Corona und der Hammer Sport

Augen zu und durch? So reagieren Verbände und Vereine auf die steigenden Corona-Fallzahlen

Weiter geht’s – trotz Corona: Die Fußballer auf Kreisebene – hier der BV 09 Hamm und der Hammer SC – sollen am kommenden Wochenende wieder spielen.
+
Weiter geht’s – trotz Corona: Die Fußballer auf Kreisebene – hier der BV 09 Hamm und der Hammer SC – sollen am kommenden Wochenende wieder spielen.

Der Amateursport wird zum Flickenteppich. In einigen Mannschaftssportarten wie Basketball und Handball hat die Corona-Pandemie in den unteren Spielklassen bereits zur Unterbrechung der aktuellen Saison geführt. 

Hamm - Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen aber hält weiter an seinem Ziel fest, die laufende Spielzeit über die Bühne bringen zu wollen – trotz immer weiter steigender Fallzahlen. Wir geben einen Überblick über die Corona-Situation in verschiedenen Sportarten und haben mit betroffenen Hammer Verantwortlichen und Vereinen gesprochen.

Fußball

Die Entscheidung: In Drensteinfurt und Walstedde gibt es nur noch Geisterspiele, im Kreis Beckum wurde alles abgesagt, in Bochum sind die Plätze gesperrt – im Kreis Unna aber ist es nach zwei Wochen Zwangspause seit Montag wieder erlaubt, Fußball zu spielen. Das Problem bei der Sache: Bei einer Videokonferenz am vergangenen Montag hatten die Vorsitzenden der 29 Fußball-Kreise Westfalens keine Einigung erzielen können, wie sie mit den steigenden Corona-Zahlen umgehen sollen. Daher hat Christian Ritter, der Vorsitzende des Kreis-Fußball-Ausschusses, am Wochenende die heimischen Vereine darüber informiert, dass am kommenden Wochenende ab Kreisliga A abwärts der angesetzte Nachholspieltag zu absolvieren ist.

Die Meinung: Michael Allery, Kreisvorsitzender des Fußballkreises Unna/Hamm: „Wir halten uns an die Vorgaben der Stadt beziehungsweise der Politik. Wenn von dort ein Riegel vorgeschoben wird, dann stoppen wir den Trainings- und Spielbetrieb. Aber da es auch vom Verband keine Vorgaben gibt, wird am Wochenende eben wieder gespielt – wobei ich da schon Magengrummeln habe. In Unna wurde bei einem RKI-Wert von 53 abgebrochen, jetzt liegt er bei irgendwas um Hundert, und der Sport wird wieder aufgenommen. Das ist für mich alles nicht nachvollziehbar und unbefriedigend. Ich habe da meine eigenen Gedanken zu, aber ich als kleiner Ehrenamtler gehe da nicht über die Entscheidung der Politik hinweg.“

Handball

Die Entscheidung: Während der Handballverband Westfalen (HVW) plant, den Spielbetrieb weiterhin unter Beobachtung der Pandemie-Entwicklung aufrecht zu erhalten, ruht dieser nach einer Umfrage bei den Vereinen im Handballkreis Hellweg bis zum 8. Januar. Dann soll es einen Neustart geben – mit einer einfachen Runde ohne Rückspiele.

Die Meinung: Michael Heinlein, Geschäftsführer, ASV Hamm-Westfalen: „Ich persönlich finde die Regelung des HVW sinnvoller, dass der Spielbetrieb weitergehen soll, dass aber eine Mannschaft nicht in ein Risikogebiet fahren muss und diese Spiele dann verlegt werden dürfen. Eine andere Möglichkeit wäre es gewesen, wir machen die einfache Runde ab sofort, dann wäre mehr Spielraum dagewesen. Weil es bei uns ergebnisoffen war, habe ich als Vereinsrückmeldung weiter gegeben, dass wir weiterspielen wollen. Aber es ist anders entschieden worden, daher müssen wir damit klarkommen. Auf Landesebene machen wir ja auch weiter. In NRW ist der Kontaktsport weiterhin nicht verboten, und wir haben uns mit unserem Hygienekonzept sehr viel Mühe gegeben. Den Trainingsbetrieb werden wir aufrecht erhalten und hoffen, dass es im Januar anders aussieht.“

