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ASV Hamm-Westfalen: Kapitän Fabian Huesmann fühlt sich in der Außenseiterrolle wohl

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Von: Günter Thomas

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Startete mit zehn Toren in eine erste Bundesligasaison: ASV-Kapitän Fabian Huesmann.
Startete mit zehn Toren in eine erste Bundesligasaison: ASV-Kapitän Fabian Huesmann. © Imago

Der Auftakt beim Meister war erwartet deutlich. Nach der 23:31-Niederlage hieß es für die Spieler des ASV Hamm-Westfalen, die Fehler aufzuarbeiten. Denn schon am Donnerstag steht der nächste große Handball-Tag für den Bundesliga-Aufsteiger an. Dann gibt mit den Rhein Neckar Löwen ein weiterer Topklub seine Visitenkarte in der Westpress Arena (19.05 Uhr) ab. Günter Thomas sprach im Vorfeld der Partie mit ASV-Kapitän Fabian Huesmann über Verletzungen, Tore und die Heimpremiere.

Vor dem Spiel in Magdeburg hatten Sie Ihre Einsatzchance mit 90 Prozent beziffert. Jetzt hat es geklappt – und wie.
Ja. Nicht aufzulaufen, wäre der worst case gewesen. Jetzt bin ich zehn Jahre hier beim ASV und habe endlich die Chance, in der 1. Liga aufzulaufen. Da will ich auch jedes Spiel mitnehmen.

Die Auftaktniederlage hat untermauert, wie schwer es Ihr Team in der Liga haben wird. Welche Ziele haben Sie sich gesetz?
Es kann nur ein Ziel geben. Den Klassenerhalt. Wir sind ja nicht aufgestiegen, um eine Saison lang Kaffeefahrten zu machen und zu sagen, das war ein schönes Erlebnis. Wir wollen schon in Erinnerung bleiben, für uns selbst, für Hamm und auch für die Liga. Wir wollen uns da einen Namen machen.

Die Prognosen der Konkurrenz prophezeien Ihrem Team eine Albtraum-Saison und Rang 18. Wie gehen Sie mit solchen Urteilen um?
Wir werden zuerst genannt, weil es ja immer der zweite Aufsteiger ist, der es nach außen hin weniger souverän geschafft hat, der auf den letzten Tabellenplatz in der ersten Liga gestellt wird. Deswegen bewerte ich das gar nicht zu groß. Auf der anderen Seite ist es mir lieber, dass wir in dieser Underdogrolle ins Rennen gehen, als dass alle Experten sagen, wir schaffen den Klassenerhalt zu 200 Prozent und verbuchen uns auf Platz 13, 14. Das ist eine Erwartungshaltung, mit der wir gar nichts am Hut haben müssen. Es gibt nunmal einige Spieler bei uns, mich eingeschlossen, die noch nicht die Erfahrung in der ersten Liga machen durften. Aber ich glaube, das ist eine schöne und spannende Aufgabe. Deswegen sehe ich diese Prognosen gar nicht so eng.

Wenn Sie den aktuellen Kader des ASV mit dem aus dem Vorjahr vergleichen: Sind Sie stärker oder schwächer geworden?
Schwächer auf gar keinen Fall. Ich glaube, dass uns mit Dani Baijens und Jan Brosch die vielleicht besten Spieler auf ihren Positionen in der 2. Liga weggebrochen sind. Das tut weh, ist aber der Lauf des Geschäfts. Für Jan ist es eine schöne Belohnung, die er sich erarbeitet hat. Und bei Dani ist es der nächste wichtige Schritt gewesen – nicht der letzte. Ich möchte gar nicht so drauf eingehen, ob wir das 1:1 besetzt bekommen haben. Den Abgang Broschi haben wir über die Breite gut kompensiert. Aber es braucht immer eine Zeit, sich einzuleben und zu verstehen, was der Trainer will.

...und Rückraum Mitte?
Die Verletzung von Björn Zintel tut einfach weh. Er ist ein anderer Typ, aber er hat die Qualität, Dani 1:1 zu ersetzen. Er ist erstligaerfahren, was uns ein Stück geholfen hätte. Insofern tut uns sein Ausfall weh. Das ist eine Position, die man nicht von jetzt auf gleich von außen ersetzen kann oder intern so schnell bekleidet bekommt.

Mannschaftsintern Lösungen erarbeiten

Wie wollen Sie den Ausfall denn kompensieren?
Wir müssen uns mannschaftsintern eine Lösung erarbeiten, die uns den nötigen Halt und Struktur gibt. In den Testspielen hat man gemerkt, dass wir da noch nicht so gefestigt waren. Yoanatan Dayan ist ein mit Talent gesegneter Spieler, der aber noch ein bisschen Zeit braucht. Der jetzt schneller in eine Rolle wachsen muss, als es geplant war.

