Handball

Saison-Abbruch lässt beim ASV viele Fragen offen

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Franz Dressel möchte im September wieder Zuschauer in er Westpress Arena begrüßen.

Die Handball-Bundesliga hat beschlossen, die Saison mit sofortiger Wirkung zu beenden. Die Klubs hoffen auf einen Neustart im September. Dafür muss ASV-Geschäftsführer Franz Dressel jetzt die Voraussetzungen schaffen.

Hamm – Franz Dressel, Geschäftsführer des Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen und einer von drei Vizepräsidenten der Handball-Bundesliga (HBL), hat sich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt. Dressels Einschätzung vom vergangenen Freitag, dass sich die Vertreter der Erst- und Zweitligisten für einen Abbruch der aktuellen Saison aussprechen werden, hat sich am Dienstagmittag in einer Videokonferenz aller Vereine bestätigt. „Und das mit absoluter Mehrheit“, wie Dressel betont. 

Doch die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Ungewissheit im Sport überhaupt und speziell in Bezug auf den wirtschaftlichen Überlebenskampf der Vereine hat sich durch das eindeutige Abstimmungsergebnis für Dressel und den ASV nur unwesentlich verändert. „Die Erleichterung ist erst einmal groß, dass wir nun endgültig wissen, dass wir in dieser Saison nicht mehr spielen werden. Mit der Tatsache können wir erst einmal arbeiten und entsprechende Maßnahmen erarbeiten“, erklärt der ASV-Geschäftsführer.

Fakt ist, dass die Hammer auch in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga um Punkte kämpfen werden, die aktuell an der Spitze stehenden HSC Coburg und Tusem Essen steigen auf. Offen bleibt allerdings, wann und wie es in den beiden Handball-Oberhäusern weitergehen wird. „Wir hoffen, dass wir am 2. September in die Saison 2020/21 starten können. Wir werden allerdings auch in den kommenden Wochen die Situation genau beobachten und haben deswegen entsprechende Arbeitsgruppen gebildet, die sich um Alternativen bemühen werden“, bestätigt der HBL-Vizepräsident. 

Große finanzielle Verluste

Dressel wird in den nächsten Tagen mit Manager Thomas Lammers erst einmal darum kämpfen müssen, den wirtschaftlichen Schaden für den Verein nach dem Saisonabbruch so gering wie möglich zu halten. „Wir wissen nicht, was in den nächsten Tagen an Regressansprüchen von Seiten der Dauerkarteninhaber oder Sponsoren auf uns zukommen wird“, tappt der Verein in dieser Hinsicht erst einmal im Dunkeln.

„Der Verlust wird sicherlich nicht klein sein, zumal unsere letzten Heimspiele alle bereits so gut wie ausverkauft waren“, sagt Dressel. Der hofft jetzt darauf, dass die Fans den Verein nicht im Regen stehen lassen und regt, was die Tickets angeht, mögliche Koppelgeschäfte mit den Spielen in der kommenden Saison an. „Wie das aussehen kann, werden wir in den nächsten Tagen erarbeiten und vorstellen“, sagt der Geschäftsführer. 

Sponsoren nicht unter Druck setzen

Dressel weiß zudem, dass auch der eine oder andere Sponsor in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten große Probleme hat, will diese aber nicht unter Druck setzen. „Wir werden in aller Ruhe mit den Leuten reden. Von vielen haben wir bereits positive Signale erhalten, dass sie auch in Zukunft unseren Verein weiter unterstützen wollen.“ Deshalb sieht er die Existenz des Zweitligisten erst einmal nicht als gefährdet an. 

Alle Spieler befinden sich bis zum 30. Juni weiter in Kurzarbeit. Der Verein hat die Bezüge um 20 Prozent aufgestockt, die Akteure haben selbst auf 20 Prozent der Gehälter verzichtet. „Diese Dinge sind bis Ende der Saison erst einmal abgedeckt“, bestätigt Dressel, für den es jetzt darum geht, einen entsprechenden Etat für die kommende Saison auf die Beine zu stellen. „Dadurch, dass wir weiter in der 2. Bundesliga spielen werden, wird sich an unseren personellen Planungen erst einmal nichts ändern“, versichert der ASV-Chef. „Nur im Falle eines Bundesliga-Aufstiegs hätten wir in dieser Hinsicht nachjustieren müssen.“

Zumindest das bleibt dem ASV jetzt erspart. Ob es angesichts möglicher Sponsoren-Verluste noch einmal Gespräche mit den unter Vertrag stehenden Spielern geben muss, lässt Dressel erst einmal offen. „Wir müssen in den kommenden Wochen erst einmal sehen, mit welchen Mitteln wir planen können.“ Mit zusätzlichen Einnahmen aus dem DHB-Pokalwettbewerb kann der ASV Hamm-Westfalen nicht rechnen. Der wurde für die kommende Saison erst einmal ausgesetzt. „Durchaus möglich, dass die vier bereits für das Final-Four qualifizierten Mannschaften im nächsten Jahr noch einen Pokalsieger ermitteln“, berichtet Dressel.

Neuer ASV-Trainer ab 1. Juli

Der neue Trainer Michael Lerscht, derzeit noch beim Klassenkonkurrenten TuS Ferndorf unter Vertrag, wird seinen Dienst in Werries offiziell am 1. Juli antreten. „Wann das Training überhaupt wieder aufgenommen werden kann, steht ja noch nicht fest“, erklärt der Hammer Geschäftsführer. Die exakte Planung der Vorbereitung will er allein dem Coach überlassen. „Das ist nicht die Aufgabe eines Geschäftsführers, sondern die der sportlichen Leitung“, beteuert Dressel. 

Dressel hofft, dass bei dem ins Auge gefassten Saisonstart am 2. September vor gut gefüllten Zuschauertribünen gespielt werden darf. „Ein oder zwei Spieltage vor leeren Rängen könnten wir vielleicht verkraften, mehr sicherlich nicht. Aber dafür haben wir ja Arbeitsgruppen gebildet, die sich um Plan B, C oder sogar D bemühen sollen“, sagt der HBL-Vizepräsident. Die Ungewissheit im Handball bleibt, vielleicht sogar bis zum Ende des Jahres.

Weitere Reaktionen auf den Saisonabbruch

Jakob Schwabe (ASV-Kapitän und Interimstrainer): „Wir sind froh, dass das Ding jetzt durch ist. Die Ungewissheit ist erst einmal weg. Der Abbruch war die einzig richtige Entscheidung. Mir persönlich fällt der Verzicht auf Handball momentan nicht so schwer, weil ich mich nach der Verletzung noch in der Reha befinde. Das Programm läuft ganz normal weiter. Doch ich habe mit einigen Jungs gesprochen. Die würden jetzt gerne einmal wieder nicht allein, sondern in der Gruppe trainieren. Mal sehen, ab wann wir das dürfen.“

ASV-Kapitän Jakob Schwabe.

 

Felix Storbeck (ASV-Torhüter): „Dass die Ungewissheit nun weg ist, ist zunächst einmal positiv. Schön wäre es aber, wenn wir jetzt genau wüssten, wann es in der kommenden Saison weitergehen wird. Ob das am 2. September möglich sein wird, müssen wir erst einmal abwarten. Was die Aufstiegsentscheidung angeht, kann man es natürlich nicht allen recht machen. Jetzt gehen Coburg und Essen hoch in die Bundesliga. Wenn man die Hinrundentabelle gewertet hätte, wären wir dabei gewesen.“

ASV-Keeper Felix Storbeck.

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