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ASV II: Trotz Tabellenplatz zwei in der 3. Bundesliga Nord-West bleibt das Ziel der Klassenerhalt

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Von: Günter Thomas

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Gut eingelebt beim ASV II: Neuzugang Lars Kooij.
Gut eingelebt beim ASV II: Neuzugang Lars Kooij. © Robert Szkudlarek

Der eine oder andere Handball-Fan reibt sich beim Blick auf die Tabelle der 3. Bundesliga Nord-West immer noch verwundert die Augen. Die Hinrunde ist am Wochenende für den ASV Hamm-Westfalen II zu Ende gegangen – und das Team von Dirk Schmidtmeier rangiert hinter Liga-Favorit Wilhelmshavener HV auf dem zweiten Tabellenplatz.

Hamm – „Dass wir nach der Hinrunde mit 17:5 Punkten da oben stehen, hat keiner erwartet. Die Spieler nicht, und ich auch nicht. Wir freuen uns umso mehr darüber“, sagt Schmidtmeier, der dennoch nicht in Euphorie verfällt und mahnt: „Es ist halt blöd, von Woche zu Woche zu darauf hinweisen zu müssen, dass wir gegen den Abstieg spielen. Und alle sagen, du hast einen Nagel im Schuh. Aber das ist wirklich so. Es sind noch einige Punkte zu holen, ehe wir uns sicher sein können, dass der Klassenerhalt geschafft ist.“

Die Saison 2021/2022 ist eine spezielle. Denn nach der Rückrunde werden sieben der zwölf Mannschaften in die Abstiegsrunde müssen – sechs dieser Teams steigen anschließend in die Oberliga ab. Kein wirklicher Anreiz, um in dieser Hammerrunde dabei sein zu wollen. Das Ziel des ASV II lautet daher nach wie vor: Mindestens Platz sechs nach der Hauptrunde erreichen – und da beträgt der Vorsprung nun einmal nur sechs Punkte.

Für Schmidtmeier ist der Schlüssel zum Erfolg seines Teams schnell gefunden. „Andere haben stärkere Einzelspieler als wir“, räumt er ein. „Aber wir funktionieren als Mannschaft. Vielleicht ist deswegen der Erfolg da – viele unserer Spiele haben wir knapp entschieden.“ Ein Zeichen für den Teamgeist.

Vorsichtige Prognosen vor Saisonbeginn

Noch vor Saisonbeginn war Schmidtmeier vorsichtig, Prognosen abzugeben. „Wir kannten diese Liga nicht, die wenigsten Spieler kannten Gegner wie Cloppenburg oder Bissendorf-Holte“, sagt der Coach, der sein Team derzeit zwar fünf Zähler über dem erhofften Schnitt sieht, der aber, um sicher zu sein, wohin die Reise gehen wird, noch die Partien vor der Winterpause abwarten will. „Nach den nächsten drei Spielen wissen wir mehr“, sagt er. „Zwei davon wollen wir gewinnen. Wenn wir das schaffen, sieht es sehr gut aus. Insgesamt ist es schwer, zu sagen, wie viele Punkte man benötigt. Vielleicht reichen 17, ich denke aber eher, 28 bis 30 sollten es sein.“

Grundlage für die guten Ergebnisse ist das Defensivverhalten der Mannschaft: „Wir stellen fast in jedem Spiel eine gute Abwehr auf die Beine, obwohl wir öfter mal nur sieben, acht Leute beim Training haben“, sagt Schmidtmeier. „Wir haben Glück, dass mit Noah Moussa ein guter Abwehrmann dazu gekommen ist. Lars Kooij macht das auch gut, war aber in fünf Spielen verletzungsbedingt nicht dabei. Dafür macht es dann Fabio Runkel wieder sehr gut.“

Nur einmal während der Hinrunde war der ASV II chancenlos: beim 19:29 in Spenge. „Das nehme ich auf meine Kappe, weil ich sie gut geredet habe“, ärgert sich der 49-Jährige. „Aber vielleicht können wir in der Rückrunde diese extreme Niederlage wieder gut machen.“