Tischtennis

Die Entscheidung: Am Sonntag hat der Westdeutsche Tischtennis Verband (WTTV) beschlossen, alle Partien unterhalb der Oberliga bis zum Jahresende abzusetzen. Gespielt werden soll dann nur noch eine Einfachrunde. Das heißt, alle Teams der jeweiligen Ligen treffen nur einmal in der Saison aufeinander. Bereits in der Hinrunde ausgetragene Paarungen werden in der Rückserie nicht mehr gespielt.

Die Meinung: Martin Vatheuer, 1. Vorsitzender, TTC GW Bad Hamm: „Für mich kam diese Entscheidung relativ überraschend. Vor der Saison wurde ja extra so überlegt und entschieden, dass teilweise die Wettspielordnung geändert und angepasst wurde. Die Austragung der Doppel wurde zum Beispiel angepasst, mit dem Hintergrund, nicht als Kontaktsportart dazustehen. Bisher wurde die Saison bei uns ganz gut durchgezogen. Infektionen während der Wettkämpfe sind mir nicht zu Ohren gekommen im niederklassigen Spielbetrieb. Die Vereine haben sich gut an die Hygieneregeln gehalten. Daher bin ich schon überrascht, dass so eine weitreichende Entscheidung getroffen wird – und das gleich bis Ende des Jahres. Ich wäre da zurückhaltender gewesen, hätte die politischen Entscheidungen der Kommunen abgewartet. Vielleicht hätten wir dann noch zwei, drei Wochen hinbekommen. Ich hoffe, dass es dann im Januar weitergeht. Wir als TTC GW Bad Hamm sind von der NRW-Liga abwärts mit sieben Herrenmannschaften sowie im Jugendbereich betroffen.“

Volleyball

Die Entscheidung: Das Präsidium des Westdeutschen Volleyball Verbandes (WVV) hat einstimmig beschlossen, dass der Spielbetrieb im Erwachsenenbereich (Oberliga bis Kreisliga), Jugend- und BFS (Breiten- und Freizeitsport)-Bereich bis zum 22. November pausiert. Die Spiele, die in diesem Zeitraum nicht stattfinden, werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Für Mannschaften, die dennoch bis zum 22. November ihre angesetzten Partien absolvieren möchten, besteht die Möglichkeit, sofern die Hygienevorgaben vor Ort eingehalten werden. Wichtig ist dabei, dass dies jeweils von beiden beteiligten Mannschaften gewünscht wird.

Die Meinung: Jan Gonsirowski, Abteilungsleiter des Hammer SC: „Ich habe mit den Trainern gesprochen und wir haben abgeklärt, den Spielbetrieb zunächst einmal bis zum 22. November einzustellen. Das ist ja auch der Zeitraum, den der westdeutsche Verband empfiehlt. Trainieren werden wir, so lange wir dürfen, ganz normal weiter. Da sind die Kontakte auf ein Minimum beschränkt. Bei uns sind drei Damen-, zwei Herren und die Jugendmannschaften betroffen. Der Beschluss des Verbandes ist für mich Wischiwaschi. Da wird die Verantwortung auf die Vereine abgewälzt. Unsere erste Damenmannschaft hat bislang noch kein Spiel gehabt, weil die anderen sich geweigert haben, in den Hotspot Hamm zu kommen. Und das zum Teil in einem Ton, der nicht schön war. Deshalb ist meine persönliche Meinung, wir sollten in dieser Saison gar nicht mehr spielen. Du kannst nicht planen, reservierst Hallen, und eine Woche vorher sagt der Gegner, wir kommen nicht.“