Sie hatten gegen Wetzlar auch einen Testspieler für die Position im Kader.
Mit dem Isländer war es einen Versuch wert, das hat aber nicht hingehauen. Aber Niko Bratzke macht nach seiner Verletzung einen sehr guten Eindruck. Ich glaube, dass er eine wichtige Rolle bei uns einnehmen kann, wenn er wieder zu 100 Prozent fit ist. Aber er wird auch ein bisschen Zeit brauchen.

Bei einem Team wie Ihrem, das als Außenseiter in die Saison geht, kann es schnell passieren, dass Sie fünf, sechs Spiele am Stück nicht punkten. Wie können Sie als Kapitän dagegen wirken, dass die Stimmung kippt?
Das ist definitiv keine leichte Aufgabe. Aber ich glaube, dass wir gefestigt genug sind, um das wegzustecken. Auf der anderen Seite bedarf es einer ehrlichen Analyse und Kommunikation. Man muss einsortieren können: Gegen wen haben wir gespielt? Hatten wir das Spiel auswärts oder zuhause? Wie war unsere eigene Qualität? Für uns ist es wichtig, immer nah ans Maximum zu kommen. Wenn dann die 0:10 Punkte sportlich gesehen aus den und den Gründen kommen, geht es darum, das zu verbessern. Natürlich bin ich da als Kapitän gefragt.

Ausfall von Björn Zintel schmerzt

Wie beurteilen Sie die Vorbereitung unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Sie einige Ausfälle hatten. Und Sie waren ja auch betroffen.
Wenn man davon sprechen kann, dass der Ausfall von Björn einen guten Aspekt hat, womit ich mich schwer tue, dann ist es definitiv der Zeitpunkt gewesen, dass man als Mannschaft, Trainer und Offizielle die Möglichkeit hatte, darauf zu reagieren, wie man das sportlich auffangen will. Wir hatten genug Zeit, um unterschiedliche Formationen einzustudieren. Generell stören Verletzungen die Abläufe immer. Aber insgesamt können wir mit der Vorbereitung zufrieden sein.

Sie haben gegen einige Erstligisten in der Vorbereitung gespielt. Kann man sich nach diesen Tests besser einordnen?
Zum jetzigen Zeitpunkt nur soweit, dass man sieht, dass wir nicht soweit weg sind von dem, was der Bergische HC oder auch Wetzlar angeboten haben. Man sieht auf der einen Seite, wir haben eine ganze Menge Luft nach oben, was den Grat des eingespielt seins angeht. Auf der anderen Seite fehlt nicht viel. Grundsätzlich muss man immer einsortieren, dass auch die Gegner ihre Formationen ausprobieren.

Die Anwurfzeiten in Liga eins sind gewöhnungsbedürftig. Wie stellen Sie sich darauf ein?
Das ist eine Umstellung. Definitiv etwas, woran man sich gewöhnen muss. Man hatte in der zweiten Liga immer einen festen Ablauf. Wir haben uns zum Frühstück getroffen mit den Jungs. Das muss man anpassen. Außerdem geht es um Themen wie Ernährung – wann esse ich was, wann zuletzt was.

Wie groß ist die Ehrfurcht vor den Gegnern, mit denen Sie es in der Saison zu tun bekommen werden?
Vor allen großen Gegnern haben wir Respekt – ja. Aber wir brauchen uns vor nichts zu verstecken, sollten immer mit 100-prozentiger Überzeugung an die Sache rangehen und für uns das Beste rauszuholen. Wenn wir da rausgehen und sagen, wir können uns nichts ankreiden lassen, dann ist es doch in Ordnung.

Welche Teams sehen Sie im Abstiegskampf als Ihre größten Konkurrenten?
Gummersbach, der BHC, Minden werden zum engeren Kreis gehören, schätze ich. Auch ein, zwei Teams, von denen man jetzt gar nicht so ausgeht, könnte es treffen. Wir selbst nehmen alles ab Platz 16 gerne.

Sie waren mit zehn Treffern erfolgreichster Spieler auf der Platte beim 23:31 zum Saisonauftakt in Magdeburg. Welche positiven Erkenntnisse nehmen Sie noch mit?
Positiv können wir mitnehmen, dass wir eine unglaublich gute Anfangsphase gespielt haben. Das gilt es jetzt zu strecken und länger zu halten.

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