Handball

Auch mit 38 Jahren: Torhüter-Neuzugang des ASV Hamm-Westfalen will noch viel erreichen

ASV Hamm-Westfalen: Vladimir Bozic.
+
Torhüter-Neuzugang des ASV Hamm-Westfalen: Vladimir Bozic.

Mit dem 38-jährigen Vladimir Bozic hat der ASV Hamm-Westfalen schon im Winter einen weiteren Torhüter für die kommende Saison verpflichtet. Auf die Handball-Rente vorbereiten will sich der in Hamm aber nicht.

Hamm – Satte 3:18 Minuten dauert das Youtube-Video, das die schönsten Paraden von Vladimir Bozic im Trikot der HBW Balingen-Weilstetten in den Handball-Bundesligen aneinanderreiht. Immer wieder nehmen die Gegenspieler das HBW-Tor unter Beschuss – und immer wieder zeigt der Kroate am Ende der Sequenz die gleiche Körperhaltung: Ball halten, Brust raus, Kopf in den Nacken und beide Arme weit in die Luft reißen. Nicht einmal muss der Torhüter in diesem Zusammenschnitt hinter sich greifen. Und vielleicht hatten die Verantwortlichen des ASV Hamm-Westfalen dieses Video vor Augen, als sie im Januar den Vertrag mit dem 38-jährigen Kroaten unterzeichneten.

Bozic soll mit seiner Erfahrung das Hammer Torhüterduo mit Felix Storbeck und Jan Wesemann unterstützen und dabei helfen, die ASV-Abwehr zu einem Bollwerk zu machen, das ähnlich wie in besagten 3:18 Minuten nur schwer zu überwinden sein wird.

Dass das gelingen kann, steht für den Routinier fest – wann, dagegen eher nicht. „Ich denke, es ist nicht realistisch, jetzt im August zu sagen, wir wollen den Aufstieg. Diese Liga ist ganz verrückt. Vier Absteiger plus Gummersbach Bietigheim, Dresden – das sind schon sieben Mannschaften“, zählt Bozic die spielstarke Konkurrenz im Kampf um die zwei Aufstiegsränge auf. „Für mich ist es zunächst das einzige Ziel, am 12. September zwei Punkte gegen Dormagen zu holen und keine Verletzten zu haben. Der Rest, keine Ahnung, da müssen wir step by step gucken, was passiert. Die Liga ist ganz stark. Ich denke nicht, dass wir den Aufstieg sofort schaffen.“

Voller Einsatz für den Erfolg

Was ihn nicht davon abhält, dennoch alles dafür zu tun, dass es gelingt. Für zwei Jahre hat der Kroate beim ASV unterschrieben – eine Vorbereitung auf die Handball-Rente sollen die kommenden zwei Saisons allerdings nicht werden. Der 1,98-Meter-Mann ist noch immer so ehrgeizig wie am ersten Tag seiner Karriere – damals, als er als 14-Jähriger in seiner Geburtsstadt Split beschloss, dem Schwimmsport den Rücken zu kehren und es mit dem Handball zu versuchen. „Ich hatte beim Schwimmen Probleme mit dem Chlor. Dann bin ich zum Handball und da ins Tor gegangen“, erinnert er sich und ergänzt lachend: „Ich habe in der Jugend viele Bälle an den Kopf gekriegt – vielleicht sind Torhüter deswegen ein bisschen spezifisch. Aber ich mag das, deswegen bin ich mit 38 immer noch im Tor. Und vielleicht bekomme ich deswegen ja irgendwann mal eine Behindertenrente...“

Vielleicht hat er aber auch einfach Spaß am Handball gefunden, weil er seine Sache im Tor sehr gut gemacht hat und in Split schon in der Jugend mit späteren Weltstars wie Ivano Balic zusammenspielen durfte. Der Weg führte zwangsläufig in die Nationalmannschaft und später nach Spanien, wo Bozic fast fünf Jahre in der 1. Liga für Madrid und Vigo gespielt hat. „In Kroatien verdienst du als Profisportler nicht viel Geld“, sagt Bozic. „Darum bin ich 2006 mit 23 Jahren nach Spanien.“

Einsätze in der Champions League

Im Lauf seiner Karriere hat er international unter anderem in der Champions League gespielt – als schönsten Erfolg wertet er aber den Aufstieg in die 1. Bundesliga mit der HBW Balingen-Weilstetten vor zwei Jahren. „Das ist ein großer Unterschied, wenn du das ganze Jahr für dieses Ziel kämpfst und am Ende so belohnt wirst“, schwärmt er. „Ich hoffe, diese Aufstiegssituation erleben wir in Hamm auch.“

Dass der Kader beim ASV das Zeug dazu hat, ganz oben in der Tabelle mitzuspielen, steht für den Routinier fest. Nach den ersten Trainingswochen hat der 38-Jährige eine „sehr positive Stimmung in der Kabine“ ausgemacht. „Die Atmosphäre im ganzen Verein ist sehr gut – ich hoffe, dass das über die Saison so bleibt.“

