Handball

ASV hat an einigen Stellschrauben gedreht

Eine Klettertour will Markus Fuchs mit dem ASV in der Tabelle starten.
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Eine Klettertour will Markus Fuchs mit dem ASV in der Tabelle starten.

Es ist ein Saisonverlauf, der bisher sehr merkwürdig war. Der bei Verantwortlichen, Spielern und Fans gleichermaßen für Verwunderung und auch Frust gesorgt hat. Der aber nun abgehakt werden und nicht wieder vorkommen soll.

Hamm - „Wenn die nächsten sechs bis acht Partien gut für uns verlaufen, dann sieht die Welt für uns schon wieder ganz anders aus“, sagt Markus Fuchs, Abwehrchef des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen, der mit seinem Team nach der mehr als einmonatigen WM-Pause am Montag wieder in das Meisterschaftsgeschehen eingreift, wenn um 20 Uhr das schwere Auswärtsspiel beim Tabellenführer HSV Hamburg ansteht.

Enttäuschendes Punktekonto zum Jahresende

Vor einem halben Jahr hatten die Hammer noch gehofft, dass diese Begegnung ein Spitzenspiel sein würde. Diese Annahme wurde dadurch bestätigt, dass der ASV von den ersten sechs Partien fünf gewann und im Herbst zu den Topteams der Liga gehörte. Doch was dann folgte, kann auch Fuchs bis heute noch nicht komplett nachvollziehen. Die Hammer mit ihrem neuen Trainer Michael Lerscht kassierten gleich fünf Niederlagen in Folge, ehe sie mit dem 26:26 gegen Aue zum Jahresabschluss zumindest noch ein kleines Erfolgserlebnis feiern durften und als Liga-Zwölfter mit einem enttäuschenden Punkteverhältnis von 11:13 das Jahr 2020 beenden mussten. „Natürlich hatten wir großes Pech durch die vielen verletzten Spieler. Und wenn man die erste und zweite Partie in Folge verliert, fängt man ganz unbewusst an, nachzudenken. Aber dann ist das Kind schon halb in den Brunnen gefallen, da waren wir schon in der Abwärtsspirale gefangen“, sagt der 29-Jährige, der seit 2013 für den ASV aktiv ist. „Ich denke, wenn bei uns alle fit sind, wir Normalform haben und zwei, drei Spieler sogar noch extra gut sind, können wir jeden Gegner in der Liga schlagen. Wenn aber alle nur Normalform haben und wir noch verletzungsbedingte Ausfälle haben, die wir nicht kompensieren können, macht sich das bemerkbar.“

Neue Energie getankt

Daher kam den Hammern die lange Pause durchaus gelegen. Die angeschlagenen Spieler konnten ihre Verletzungen auskurieren, Trainer Lerscht sich auf Fehlersuche begeben, und die Akteure die Zeit nutzen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen und den Kopf wieder frei zu bekommen. So hat es auch Fuchs gemacht, der sich zuerst noch ein, zwei Videos von ASV-Spielen angeschaut hatte, um ein anderes Bild von den schwachen Leistungen zu bekommen als er es als unmittelbar Beteiligter auf der Platte gehabt hatte. Dann aber war Handball zwei Wochen lang kein Thema mehr für ihn. „Ich habe die Zeit mit meiner Familie genutzt und neue Energie getankt. Das tat sehr gut“, sagt er.

Als die Hammer am 13. Januar das Training wieder aufnahmen, war die Freude bei den Beteiligten aber groß. „Alle hatten ein Grinsen im Gesicht“, bestätigt Fuchs und verrät, dass er und seine Mannschaftskollegen zusammen mit Lerscht seitdem an einigen Stellschrauben gedreht haben. Vor allem ging es darum, die Defensive, normalerweise das Prunkstück des ASV, wieder kompakter zu bekommen. Und nach Ballgewinn schneller umzuschalten, mit mehr Tempo nach vorne zu kommen. „Die Trainingsqualität war schon sehr hoch”, betont Fuchs, der sich am vergangenen Freitag bestätigt sah, dass sich die harte Arbeit in den zahlreichen Übungseinheiten ausgezahlt hat. Denn beim 31:25-Testspielsieg über den Erstligisten HSG Nordhorn-Lingen zeigten die Hammer eine starke Vorstellung, die viel Mut für die kommenden Aufgaben macht: „Das war zwar nur ein Test. Aber trotzdem nimmt man da viel Selbstvertrauen mit, wenn man merkt, dass die einstudierten Sachen funktionieren.”

Tabellenführer wartet am Montag

Allerdings wartet nun am Montag mit den Hamburgern ausgerechnet der Ligaprimus auf die Hammer, die nur ein dünnes Polster von zwei Punkten auf einen Abstiegsplatz haben. Doch Fuchs hat vor dem Spitzenreiter keine Angst, bewertet es sogar als sehr positiv, dass er und seine Mannschaftskollegen gleich zum Auftakt im neuen Jahr eine so hohe Hürde vor der Brust haben. „Das ist doch der beste Gegner”, sagt er. „Wir sind von der Papierform her klarer Außenseiter. Aber von der Qualität her sehe ich beide Teams auf Augenhöhe, so dass wir da durchaus als Sieger die Halle verlassen können. Ich spiele lieber gegen so einen Gegner als gegen ein Team, das unten drin steht und um den Klassenerhalt kämpft.”

Der ASV-Routinier ist sich sicher, dass die Hammer im Laufe der Saison nicht noch selbst zu den Klubs gehören, die um den Ligaverbleib zittern müssen. „Ich gucke in der Tabelle nicht nach unten. Ich bin von unserem Trainer und von unserer Truppe überzeugt. Wir haben noch 24 Spiele zu absolvieren, haben alle den Ansporn, jede Partie zu gewinnen und wieder oben mitzuspielen”, sagt er. Vor allem hofft Fuchs darauf, dass noch im Laufe dieser Spielzeit die Zeit der leeren Hallen vorbei ist und die ASV-Fans ihr Team wieder nach vorne treiben können. „Der Heimvorteil fehlt ja allen Mannschaften. Es kommt derzeit kein Extrapush von den Rängen. Den muss man sich immer selber holen”, sagt Fuchs – und fügt hinzu: „Und das kostet Extra-Energie.”

Anschluss nach oben herstellen

Extra-Energie, die die Hammer lieber für andere Dinge nutzen wollen. Wie zum Beispiel für einen Sieg am Montag in Hamburg. „Da wollen wir das so machen, wie es uns unser Trainer schon für das Spiel gegen Nordhorn mit auf den Weg gegeben hatte: viel Tempo im Spiel haben, nicht nachdenken, Spaß haben und jede gelungene Aktion feiern”, stellt Fuchs klar und zeigt sich zuversichtlich, dass die Zeit der merkwürdigen Saisonverläufe in Werries vorbei ist – und der ASV wieder den Anschluss nach oben schafft.

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