Rollhockey

Die Entscheidung: Eine offizielle Verbands-Entscheidung gibt es aktuell nicht. Am vergangenen Wochenende war der komplette Spieltag in der Bundesliga abgesetzt worden, da die Corona-Kennziffern in den Orten, wo die Partien ausgetragen werden sollten, zu hoch waren. Ob die Herringer in dieser Spielzeit auf internationaler Ebene antreten werden, ist noch fraglich. Die Profiklubs aus Spanien und Portugal wollen die Partien der Euro-League austragen, die Begegnungen der französischen Vereine für den ersten Spieltag sind bereits abgesagt. Ebenso unklar ist, ob die Herringer am Samstag beim Duisburger Verein RESG Walsum antreten werden. Hier soll am Mittwoch eine Entscheidung gefällt werden. Im Jugendbereich findet derzeit kein Spielbetrieb statt.

Die Meinung: Michael Brandt, 1. Vorsitzender, SK Germania Herringen: „Ich sehe die Hinrunde in diesem Jahr mit vielen Fragezeichen. Meiner Meinung nach sollte man die Hinrunde beenden und im neuen Jahr mit der Rückrunde plus den bereits gespielten Partien der Hinserie weitermachen. Auf internationaler Ebene müssen wir die Entwicklung abwarten. Wir haben Kontakt zu Sporting Lissabon aufgenommen , ob die Portugiesen am 21. November bei uns spielen wollen oder nicht.“

Wasserball

Die Entscheidung: Eigentlich sollte der SC Rote Erde am 23. November mit der Partie gegen den SV Stolberg in die neue Zweitliga-Saison starten. Doch jetzt erhielten die Hammer Verantwortlichen in einem Schreiben vom Verband die Information, dass auf NRW-Ebene der Saisonstart im Senioren- und Erwachsenenbereich auf Anfang Januar verschoben worden ist.

Die Meinung: Carsten Berg, Trainer des SC Rote Erde: „Natürlich geht die Gesundheit vor. Aber für uns ist es schon sehr ärgerlich. Wir haben die Zeit in den vergangenen Wochen und Monaten sehr gut genutzt und sind wirklich gut in Form. Ich glaube, wir sind so fit wie seit zwei Jahren nicht mehr. Und wir hatten eine echt gute Trainingsbeteiligung. Aber wir können es nicht ändern. Ich habe allerdings auch nie verstanden, warum wir erst so spät in die Saison starten sollten, wir hätten auch schon im September spielen können.“

Basketball

Die Entscheidung: Der Start in die Saison 2020/2021 im Bereich des Westdeutschen Basketball-Verbandes (WBV) ist – von der Oberliga abwärts sowie im kompletten Jugendbereich – auf Ende Januar verschoben worden. Das ist das Ergebnis der 5. digitalen Mitgliederkonferenz gewesen. Freundschaftsspiele dürfen allerdings unter Einhaltung der behördlichen Vorgaben ausgetragen werden. Für die 1. und 2. Regionalliga der Männer wird es weitere Videokonferenzen geben, in denen die Vereine über das Vorgehen in ihren Spielklassen abstimmen werden. Für die 13 Klubs der 1. Regionalliga wird die Konferenz am Dienstag stattfinden.

Die Meinung: Markus Schwennecker, Sportlicher Leiter TuS 59 HammStars: „Grundsätzlich geht die Gesundheit aller Beteiligten vor, das ist klar. Aber wir würden uns aus sportlicher Sicht nicht dagegen sträuben, wenn in der 1. Regionalliga weiter gespielt würde. Es geht in dieser Liga auch schon um Geld, Sponsoren und auch Profis bei den Importspielern. Wenn die Tendenz in der Konferenz in die andere Richtung gehen sollte... Auch okay. Dass der Saisonstart unterhalb der Oberligen und im Jugendbereich verschoben wurde, das ist absolut in Ordnung. Das ist genau die richtige Entscheidung. Die Regionalliga ist ja überschaubar, aber bis in die Kreisliga hinunter würde das nur einen Wust an Problemen geben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare