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ASV-Neuzugang Andreas Bornemann: Heiß auf Kiel und Co.

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Von: Günter Thomas

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Freut sich auf die Bundesliga: Andreas Bornemann.
Freut sich auf die Bundesliga: Andreas Bornemann. © Mathias M. Lehmann

Andreas Bornemann sitzt entspannt im Presseraum der Westpress Arena. Eine gute Stunde ist es noch bis zum Trainingsbeginn des ASV Hamm-Westfalen, und der Neuzugang des Bundesliga-Aufsteigers hat auf die Frage nach seinem Saisonziel eine eindeutige Antwort parat. „Dieses Logo“, sagt er und zeigt auf das Abzeichen der Handball Bundesliga auf seinem Ärmel, „soll nächstes Jahr auch noch da sein.“

Dabei hatte der Rückraumrechte im Januar, als er seinen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte, nicht wirklich damit gerechnet, in diesem Jahr gegen Kiel und Co. antreten zu dürfen. Hamm war nur Dritter in Liga zwei. „Meine Ambition war der Aufstieg im nächsten Jahr“, sagt Bornemann. „Jetzt ist es halt der Klassenerhalt.“

Bornemann hat mit 28 Jahren schon einige Handball-Stationen hinter sich. In seiner hessischen Heimat landete er mit zarten sechs Jahren durch einen Freund beim heutigen Handball-Oberligisten TSG Münster. Und blieb. „Die Trainer haben gesagt: Linkshänder, sieht ganz gut aus“, erinnert er sich. „Dann wurde es von Jahr zu Jahr professioneller durch die ganzen Auswahlmannschaften.“

Bis er 16 war blieb er beim Heimatverein. Dann riefen die Rhein Neckar Löwen. „Ich wollte etwas Neues erleben, und dann kam das Angebot, dorthin ins Internat zu wechseln“, sagt Bornemann. „Klar überlegen die Eltern da zweimal – aber das war die beste Entscheidung. Die Jungs, die ich da kennenlernen durfte, spielen teilweise noch, teilweise sind sie im Beruf. Aber wir haben immer noch engen Kontakt, das sind Freunde fürs Leben geworden.“

Ein paar Trainingseinheiten und Testspiele durfte er mit dem Bundesligakader der Löwen machen, dann begann die Entdeckungstour durch Handball-Deutschland. Je zwei Jahre blieb er – abgesehen von einem Mini-Stop beim Neusser HV (2017) – bei Eintracht Baunatal (2013 bis 15), TV Neuhausen (2015 bis 17) und Eintracht Hagen (2017 bis 19). Dann drei beim TuS Ferndorf, ehe im Januar der Ruf seines früheren Ferndorf-Trainers Michael Lerscht nach Hamm folgte. „Ich habe ein paar Stationen hinter mir“, räumt er ein. „Es kamen halt immer andere Angebote, die sportlich den nächsten Schritt bedeuteten. Und jetzt geht mit der 1. Liga ein Traum in Erfüllung.“

Beim ASV kann sich der Rückraumrechte zunächst auf den Sport konzentrieren. Seinen Bachelor in Ingenieurwesen an der Uni Kassel, Schwerpunkt Umwelttechnik, hat er abgeschlossen. Erst Ende des Jahres plant er ein Masterstudium. „Da steht noch nicht fest, in welche Richtung es geht, aber ein zweites Standbein muss sein. Wir sind ja keine Fußballer.“

Am Balkon wird noch gebaut

Die Wohnung in der Nähe der Arena ist bezogen. „Die Möbel habe ich alle in der freien Zeit organisiert, weil ich mich in der Vorbereitung auf Handball konzentrieren will“, sagt er. „Das einzige, was fehlt, ist der Balkon. Da wird noch dran gebaut.“

So wie am Team. Wobei er das Miteinander als „weit vorangeschritten“ empfindet. „Das ist eine sehr homogene Truppe. Vom Alter her sind alle auf einem Level – klar es gibt Ausreißer mit Vladi und Mait, aber sonst passt das. Wir kommunizieren viel. Und bei den Testspielen sind Fortschritte zu sehen.“

In der Abwehr steht „Borne“ auf halbrechts seinen Mann und weiß, dass gerade da mit dem komplett neuen Innenblock viel Arbeit wartet, ehe Automatismen greifen können. „Spiele gewinnt man in der Abwehr“, sagt er. „Deswegen haben wir in den ersten zwei Wochen dort den Grundstein gelegt. Vorne ist es dann unsere Aufgabe, mit den Mittelleuten zu kommunizieren, was für Komfortzonen man hat. Aber auch da sind wir mit Marian Orlowski und Yonatan Dayan weit fortgeschritten.“

Dass Björn Zintel länger ausfällt, empfindet Bornemann als Handicap. „Aber das ist der Sport“, sagt der Hesse und freut sich auf den Tag, an dem der Mittelmann ins Team zurückkehrt. „Er bringt Qualität mit, hat lange Bundesligaerfahrung mit Balingen. Das wird uns helfen.“

Einer, mit dem er schon eine knappe Saison gemeinsam im Kader stand und trotzdem kaum zusammengespielt hat, ist Jan von Boenigk. Logisch, spielen beide doch auf derselben Position. „Wir wissen, was der andere zu trinken braucht, wann das Handtuch. Das passt schon“, sagt Bornemann lächelnd.

Von den Rahmenbedingungen begeistert

Im Trainingsalltag ist der Neuzugang besonders von den Rahmenbedingungen begeistert. „Das Drumherum ist Bombe – du hast die eigene Kabine, in der du die Sachen liegen lassen kannst, den Aufenthaltsraum, hast Physiotherapie, das Aktivita, Maximare“, zählt er auf. „Ein professionelles Umfeld, um die beste Leistung auf der Platte hinlegen zu können.“

135 Tore gelangen Bornemann in der vergangenen Saison für Ferndorf – trotz Innenbandriss im Knie, den er sich im November zugezogen hatte. „Wenn mir die jetzt wieder gelingen, nehme ich die gerne“, sagt der Mann, der die Aufgabe des Ball- und Harzwarts im Team übernommen hat. Aber wichtiger ist: „Der Zusammenhalt muss durch die Saison gehen. Wir sind der ganz klare Underdog. Daher müssen alle Rädchen ineinander greifen. Auch wenn wir mal fünf Spiele nicht gut spielen. Oder wenn mal Personen eine schlechte Phase haben. Es ist wichtig, dass die dann eigene Ansprüche runterschrauben und für das Team da sind. Und den anderen, der auf der Position spielt, pushen.“

Damit sich der Traum, auch in der kommenden Saison in der Bundesliga zu spielen, erfüllt, nimmt Bornemann die Strapazen gern in Kauf. „Morgens aufzustehen und zweimal am Tag zu trainieren, ist anstrengend. Aber das zahlt sich aus, wenn du am ersten Spieltag in Magdeburg in der Getec Arena auflaufen kannst. Vor 8000 Zuschauern, die alle gegen dich sind. Dafür machst du das Ganze.“

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