Ein Faktor für den Erfolg ist der Trainer selbst. Das Team fühlt sich vom Coach mitgenommen. „Schön, wenn das so ist“, sagt er. „Ich versuche, einfach, gerechtfertigte Spielanteile zu vergeben. Denn wenn einer ausfällt, dann muss der andere ran – das geht nur, wenn sie regelmäßig spielen. Und so fangen wir viele Situationen auf.“

Schmidtmeier setzt auf das Kollektiv. Was für ihn aber nicht heißt, dass seine Mannschaft keine Leader auf der Platte braucht. „Ich will auch Führungsspieler sehen, ich war auch einer. Es ist mir wichtig, dass in der Mannschaft klare Strukturen sind“, betont er. „Und es kristallisieren sich immer ein, zwei heraus, die etwas sagen. Ich möchte, dass geredet wird – auch mit mir. Ich nehme Verbesserungen gerne auf.“

Den Neuzugängen Moussa und Kooij, die auch mit Perspektive für das Zweitligateam verpflichtet wurden, bescheinigt der Trainer eine gute Entwicklung. „Uns haben sie gut getan, allein schon von den Persönlichkeiten her“, lobt Schmidtmeier. „Aber sie sind noch sehr jung und haben Potenzial nach oben – das wissen sie auch.“

Guter Start für Neuzugang David Jurisic

Ein weiterer 19-Jähriger, der Rückraumrechte David Jurisic, wurde erst in der vergangenen Woche nachverpflichtet – und durfte bei seinem ersten Einsatz gleich fast durchspielen, weil sich Lars Gudat zu Beginn der Partie bei LIT 1912 II verletzt hatte. „David hat einmal mittrainiert. Er hat Abwehr und Angriff gespielt, drei Tore gemacht und mit seinen 19 Jahren einen Teil zum Sieg beigetragen“, sagt Schmidtmeier über den Linkshänder, dessen Vertrag beim Zweitligisten Eintracht Hagen Anfang Oktober aufgelöst worden war und der dadurch sofort zur Verfügung stand. Beim ASV soll er Langzeitausfall Matthias Zimny (fällt mit Kreuzbandriss mindestens bis Saisonende aus) ersetzen, „weil Lars Gudat ja nicht die ganze Zeit durchspielen kann“. Dass der Nachwuchsmann dafür Zeit zur Eingewöhnung benötigt, weiß der Trainer . „David war total nervös, überdreht und aufgeregt“, sagt Schmidtmeier, der darauf hinweist, dass Jurisic zuletzt weder in Wilhelmshaven noch in Hagen viele Spielanteile bekommen hat. „Er muss erstmal wieder Bälle bekommen, das Empfinden, dass er gebraucht wird – egal wie talentiert er ist.“

Zu einem der Gewinner der Vorrunde zählt er Trainer Niklas Koelsch. Als Mittelmann nach Hamm gekommen, wurde Koelsch von seinem Trainer meist auf Außen eingesetzt – und mit 63 Treffern (29 Siebenmeter) zum erfolgreichsten ASVer in der Torschützenliste (4.). „Er ist ein Allrounder, der überall spielen kann, außer im Tor“, schätzt Schmidtmeier die Qualitäten des 23-Jährigen.

Dass Cloppenburg und Bissendorf eher im Tabellenkeller sowie Wilhelmshaven, Aurich und Spenge in der Tabelle ganz oben angesiedelt sein würden, hatte Schmidtmeier vor der Saison erwartet. Überrascht ist er dagegen vom bisherigen Abschneiden seines Ex-Klubs, der Ahlener SG. „Die überraschen genau wie wir“, sagt er mit Blick auf Tabellenrang vier der Ahlener. „Sie machen es ordentlich, sind aber auch nur ein bisschen über dem Strich. Wie wir.“

Mit Blick auf die steigenden Corona-Zahlen steigt auch bei Schmidtmeier wieder die Unsicherheit, wie es weitergehen wird: „Deshalb bin ich froh, dass wir die Hälfte gespielt haben und wir da oben stehen. Dann sind wir raus, wenn es eine Wertung geben sollte.“

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