Morgen das Laufband im Fitnessstudio. Für den frischgebackenen Deutschen Meister im Kickboxen ist das Training der wichtigste Schlüssel zum Erfolg.

Hamm – „Ein Boxer muss wie Wasser sein“, ziert ein durchdachtes Zitat der Box-Legende Mike Tyson die Wand hinter dem Boxring in der Hammer Fight Academy (Stefanstraße 27). „Wasser kann jede Form annehmen, ist unzerstörbar und vernichtend, wenn es schnell genug anrauscht.“ Eigenschaften, die auf ein Talent in der Boxschule ganz besonders zutreffen.

Der 18-jährige Bedirhan Kabak ist so etwas wie das Aushängeschild der Fight Academy. „Jeder kennt ihn hier. Bedirhan ist ein Vorbild für die Jüngeren“, erklärt sein Trainer Bulut Özcan, der die Kampfsportschule einst ins Leben rief. Seit fünf Jahren ist Kabak dort ein fester Bestandteil und lernt das Boxen nach der Wettkampfart K1.

Der 18-jährige Bedirhan Kabak hat sich durch Erfolge bei Deutschen Meisterschaften und auf europäischer Bühne als Juniorenkämpfer schnell einen Namen gemacht.

Vorerfahrungen hatte Kabak nicht, der mit 13 Jahren seine Leidenschaft für das Kickboxen entdeckte. Zufällig war das genau der richtige Zeitpunkt: „Die frühe Pubertät ist der perfekte Moment, um mit Kampfsport anzufangen, da dann die Muskulatur beginnt, sich zu entwickeln.“, betont Özcan.

Straffes Trainingsprogramm für Profi-Traum

Doch um erfolgreich zu sein, reicht eine gute Muskulatur und großes Talent alleine nicht aus. Und das unterscheidet Kabak von vielen seiner ehemaligen Mitstreiter. „Er ist unglaublich diszipliniert“, lobt Özcan seinen Schützling, der eigentlich eher zurückhaltend daherkommt, aber seine ganze Energie in die körperliche Ertüchtigung steckt. „Ich trainiere sechsmal die Woche, meistens zweimal am Tag, so dass ich in sieben Tagen auf elf Einheiten komme“, beschreibt Kabak sein immenses Pensum.

Los geht es für ihn bereits vor der Schule. „Ich stehe in der Regel um fünf Uhr auf.“ Nach dem Verzehr einer Banane führt es den Deutsch-Türken dann ins Fitnessstudio. Nicht aber um Muskeln aufzubauen – die bringt Kabak bereits durch sein Naturell mit, sondern um an seiner Kondition zu feilen. Denn eine gute Ausdauer ist im Ring unabdingbar. „Beim Kickboxen ist die Belastung für den Körper wie drei Minuten am Stück zu sprinten“, vergleicht der Schüler.

Der Titel zur Deutschen Meisterschaft bei den Senioren ist bislang der größte Erfolg in Kabaks noch junger Karriere.

Ein Blick in die Trophäensammlung des 18-Jährigen zeigt, dass das konsequente Training seine Früchte trägt. Stolz kann Bedirhan Kabak inzwischen eine ganze Reihe an goldenen Gürteln präsentieren.

An einen Titelkampf erinnert sich der Kickboxer noch ganz besonders gut. „Bei einem Turnier habe ich gegen jemanden gekämpft, der nicht führen, sondern nur kontern konnte“, schildert Kabak. „Ich habe mich deshalb schnell wieder zurückgezogen und ihn so seine Stärke nicht ausspielen lassen.“ Wer erfolgreich sein will, braucht verschiedene Taktiken und muss jede Form annehmen können.

Schon als Jugendlicher erfolgreich

Durch Erfolge bei Deutschen Meisterschaften und auf europäischer Bühne hat sich Kabak als Juniorenkämpfer schnell einen Namen gemacht. „Ich bin frühzeitig in höhere Ligen aufgestiegen und musste mich dann häufig schon mit Älteren messen“, blickt Kabak zurück. Das ist nun nicht anders. Seit er 18 Jahre alt ist, kämpft er bei den Senioren.

Und setzte dort gleich mal ein dickes Ausrufezeichen. Vom Interaktiven Budo Verband (IBV) wurde Kabk im Dezember 2019 nach Bremen (Ense) eingeladen, um dort den Titelkampf um die deutsche Meisterschaft in der B-Klasse anzutreten. Gegen Belen Yantaki aus Oberhausen hatte er zuvor noch das Nachsehen, gewann diesmal aber alle drei Runden und sicherte sich so den bislang größten Erfolg seiner noch jungen Karriere.

