Handball

ASV: Ausgleich vier Sekunden vor dem Ende

Felix Storbeck Torhüter ASV Hamm-Westfalen, Handball 2. Bundesliga
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ASV-Torhüter Felix Storbeck.

Handball-Höllenfahrt in Aue: Nach einem unterirdischen 1:10-Katastrophenstart kam Zweitligist ASV Hamm-Westfalen in der letzten Partie des Jahres beim EHV Aue zurück – und schaffte durch einen Treffer von Jan Brosch vier Sekunden vor Spielschluss noch ein 26:26-Unentschieden. Es war der erste Punktgewinn nach zuvor fünf Niederlagen in Folge.

Lößnitz – Bereits um 10 Uhr am Morgen hatte sich der ASV-Bus auf den Weg in Richtung Erzgebirge gemacht – nicht mit an Bord waren wie angekündigt Mittelmann Sören Südmeier (Knieverletzung) und Linksaußen Fabian Huesmann (muskuläre Probleme). Dafür hatte sich Kapitän Jakob Schwabe nach überwundenem grippalen Infekt und einer Trainingseinheit mit auf die knapp 500 Kilometer nach Sachsen gemacht, um eventuell dem einen oder anderen Kollegen mit ein paar Minuten Einsatz eine Verschnaufpause zu gönnen – am Ende wurde es deutlich mehr. Denn: „Einige haben schon körperliche Probleme und müssen trotzdem spielen“, sagte Lerscht im Vorfeld der Partie. „Aber die Jungs sind definitiv dazu in der Lage, jedes Spiel in der Liga zu gewinnen.“

Eine These, deren Beweis die Gäste in den ersten 15 Minuten auf erschreckende Weise schuldig blieben. Wie ein Orkan fegte der EHV über die Hammer in den Anfangsminuten hinweg. In schöner Regelmäßigkeit fielen die Treffer der Hausherren – und in gleicher Regelmäßigkeit scheiterten die ASV-Spieler auf der anderen Seite vor dem Tor von Sveinbjörn Petursson, der nicht einmal große Anstrengungen unternehmen musste, um die Hammer Versuche zu entschärfen. 5:0 stand es nach sechs Minuten – und ASV-Coach Michael Lerscht verfolgte das Geschehen in der Halle, die ihrem Spitznamen „Erzgebirgshölle“ für die Gäste dieses Mal auch ohne Zuschauer gerecht wurde, mit in die Hüften gestemmten Händen. Einen Treffer weiter – es waren 6:26 Minuten gespielt – lag die Grüne Karte zum ersten Mal auf dem Zeitnehmertisch.

Die Hammer hatten mit der 5:1-Deckung im Vorfeld gerechnet, doch das aggressive Spiel um den vorgezogen agierenden Sebastian Paraschiv überforderte die Gäste in dieser Phase komplett.

11:05 Minuten zeigte die Hallenuhr an, als der Bann gebrochen und der erste ASV-Treffer des Abends gefallen war. Jan Brosch hämmerte das Spielgerät zusammen mit einer ordentlichen Portion Frust und Wut in die Maschen. Es stand 7:1.

Doch das verspätete Hammer Halloween war noch nicht zu Ende. Bengt Bornhorn, Arnar Birkir Halfdansson und Petr Slachta schraubten das Ergebnis bis zur 15. Minute noch auf 10:1. Immerhin hatte Felix Storbeck im Hammer Tor nun auch sein erstes Erfolgserlebnis. Nach 12:52 hielt er seinen ersten Ball.

Die Zwischenrufen der wenigen Zuschauer in der Halle („Fegt sie aus der Halle“) schienen allerdings Wirkung zu zeigen. Denn nun begann der Gast sich aufzubäumen. Schritt für Schritt kamen die Gäste besser ins Match, holten Treffer für Treffer auf. 13:6 stand es nach 25 Minuten, 14:10 zur Pause. Pech sogar noch für Storbeck, dass sein Wurf in der letzten Sekunde auf das leere Tor knapp vorbei ging.

Doch die Aufholjagd gab Mut. Die Defensive, die seit Mitte der ersten Hälfte mit einem vorgezogenen David Spiekermann ebenfalls deutlich besser in der Partie war, wurde immer sicherer – vorne war es vor allem Marian Orlowski, der sich jetzt vermehrt den Abschluss zutraute.

Entsprechend optimistisch kehrten die Hammer nach der Pause auf das Feld zurück und knüpften da an, wo sie zuvor aufgehört hatten. Nach 36 Minuten hatte Merten Krings den Treffer zum 16:14 geschafft. Der ASV war in ein Spiel zurückgekommen, das zu Beginn in eine sportliche Katastrophe zu schlittern drohte – und kam plötzlich wieder für den Sieg in Frage.

Als die Unparteiischen dann nach einem durch die Gastgeberverhinderten Gegenstoß den Hammern einen Siebenmeter zusprachen, hätte Orlowski erstmals in der Partie den Ausgleich erzielen können – ebenso wie im nächsten Angriff. Doch der Rückraumlinke scheiterte, und danach unterlief den Hammern ein technischer Fehler. Bornhorn stellte noch einmal auf zwei Treffer (44.). Doch der ASV hatte nun wieder alle Karten in der Hand – was die Auszeit der Auer in der 45. Minute beim Stand von 18:17 bestätigte.

Im vierten Anlauf klappte es dann mit dem Ausgleich. Nach guter Zusammenarbeit von Deckung und Storbeck nahm Lerscht seine zweite Auszeit – und anschließend traf Brosch aus ungewohnter Außenposition zum 19:19 (48.).

In der Schlussphase brachte ein Mini-Break zum 23:21 (55.) die Hausherren noch einmal in Front. Doch Alex Rubino glich in der Schlussminute aus (25:25). Nun lag es an Aue, den letzten Angriff auszuspielen. Und der überragende Schütze, Halfdansson traf – 13 Sekunden vor dem Ende. Es folgten die Auszeit der Hammer und der letzte Angriff. Den Jan Brosch unter dem Jubel seiner Mitspieler ins Netz hämmerte.

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