Ein paar Mal war Bozic in seinen ersten Hamm-Wochen „mit den Jungs“ in der Stadt – mehr lässt das umfangreiche Trainingsprogramm von Trainer Michael Lerscht derzeit nicht zu. „Aber dazu habe ich in den zwei Jahren noch genug Zeit“, sagt der Neuzugang, der sich mit „viel Elan und Energie“ bei seinem neuen Klub einbringen will. „Für mich war es immer wichtig, keine Verletzung zu haben und gute Leistung zu bringen – und wenn du glücklich bist mit Wohnung, Auto, Stimmung in der Familie, dann kommen diese Dinge von alleine.“

Kein Problem mit Konkurrenz

Dass er in Hamm auf zwei starke Torhüter-Kollegen treffen würde, schreckte Bozic bei den Vertragsverhandlungen nicht. „Ich habe kein Problem mit Konkurrenz. Besser positiver Druck als keiner“, sagt er und lobt die Konkurrenz. „Felix ist ein super Torwart, ein positiver Typ. Vorletztes Jahr war er der beste Torwart in der 2. Liga. Ich denke, es ist kein großer Unterschied, wer spielt. Felix, ich oder vielleicht Jan – wichtig ist, dass wir mehr als zehn Bälle halten jedes Spiel. Ein Feldspieler kann an einem schlechten Tag ein paar Pässe nach außen spielen – aber wenn der Torwart nichts hält, muss er raus. Aber die Liga ist so lang, da bleibt genug Zeit für zwei oder auch drei Torhüter.“

1,98 Meter-Hürde für die Gegenspieler: Vladimir Bozic.

Vor allem nach dem letzten seiner drei Balinger Jahre, in dem er kaum gespielt hat, brennt Bozic darauf, wieder zwischen den Pfosten zu stehen. „Du trainierst die ganze Woche, sitzt dann auf der Bank und wartest auf deine Chance“, sagt er. In Balingen geriet das Warten zuletzt zur Dauerschleife. „Ich will aber noch ein bisschen spielen“, betont der Oldie.

Dass er sich auf der Suche nach einem neuen Klub für Hamm entschieden hat, lag auch an zwei Ex-ASVern. Denn bei der HBW spielte Bozic zuletzt gemeinsam mit Björn Zintel und Tomas Mrkva, die beide auf eine ASV-Vergangenheit zurückblicken und nur lobende Worte für ihren Ex-Klub fanden. „Mit Tomas war ich zusammen in einem Zimmer. Er ist ein sehr guter Torwart, ein super Typ. Wir sind immer noch in Kontakt“, sagt der Kroate über seinen tschechischen Kollegen. „Und Tomas hat mir viele gute Dinge über die Leute hier, den Verein und die Stadt erzählt. Und Björn war zwei oder drei Jahre in Hamm und hat auch nur Positives erzählt.“

Sommer mit der Familie

In der Sommerpause hat Bozic seinen durchtrainierten Körper vor allem am Strand zur Schau getragen. „Ich war viel fischen, bin gelaufen, habe ein bisschen Tennis und Basketball gespielt, war viel am Meer mit den Kindern in Kroatien. Ich brauche die Zeit mit der Familie“, sagt er. Denn während Papa Vladimir das Geld in Deutschland verdient, wohnt die Familie in der Heimat. Tochter Eva (11) und Sohn Ivan (4) bekommt der neue ASV-Keeper daher fast nur im Sommer, an Weihnachten und Ostern – und ab und zu für einen Kurztrip – zu sehen. „Ein Flug dauert 1:10 Stunden – das ist nicht aus der Welt.“

Wie der ASV in Zukunft taktisch ausgerichtet sein wird, weiß Bozic nach den ersten Laufeinheiten noch nicht. Wohl aber, dass sein Trainer Michael Lerscht „möchte, dass wir ein ganz anderes System spielen. Ich finde modernen Handball gut, aber dafür musst du 16 Männer in der Kabine haben. Wenn du vier, fünf, sechs Verletzungen hast, kannst du nicht 60 Minuten laufen, dann bist du schnell kaputt. Ich denke, mit einer guten Vorbereitung und ohne Verletzungen können wir diesen Handball spielen.“

Dass er die Rückennummer 21 trägt, hat für Bozic keine besondere Bedeutung. „Das spielt für mich keine Rolle“, sagt er. „Ich bin nicht Cristiano Ronaldo, der mit der Nummer sieben spielen muss.“ Viel mehr freut sich der Kroate daher auf den Saisonstart und Spiele mit möglichst vielen Zuschauern. „Ein paar Mal habe ich in der Arena schon gespielt“, erinnert er sich. „Die Halle war voll, die Stimmung war auch gut – aber nur bei mir, weil ich hier immer gewonnen habe.“ Jetzt will er dafür sorgen, dass die Fans mit ihm jubeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare