Handball-Zweitligist

Kommentar zur Trennung ASV/Rothenpieler: Ist der dritte Abschied der letzte?

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Nach dieser Saison ist Schluss: Der Vertrag von ASV-Trainer Kay Rothenpieler wird nicht verlängert.

Der ASV Hamm-Westfalen und Trainer Kay Rothenpieler gehen künftig getrennte Wege. Der Zeitpunkt überrascht. Ein Nachfolger ist in Sicht. Unser Redakteur Günter Thomas kommentiert.

Update, 7. November, 18.45 Uhr:

Für viele mag die Trennung von Kay Rothenpieler überraschend kommen. Den Wunsch nach Veränderung findet unser Redakteur Günter Thomas aber nachvollziehbar - sowohl für den ASV Hamm-Westfalen, als auch für den Trainer:

"Erfolglosigkeit? Nein. Persönliche Differenzen? Auch nicht. Es ist wohl eher der Reiz, etwas Neues auszuprobieren und ausgetretene Pfade zu verlassen, der Franz Dressel und Kay Rothenpieler dazu treibt, künftig getrennte Wege zu gehen. 

Der Zeitpunkt überrascht dennoch, präsentiert sich die Mannschaft derzeit doch sportlich in ihrem besten Licht. Sollte am Ende der Saison tatsächlich der Aufstieg stehen, dürfte es schwierig werden zu erklären, warum auf die Kompetenz eines Kay Rothenpieler künftig verzichtet wird. 

Fest steht: Als sich Rothenpieler 2001 für ein Engagement beim ASV entschloss, war das ein Glücksgriff für den Hammer Handball. Dass nach so langer Zeit in der aufreibenden Mühle des Profisports mit seinen immer gleichen Abläufen auf beiden Seiten der Wunsch nach Veränderung aufkommt, ist nachvollziehbar. Dass der dritte Abschied Rothenpielers beim ASV der letzte sein soll, ist indes nur schwer zu glauben."

Ursprungsmeldung, 6. November

Hamm - Die Entscheidung fiel eigentlich schon vor knapp drei Jahren beim Vertragsabschluss – jetzt ist sie offiziell: Die Zusammenarbeit zwischen Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen und Trainer Kay Rothenpieler wird mit Ende der laufenden Saison nach fast 20 Jahren enden – unabhängig davon, wie die Mannschaft abschneidet.

„Der Vertrag, den wir 2017 geschlossen haben, war noch einmal auf drei Jahre ausgerichtet“, bestätigt ASV-Geschäftsführer Franz Dressel, der Rothenpieler im Jahr 2001 zum ASV geholt hatte. „Wir haben uns damals darauf geeinigt, dass wir es dann auslaufen lassen und nicht noch einmal verlängern werden.“

Eine Version, die der Coach bestätigt: „Wir haben damals darüber gesprochen, dass wir einen Drei-Jahres-Plan machen, um nach der davor schwierigen Zeit wieder in die richtige Richtung zu kommen“, sagt Rothenpieler. „Ich denke, das ist gelungen. Wir haben es alle zusammen geschafft, haben den Umbruch vollzogen. Wir hatten eine erfolgreiche Zeit. Die wollen wir, soweit es geht, nun auch so erfolgreich wie möglich beenden.“

Der Zeitpunkt überrascht

Einen aktuellen Auslöser dafür, dass das Hammer Handball-Traumpaar der vergangenen Jahre auseinander geht, gebe es nicht. Auch wenn der Zeitpunkt überrascht. Schließlich steht die Mannschaft derzeit gut da, ist im Rennen um den Aufstieg trotz des jüngsten Dämpfers in Coburg vorne dabei.

