Handball

ASV-Geschäftsführer Dressel: "Haben sehr klare Vorstellungen"

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Auf einem gutem Level: Franz Dressel, Geschäftsführer des ASV Hamm-Westfalen, ist mit dem bisherigen Abschneiden seiner Mannschaft in der 2. Liga zufrieden.

Ein Drittel der Saison in der 2. Handball-Bundesliga ist absolviert. Der ASV Hamm-Westfalen rangiert auf Platz acht. Geschäftsführer Franz Dressel zieht eine positive Zwischenbilanz.

Hamm - Franz Dressel, Geschäftsführer des ASV Hamm-Westfalen, spricht im Interview über den bisherigen Saisonverlauf, mögliche Neuzugänge, einen bekannten Trainingsgast und den Trainerwechsel vor der aktuellen Spielzeit.  

Herr Dressel. Ein Drittel der Saison ist absolviert. Ihr Team steht auf Position acht in der Liga. Sind sie zufrieden?

Franz Dressel: Ich denke, wir spielen bisher eine erfolgreiche Saison. Es hat sicherlich auch zwei Spiele gegeben, aus denen wir hätten als Sieger hervorgehen können. In Emsdetten war das möglich und in Düsseldorf bei den Rhein Vikings sogar zwingend notwendig. Bei den anderen Niederlagen haben wir gegen starke, bessere Gegner gespielt. So dass wir uns insgesamt über die positive Weiterentwicklung freuen.

Zuletzt gab es in Dessau eine deutliche Niederlage, die Sie in der Tabelle wieder ein Stück zurückgeworfen hat. Anders als nach dem 23:24 bei den Rhein Vikings haben Sie aber nach der Partie die Mannschaft nicht kritisiert.

Dressel: Weil wir in Dessau auf einen Gegner gestoßen sind, der richtig gut war. Da haben wir vielleicht auch unser Potenzial nicht abgerufen. Aber in Düsseldorf war die Niederlage auf unser eigenes Unvermögen zurückzuführen – nicht darauf, dass wir gegen eine bessere Mannschaft gespielt haben.

Mit einem Sieg hätten Sie den Rückstand zum zweiten, dem ersten Aufstiegsplatz, auf drei Punkte verkürzt. Jetzt gehören Sie erst einmal nicht zur Spitzengruppe.

Dressel: Das stimmt, aber unser Ziel ist es durchaus, bis Weihnachten noch einmal den einen oder anderen Rang nach oben zu kommen. Ob es ganz in die Spitze reicht, muss man abwarten. Aber dieses Spiel war nur noch einmal die Bestätigung dessen, was unserem Trainer Kay Rothenpieler und mir klar ist: Wir wissen, dass wir auf der einen oder anderen Position nicht optimal besetzt sind.

Sie hatten bereits nach dem Vikings-Spiel angekündigt, dass es Veränderungen im Kader, vielleicht sogar noch eine Verstärkung für die laufende Saison geben werde. Gilt das weiterhin?

Dressel: Kay und ich haben sehr klare Vorstellungen, wie die Mannschaft in der Zukunft aussehen soll. Wir sind jetzt dabei, die Gespräche zu führen mit Spielern, bei denen die Verträge auslaufen, oder denen, die wir in einem Dreijahresplan langfristig binden wollen, um die Fluktuation im Team zu minimieren. Im Winter werden wir aber nicht unbedingt tätig. Das wäre nur der Fall, wenn ein Spieler auf dem Markt ist, bei dem eine Verpflichtung für die neue Saison angestrebt ist – nicht aber, um uns für die laufende Saison zu verbessern.

Es laufen ja einige Verträge aus.

Dressel: Ja, mit den Spielern werden wir jetzt genauso sprechen, wie mit denen, die noch Verträge haben, die aber länger gebunden werden sollen.

Es hieß bisher, dass Sie keine Verträge über zwei Jahre hinaus verhandeln wollen.

Dressel: Das werden wir auch weiterhin nicht so machen. Bei neuen Spielern sowieso nicht. Und bei denen, die bereits bei uns sind, handelt es sich nur um Verträge, die vorzeitig verlängert werden sollen.

Besonders im linken Rückraum sind Sie ja mit Christoph Neuhold im Grunde nur einfach besetzt, weil Markus Fuchs eher für die Erfüllung von Defensivaufgaben zuständig ist. Neuhold stand zudem zuletzt in der Kritik.

