ASV will Nachwuchsarbeit professionalisieren

Scout und Schnittstelle: ASV stellt sich mit Micky Reiners in der Jugend breiter auf

Verstärkt auf den Nachwuchs will der ASV in Zukunft setzen. Deshalb haben Manager Frank Scharschmidt (links) und Sportwart Christof Reichenberger (rechts) den ehemaligen HSE-Trainer Micky Reiners als neuen Jugendscout verpflichtet.
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Verstärkt auf den Nachwuchs will der ASV in Zukunft setzen. Deshalb haben Manager Frank Scharschmidt (links) und Sportwart Christof Reichenberger (rechts) den ehemaligen HSE-Trainer Micky Reiners als neuen Jugendscout verpflichtet.

Es ist ein großer Traum von Frank Scharschmidt und Christof Reichenberger, dass in ein paar Jahren ein Spieler für die Profimannschaft des ASV Hamm-Westfalen aufläuft, der in der eigenen Jugend ausgebildet worden ist. Damit das nicht nur ein Traum bleibt, haben der Manager und der Sportwart einen alten Bekannten in der Hammer Handball-Szene mit ins Boot geholt. „Unser Ziel ist es, professionellere Strukturen zu schaffen und die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen“, sagt Scharschmidt.

Hamm - Ab sofort bekleidet Micky Reiners einen Posten, für den es zwar ein Aufgabenfeld, aber keinen offiziellen Namen gibt. Der 49-Jährige, der vor rund zehn Jahren als Trainer bei der damaligen HSE Hamm arbeitete und als Höhepunkt den Aufstieg in die 3. Liga schaffte, soll sich um das Scouting von Talenten kümmern. Außerdem soll er eine wichtige Schnittstelle für Spieler und Coaches von der B-Jugend bis zu den Seniorenmannschaften sein.

Die Kooperationen der Teams untereinander und die Durchlässigkeit für die Spieler sollen dazu gestärkt werden. „Das ist für uns ein Baustein mehr“, sagt Reichenberger, um den Unterbau für die Bundesliga-Mannschaft besser aufzustellen. Die Erlangung des Jugendzertifikats durch den Deutschen Handball Bund ist ein weiterer. Dazu fehlen laut Sportwart nur noch ein paar Kleinigkeiten. „Wir wollen attraktiv sein für viele junge Sportler in der Umgebung“, sagt der Scharschmidt.

Reiners beschwört den Team-Gedanken

Er und Reiners schätzen sich bereits seit HSE-Zeiten, wo Scharschmidt lange als Manager tätig war. Der Kontakt ist nie verloren gegangen, und in den vergangenen Monaten haben beide viele Gespräche geführt. „Irgendwann hat Frank dann die Frage gestellt, ob ich mir vorstellen kann, beim ASV mitzuarbeiten“, erzählt Reiners. Und das konnte sich der Inhaber der Trainer-A-Lizenz: „Das war spannend, da möchte ich mitmachen“, begründet er seine Zusage.

Wichtig war Reiners allerdings, dass er nicht den Job von jemand anderem übernimmt, sondern mit dem bestehenden Personal zusammenarbeitet. Zum Beispiel mit Jens Gawer, der beim ASV hauptamtlich die Jugendleistungsmannschaften betreut. „Ich wollte unterstützen, nicht jemanden etwas wegnehmen. Ich möchte im Team Konzepte entwickeln und umsetzen“, betont Reiners und nennt mehrfach das Wort „gemeinsam“.

Unterwegs in fremden Hallen - wenn es wieder losgeht

Der ASV habe jemanden gesucht, der ein „gutes Auge für junge Sportler in der Region“ hat und das Netzwerk des Vereins vergrößere, erläutert Scharschmidt. Und das habe Reiners. Aktuell arbeitet sich der 49-Jährige ein, fahndet nach Spielern für die Drittliga-Mannschaft und bespricht, welche Stellschrauben an den bestehenden Nachwuchs-Konzepten gedreht werden könnten.

Wenn der Spielbetrieb nach Corona wieder Fahrt aufnimmt, soll er sich in Absprache mit den Trainern viel in fremden Hallen umtreiben. Denn das Scouting wird die Hauptaufgabe von Reiners, der deshalb ungebunden von einzelnen Mannschaften agiert. Für die Trainer sei es schwierig, parallel zum Meisterschaftsbetrieb Talente zu beobachten, erklärt Scharschmidt, wieso der Verein sich breiter aufstellen will.

Nachwuchs-Bundesliga für den ASV nicht unrealistisch

Der ASV möchte die Lücke zu den Großen in Ostwestfalen verkleinern und sich im Nachwuchsbereich als ernsthafter Alternative zum Nachbarn aus Ahlen positionieren. „Wir haben eine riesen Jugendabteilung, aber die Qualität war nicht so groß“, sagt Reichenberger. Der Verein habe in den vergangenen Jahren allerdings einen Riesenschritt gemacht. Eine höhere Leistungsbezogenheit ab den D-Junioren sowie die Installation von Reiners sollen die nächsten Meilensteine sein.

Ziel ist die regelmäßige Teilnahme an der Jugend-Bundesliga. Reichenberger hält eine Qualifikation von Hammer Teams für das Nachwuchs-Oberhaus schon in zwei, drei Jahren für realistisch. Der jüngste Westfalenmeistertitel der C-Jugend ist für ihn ein Indiz dafür. Neben den Talenten aus Hamm sollen dazu die Finger auch in die Kreise Unna und Soest, in das Sauerland, Ruhrgebiet und Münsterland ausgestreckt werden. „Wir wollen Talente in Hamm entwickeln, die in der zweiten Liga Fuß fassen können“, sagt Scharschmidt.

Den Kern der „ASV-Familie“ nicht aufgeben

Dabei, so betonen alle Drei, soll der Charakter der „ASV-Familie“ nicht zu kurz kommen. „Wir nehmen die Jungs auf, nachdem sie 18 Jahre geworden sind“, sagt Reichenberger. Dass nur die wenigsten Bundesliga spielen werden, wissen die Verantwortlichen. Die zweite und dritte Mannschaft sollen attraktive Alternativen für die Eigengewächse bieten, der Spaß am Handball erhalten bleiben. Auch könnten für Jugendliche, die den Sprung ins nächsthöhere Team nicht schaffen, Möglichkeiten bei den anderen Hammer Vereinen aufgezeigt werden, erklärt Reichenberger.

Reiners soll ein weiterer Mitstreiter auf diesem Weg werden und ist deshalb zurück in Hamm. Nach seiner Zeit bei der HSE war er bei der TSG Altenhagen-Heepen und der HSG Augustdorf, vor allem aber bei den SG Sauerland Wölfen Menden. Dass dort sein zweites Engagement als Trainer des Drittliga-Teams trotz vorheriger Vertragsverlängerung im Januar 2020 beendet wurde, überrascht ihn zwar noch heute. Doch nun wird er sich mit vollem Einsatz seiner neuen Aufgabe widmen.

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