WM-Vorfreude bei Joscha Ritterbach

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Freudensprung: Joscha Ritterbach.

Hamm - Okay, ein klitzekleines bisschen neidisch war Joscha Ritterbach schon. Schließlich posteten die Teamkollegen ja auch in diversen Internetportalen in den vergangenen Wochen die schönsten Urlaubsbilder, während der Linksaußen des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen einiges an Arbeit zu verrichten hatte.

„Klar, da ist man immer ein bisschen im Zwiespalt“, sagt Ritterbach. „Aber man macht das alles ja freiwillig. Aus Liebe zum Sport.“ Und es ist wirklich eine sehr innige Beziehung, die Ritterbach zum Handball hat, und die er auf dem Parkett auch – für jeden erkennbar – mit vielen Emotionen auslebt. „Wenn man sieht, was am Ende dabei herauskommt, dann gibt es nichts Schöneres“, meint er.

Daher war das Pflichtprogramm nach dem Saisonende für ihn auch alles andere als lästig. Er war viel mit der Junioren-Nationalmannschaft unterwegs, war beim Lehrgang und zuletzt vor zwei Wochen bei der stark besetzten Airport-Trophy in der Schweiz, die das Team von Bundestrainer Markus Baur gewann. Eigentlich hätte Ritterbach danach ein bisschen die Füße hochlegen können bis zum Start der ASV-Vorbereitung am vergangenen Donnerstag. Wäre da nicht der individuelle Trainingsplan gewesen, den die Nationalspieler als „Hausaufgabe“ mitbekommen hatten und den Ritterbach gewissenhaft, unter anderem mit Unterstützung von ASV-Athletiktrainer Thomas Isdepski, abarbeitete. Wohlwissend, dass „die Belastung einen irgendwann einholt“.

Aber da ist eben dieses Highlight, das in diesem Sommer noch auf Ritterbach wartet: die WM in Brasilien (19. Juli bis 2. August). Da lohnt sich das Schuften für den schnellen Linksaußen, der in der Schweiz mit zwei ganz starken Auftritten beste Eigenwerbung betrieben und zu Beginn der Woche die Einladung in den WM-Kader erhalten hatte. Und „unheimlich stolz“ ist, „dass ich diesen Traum mitnehmen kann“. Schließlich wird es eine reizvolle Reise, zudem sein letztes Turnier in der U21-Nationalmannschaft, danach ist altersbedingt „das Kapitel zu“. Auch deshalb möchte er mit dem Team, das als Mitfavorit gehandelt wird und in der Vorrunde auf Gastgeber Brasilien, Ägypten, Norwegen, Uruguay und Japan trifft, gerne gut abschneiden. „Aber das ist ein Turnier, da kann viel passieren“, sagt Ritterbach. „Es klingt total langweilig. Aber wir schauen von Spiel zu Spiel.“

Bei aller Vorfreude: Es gibt einen kleinen Wermutstropfen. Der WM-Kader wird am Montag in Frankfurt zusammengezogen. Was bedeutet: Kaum ist Ritterbach beim ASV in die Vorbereitung auf die kommende Saison gestartet – ist er auch schon wieder weg. Wobei es Neuzugang Björn Zintel übrigens nicht anders geht, der zwar das Trainingslager ab Montag mit absolviert, aber mit der U19-Jugend-Nationalmannschaft auf die WM in Russland zusteuert, die im August stattfindet und erst wenige Tage vor Saisonbeginn endet. Doch Ritterbach ist sich sicher, dass er nach seiner Rückkehr schnell den Anschluss findet. „Es wäre schwerer, wenn ich ganz neu hier wäre“, sagt er. „Aber ich bin ja jetzt ein Jahr beim ASV und kenne die Jungs relativ gut. Und bei den drei neuen (Zintel, Savvas Savvas und Stephan Just, Anm. d. Red.) geht das fix.“

Überhaupt keine Probleme sieht er übrigens darin, sich an den neuen Coach Niels Pfannenschmidt zu gewöhnen, den er aus gemeinsamen Zeiten beim TBV Lemgo kennt. „Es wird sicherlich viele andere Sachen geben. ‘Pfanne’ ist ein Trainer, der immer gerne was Neues probiert“, sagt Ritterbach, ehe er lächelnd hinzufügt: „Aber es ist ja nicht so, dass der Handball ganz neu erfunden wird, wenn ich weg bin.“

Und so bereiten die Umstände vor allem einem leichtes Magengrummeln: Pfannenschmidt. Der 41-Jährige weiß zwar, dass „auch andere Mannschaften diese Probleme haben“, dass ihnen die Nationalspieler in der Vorbereitung fehlen. Aber gerade für Ritterbach hat der Coach „eine wichtige Rolle“ vorgesehen in seinem Konzept, das eine offensiv ausgerichtete, variable Deckung und eine große Bedeutung für die schnelle Mitte vorsieht. Nur: Wenn Ritterbach zurückkehrt, wird Pfannenschmidt auch nicht sofort auf die Dienste des flinken Linksaußen zurückgreifen. „Dann“, erklärt der Trainer, „braucht er ja erst einmal eine Pause. Sonst hängt er später durch.“

Eine Pause? Wirklich? Das klingt für Ritterbach fast schon nach einer Strafe. „Wenn der Trainer das sagt, werde ich das wohl machen müssen“, sagt er – und grinst, als er augenzwinkernd hinzufügt: „Vielleicht lässt er da ja noch mit sich reden.“

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