Dressel: Christoph hat ja die Möglichkeit, uns zu beweisen, dass er im nächsten Jahr noch dazu gehören will – und dass das so sein wird, schließen wir gar nicht aus. In erster Linie geht es uns nicht darum, Spieler auszutauschen, sondern den Kader zu ergänzen. Dahingehend bin ich derzeit mit einem Berater im Gespräch – wenn diese Verpflichtung gelingt, wird das absolut eine Verstärkung für uns sein. Unser Ziel ist es, bis Weihachten den Kader bis auf eine oder zwei Position fest gezurrt zu haben. Wenn wir mit der Planung soweit sind, gehen wir in den Wirtschaftsrat, um die Überlegungen vorzustellen.

Sie haben auch angekündigt, dass jetzt immer wieder einmal Testspieler bei Ihnen zum Training vorstellig werden. Einer davon soll in der vergangenen Woche mit Chen Pomeranz ein alter Bekannter gewesen sein.

Dressel: Ja, Chen war sicherlich da. Das war mehr eine Kontaktaufnahme, eine Sichtung – ich würde es nicht einmal als Probetraining bezeichnen –, um sich ein Bild zu machen, ob das ein Spieler für die kommende Saison sein könnte. Wir haben nicht einmal die Leistung ausgewertet. Es ist ja nicht so, dass wir aktuell eine Entscheidung treffen müssen. Aber jeder weiß, damals hat er bei uns eine sehr gute Rolle gespielt. Und wir wollten sehen, ob er dieses Niveau im Moment noch hält.

Und?

Dressel: Es war nett, mit ihm einen Kaffee zu trinken, aber es hat definitiv keine Vertragsgespräche gegeben. Wir bleiben in Kontakt.

Den Kader bis Weihnachten stehen haben zu wollen, ist das eine, die Praxis sieht aber oft anders aus, wie die Erfahrung aus der vergangenen Saison zeigt. Da hat es sich noch länger hingezogen. 

Dressel: Ja, aber wir sind jetzt in der komfortablen Situation dass wir mit den Abstiegsplätzen nichts zu tun haben, glaube ich, sagen zu dürfen. Damit haben wir eine ganz andere Verhandlungsposition gegenüber Spielern, die neu kommen und auch denen, die im Kader stehen.

Kommt in den Vertragsgesprächen auch das Ziel erste Liga wieder vor?

Dressel: Das ist ja bei jedem Spieler so. Wenn wir mit einem sprechen, müssen wir ihm eine Perspektive bieten. Wenn wir über längere Laufzeiten von Verträgen sprechen, werden wir die Ziele klar formulieren.

Also ist Ihr vor einigen Jahren ins Leben gerufener 2-5-1-Slogan (Aus der zweiten in fünf Jahren in die erste Liga, Anm. d. Red.) immer noch aktuell?

Dressel: Ja, den müssen wir aber anders auslegen, als er ursprünglich angedacht war. Vielleicht werden es am Ende sieben Jahre. Aber auch das kann ich heute nicht unterschreiben. Denn der Aufstieg ist von vielen vielen Faktoren abhängig, die wir nur zum Teil beeinflussen können. Wir haben mit Fynn Holpert jemanden, der ganz aktiv in der Sponsorenakquise ist. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Vielleicht ist noch nicht der große Wurf dabei, um gleich vier Topleute zu verpflichten, aber ich glaube, dass wir die Möglichkeit haben werden, einen guten Kader zur Verfügung zu stellen.

Als Sie zum Ende der vergangenen Saison verkündet haben, dass der Vertrag mit Stephan Just nicht verlängert wird und stattdessen Kay Rothenpieler zurückkommt, haben Sie viele Pfiffe in der Halle geerntet. Sehen Sie sich heute in Ihrem Schritt bestätigt? 

Dressel: Das war das erste Mal, dass ich öffentlich in meiner 20-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit ausgepfiffen wurde. Das hat tief gesessen. Doch ich war mir trotzdem sicher, dass die Entscheidung sowohl, was die Trennung von Niels Pfannenschmidt im Winter angeht als auch die, den Vertrag von Just nicht zu verlängern, richtig war. Heute fühle ich mich bestätigt, dass Kay Rothenpieler der richtige Trainer ist. Die Mannschaft spielt weitgehend attraktiven Handball. Wir haben den Zuschauerschnitt um 100 gesteigert, und das wird sich bis Weihnachten nochmal steigern. Ich bin Stefan Just heute noch dankbar. Doch zu der Zeit ging es um den Klassenerhalt. Das Projekt Weiterentwicklung ist für mich eher mit Kay umzusetzen.

Was ist in dieser Saison noch drin?

Dressel: Wir haben intern schon ein paar Ziele formuliert. Aber die sollten auch intern bleiben. Wer auf den Spielplan guckt, kann sich jedoch bis Weihnachten eine eigene Hochrechnung machen. Es wird spannend, am 26. Dezember zu hören, wie man uns eingestuft hat.

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