„Es ist nach so einer langen Zeit aber nicht außergewöhnlich, dass man auf der Position einen Wechsel vollzieht. Das schmälert überhaupt nicht die Leistung von Kay als Trainer. Wir haben überhaupt kein Problem miteinander. Auch nicht, was das Private angeht“, versichert Dressel, der den Handball-Fachmann Rothenpieler künftig gerne als Berater mit im Boot gehabt hätte, nicht aber in seiner Funktion als Sportlicher Leiter, die er derzeit noch neben dem Traineramt ausübt. „Es ist immer gut für den Verein, wenn das Gesicht von Kay Rothenpieler noch regelmäßig in der Halle präsent ist. Aber nicht mehr in einer leitenden Funktion. Das würde die Sache für seinen Nachfolger auf der Trainerbank nur schwierig machen.“

Rothenpieler kann sich nicht mit Berater-Tätigkeit anfreunden

Ein Argument, das der Coach akzeptieren, aber nicht teilen kann. „Das wäre sicher nicht so gewesen, dass der neue Trainer es wegen mir schwerer gehabt hätte“, sagt der 48-Jährige, der sich mit einer reinen Berater-Tätigkeit nicht anfreunden konnte. „Wenn ich etwas mache, dann 100-prozentig. Eine solche Funktion im Verein gab es für mich aber nicht", sagt er: "Daher ist es konsequent, jetzt ganz aufzuhören.“

Mit vollem Einsatz werden beide aber auch die kommenden Monate angehen. Gemeinsam. „Wir wollen die Saison jetzt möglichst erfolgreich zuende bringen – hoffentlich mit dem Aufstieg in die 1. Liga“, sagt Dressel.

Rothenpieler schließt Handball-Rückkehr nicht aus

Und Rothenpieler lässt daran, dass er alles dafür investieren wird, keinen Zweifel aufkommen. „Ich werde mich mit meinem Trainerteam voll auf die aktuelle Saison konzentrieren. Wir wollen mit der Mannschaft das bestmögliche Ergebnis erzielen“, sagt der Trainer, der das Team in dieser Woche auch offiziell darüber informiert hat, dass er in der kommenden Saison nicht mehr auf der Trainerbank sitzen wird – obwohl er einräumt, dass es ihm nicht ganz leicht fällt, diese zu verlassen.

„Dass man in dieser erfolgreichen Phase mal kurz darüber nachdenkt, ist klar. Man hängt ja auch an der Mannschaft. Und ich will auch gar nicht ausschließen, dass ich irgendwann nochmal im Handball auftauche“, sagt der Trainer, der „ein, zwei Projekte hat“, um die er sich künftig kümmern wird. „Aber der Job kostet auch Energie und Kraft. Ich freue mich auf die Zeit, wenn ich nicht abhängig von irgendwelchen Spielplänen bin. Jetzt hoffe ich, dass das alles schnell kein Thema mehr ist, damit wir uns wieder auf die aktuellen Dinge konzentrieren können.“

Dressel spricht schon mit möglichem Nachfolger

Auch wenn er das Resümee zu seiner Trainer-Laufbahn beim ASV gerne auf die Zeit verschieben möchte, wenn das letzte Tor der laufenden Saison geworfen ist, gibt der Coach schon jetzt einen Einblick in seine Gefühlswelt. „Rückblickend war es für beide Seiten eine schöne und erfolgreiche Zeit“, sagt er. „Ich bin dankbar, dass ich beim ASV Hamm-Westfalen meine Trainer-Karriere erfolgreich gestalten durfte. Und ich denke, anders herum ist es auch so. Der ASV wird immer ein Teil von mir bleiben.“

Und Rothenpieler ein Teil des ASV. „Neben den unzähligen Siegen werden wir vor allem den Aufstieg in die Bundesliga immer in besonderer Erinnerung behalten“, versichert Dressel. „Wir sind uns sicher, dass Kay und das Trainerteam bis zum letzten Spiel alles daran setzen werden, dass wir eine gute Platzierung erreichen. Ob Kay die Saison mit einem erneuten Aufstieg krönen kann, bleibt abzuwarten, wäre aber ein weiterer riesiger Erfolg in seiner großartigen Trainer-Karriere beim ASV.“

Wer die Nachfolge des Hammer Trainers antreten wird, will Dressel noch im November bekannt geben. „Derzeit bin ich in guten und aussichtsreichen Gesprächen mit einem Kandidaten“, bestätigt er. „Ich hoffe, dass ich innerhalb der nächsten 14 Tage die nötige Unterschrift unter den Vertrag erhalten werde und den neuen Trainer dann präsentieren kann. Fest steht aber: Eine interne Lösung wird es nicht geben.“

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