In der B-Klasse ist Kabak in seiner Gewichtsklasse (74 Kilogramm) aktuell deutschlandweit der Beste – unzerstörbar also – Für ihn soll es allerdings noch weiter nach oben gehen. „Aktuell zähle ich zu den Halbprofis“, erklärt Kabak, der keinen Hehl daraus macht, sich bald mit den Profis in der A-Klasse messen zu wollen. „Natürlich ist es ein Traum von mir, eines Tages einer der besten Kämpfer der Welt zu sein. Ich trete ja schließlich nicht an, um zu verlieren“, sagt Kabak und schmunzelt entschlossen.

In der B-Klasse gibt es aktuell keinen Besseren als Bedirhan Kabak.

Den ungebremsten Willen weiß sein Coach derzeit aber ein wenig einzudämmen. „Ich will ihn erst noch besser machen, damit er sich nicht ausbrennt. Wenn er in die A-Klasse kommt, soll er direkt ein paar Kämpfe gewinnen, um sich einen Namen zu machen“, so Özcan. „Denn wenn du da ein paar Mal verlierst, schreiben dich die Leute ab.“

Kabak lernt vom Weltmeister

Özcan spricht aus Erfahrung. Der 38-Jährige zählt zu den bekanntesten K1-Größen in Deutschland, holte sich noch im Februar 2016 den Weltmeistertitel im Halbweltergewicht. Dass ihn sein Lehrling mittlerweile bezwingen würde, daran hat Özcan keinen Zweifel. Nicht nur weil Kabak in einer höheren Gewichtsklasse kämpft. „Er ist zu jung und dynamisch. Wahrscheinlich würden mich in der dritten Runde meine Kräfte verlassen“, mutmaßt Özcan. Schließlich habe sein Schützling eine ganz unangenehme Herangehensweise. „Bedirhan führt seine Kämpfe offensiv. Seine Schläge zählen zu den härtesten in der Gewichtsklasse.“ Sie scheinen vernichtend wie das Wasser, wenn sie denn schnell genug anrauschen.

Deshalb trainiert Kabak aktuell an seiner Explosivität. „Die nötige Aggressivität bringe ich schon von Natur aus mit“, berichtet Kabak, wobei sein Coach einhaken muss. „Ein Draufgänger ist Bedirhan nur im Ring. Draußen würde er sich niemals prügeln“, kommentiert Özcan eine Tugend, die er an alle seine Sportler vermittelt.

Bedirhan Kabak ist das Aushängeschild der Hammer Fight Academy.

Das ist dem Familienvater ganz besonders wichtig. „Es ist kein Türstehersport, was man unserer Schule sehr deutlich sieht“, sagt er und deutet auf den Nachwuchs, der sich spielerisch an den Sport herantastet. Für die Jüngeren bis zwölf Jahre ginge es beim sogenannten Kinder-Kickboxen hauptsächlich um Spaß und Bewegung. Dabei ist die Fight Academy zu einem Treffpunkt geworden. Auf den Bänken sitzen die Eltern und schauen dabei zu, wie der Sport ihre Kinder auslastet. Mittendrin die Trainer, zu denen hin und wieder auch Bedirhan Kabak gehört.

„Bedirhan ist das Gesicht dieser Schule. Auch außerhalb seiner Trainingszeiten ist er hier und hilft mir dabei, die Übungen zu leiten. Er ist mit vollem Herzblut dabei“, ist Özcan über die Unterstützung seines Schützlings dankbar und hebt eine Eigenschaft hervor, mit der Wasser wohl nicht so einfach mithalten kann.

Ein Vollkontaktsport

Die aus Japan stammende K1 ist eine eigene Wettkampfart, die verschiedene Kampfsportarten miteinander verknüpft. Genau wie beim Boxen handelt es sich um einen Vollkontaktsport, bei dem es darum geht, entweder durch die Kampfrichterentscheidung oder ein Knockout zu gewinnen.

Anders als beim Thai Boxen wird ohne den Einsatz des Ellenbogens gekämpft. Dafür dürfen K1-Kämpfer mit dem Knie arbeiten. „Es bringt die Dynamik vom Kickboxen und die Härte vom Thaiboxen mit“, beschreibt der ehemalige K1-Weltmeister Bulut Özcan den Stil.

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