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ASV-Neuzugang Alexander Schulze: Mit neuen Beats zum Klassenerhalt

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Von: Günter Thomas

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Linksaußen und Musikwart beim ASV: Neuzugang Alexander Schulze.
Linksaußen und Musikwart beim ASV: Neuzugang Alexander Schulze. © Mathias M. Lehmann

Als Spätzünder ist Alexander Alexander Schulze zum Handball-Profi geworden. Mit Bundesliga-Aufsteiger ASV Hamm-Westfalen will der 24-Jährige, der vom TVB Stuttgart kam, nun den Klassenerhalt schaffen.

Hamm – Seine Lebensplanung sah den Berufszweig Handball-Profi eigentlich nicht vor: Klar, Alexander Schulze war immer schon ein guter Handballer. Ein sehr guter sogar. Seit seiner Kindheit spielte der 24-Jährige für seinen Heimatverein TuS 04 Kaiserslautern-Dansenberg – zuletzt immerhin in der 3. Liga. Eine Ausbildung zum Industriemechaniker hatte er 2020 bereits abgeschlossen. Der Gang zur Technikerschule oder ein Studium sollten folgen. Dann ging alles ziemlich schnell. Erstligist TVB Stuttgart klingelte an, zwei, drei Probeeinheiten folgten, und wenig später warf sich Schulze mit Nationalspielern wie Johannes Bitter oder Patrick Zieker in der Porsche Arena die Bälle zu. „Das hat sich relativ spontan ergeben“, erinnert sich der Linksaußen, der dann statt der Technikerschule ein Studium der Sportökonomie an der Fernuni begonnen hat. „Von einer auf die andere Woche hatte ich einen Profivertrag. Ich habe vorher schon sehr viel trainiert, aber nie Jugend-Bundesliga oder bei den DHB-Junioren gespielt – das war ein etwas anderer Werdegang.“

Zwei Jahre spielte er in Stuttgart, und als der Vertrag nicht verlängert wurde, klopfte der ASV an und nahm den 1,90 Meter großen Rechtshänder für zwei weitere Profi-Jahre unter Vertrag.

Jetzt hat Alexander Schulze großen Stress. Umzugsstress. Denn „weil das ja alles relativ spät bei mir mit dem Vertrag in Hamm geklappt hat, habe ich immer noch viel mit der Wohnung zu tun, die ich am 15. Juli bekommen habe“, sagt er. „Seitdem ist zwischen den Trainings und danach immer noch Umzug und Sachen kaufen oder aufbauen angesagt. Ein paar Sachen habe ich zwar aus Stuttgart mitgebracht, eine Couch und so muss ich aber noch nachrüsten.“

Bundesliga-Start nicht optimal

Seinen Profi-Start in Stuttgart empfand Schulze als „gar nicht so gut“. Die Tinte seiner Vertragsunterzeichnung war noch nicht trocken, da stand er bereits auf der Platte. Die Erinnerung an die 23:27-Niederlage vom 2. Februar 2020 beim TBV Lemgo: „Der Wechsel ist freitags veröffentlicht worden, und ich habe sonntags schon in Lemgo gespielt und wurde nach zehn Minuten in einer Überzahlsituation ins kalte Wasser geworfen, habe den ersten Ball direkt, aber eher halbherzig genommen – und verworfen. Wir haben deutlich verloren. Da war der Respekt noch ziemlich groß. Dann kam Corona, und die Saison wurde abgebrochen.“

So dauerte es noch einige Spiele und bis zum 25. Oktober 2020, ehe der Linksaußen seinen ersten Bundesligatreffer bejubeln durfte: Beim Spiel in Magdeburg – dort, wo der ASV am 4. September sein erstes Ligaspiel nach dem Aufstieg bestreiten wird. Stuttgart gewann 30:29. „Das war natürlich ein Highlight. Und danach wurde es einfacher für mich“, erinnert er sich. Denn während er zu Beginn der Saison ausschließlich in Überzahlsituationen zum Einsatz kam, wurde es bis zum Ende der Serie stetig mehr – „und im zweiten Jahr habe ich auch oft auch angefangen, obwohl ich noch zweiter Mann hinter Patrick Zieker war.“

42 Tore wurden es in der Saison 2020/21, 44 in der vergangenen – bei einer Quote von über 70 Prozent. Ob es im ersten ASV-Jahr mehr werden? „Sich eine Anzahl von Toren vorzunehmen, finde ich schwierig, weil man nie weiß, wie die Spielzeiten ausfallen und ob man fit bleibt“, sagt der 24-Jährige. Denn eines haben die Engagements in Hamm und Stuttgart gemeinsam: In beiden Kadern trägt sein Positions-Partner die Kapitänsbinde. In Stuttgart war es Nationalspieler Patrick Zieker, in Hamm ist es Leistungsträger Fabian Huesmann. „Das ist vielleicht nicht optimal“, räumt Schulze ein. „Aber im Sport wird ja immer noch nach Leistung aufgestellt. Der Kapitän ist wichtig, Fabi ist lange hier, das ist natürlich kein Vorteil für mich. Wir haben aber ein super Verhältnis. Und mir war es immer wichtig, das Beste aus der Zeit zu machen, in der ich spiele – das hat ganz gut geklappt.“

Klassenerhalt über Miteinander und Teamgeist

Wollen die Hammer den Klassenerhalt schaffen, geht das ohnehin nur über das Miteinander, den Teamgeist. „Das muss unsere Stärke sein“, sagt der Linksaußen. „Gerade zuhause. Viele Gegner haben gegen einen eingeschworenen Haufen oft Probleme, egal, wer kommt. Dann ist in der Liga alles möglich. Auch wenn man von Grund auf vielleicht nicht die Qualität hat wie manche andere Mannschaft, kann man das durch die anderen Werte vielleicht ein bisschen wett machen.“

Während sein Platz im Angriff klar definiert ist, sieht sich Schulze in der Abwehr variabel einsetzbar. „Auf Außen habe ich zwei Jahre gedeckt, teilweise aber auch in der Spitze oder auf halb – das hat eigentlich ganz gut funktioniert. Aber verbessern kann man sich immer.“

Seine größten Stärken sieht er im Gegenstoßspiel: „Schnelligkeit, Sprungkraft – da habe ich schon ganz gute Vorteile“, sagt er. „Ich bin auch nicht so klein auf meiner Position. Genau wie Fabi. Wir sind, glaube ich, beide 1,90 m groß.“

Mit dem Wechsel von Spielmacher Dani Baijens nach Hamburg hat der Pfälzer auch das DJ-Amt in der Kabine übernommen. „Ich bin mit Yonatan Dayan für die Getränke und als Musikwart mit Tim Wieling für die Beats zuständig“, sagt er. „Wir versuchen, eine gute Mischung reinzubringen – aus Neuem, Altem und ein bisschen Techno. Dafür habe ich auch schon herumgefragt, was vorher gehört worden ist.“ Die Zeit des brachialen niederländischen Gute-Laune-Schlagers erklärt Schulze zwar mit einem „eher nicht...“ für beendet. Auf Gründe zum Feiern hofft er aber trotzdem.

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