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ASV Hamm-Westfalen freut sich auf volles Haus gegen Rekordmeister THW Kiel

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Von: Günter Thomas

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Hofft auf die Rückkehr ins Team: ASV-Kapitän Fabian Huesmann.
Hofft auf die Rückkehr ins Team: ASV-Kapitän Fabian Huesmann. © Robert Szkudlarek

Zum zweiten Mal in Folge trifft der ASV Hamm-Westfalen in der Handball-Bundesliga auf ein absolutes Topteam der Liga. Einziger Unterschied: Während das Team zuletzt auswärts bei der SG Flensburg-Handewitt auswärts unter die Räder kam, wird es am Dienstag (19.05 Uhr) in der ausverkauften Westpress Arena gegen den Rekordmeister THW Kiel zumindest mit dem Heimpublikum im Rücken antreten.

Hamm – Das Denkmal THW Kiel hat zuletzt deutliche Risse bekommen – insgesamt fünfmal ging der deutsche Handball-Rekordmeister in der laufenden Saison wettbewerbsübergreifend bereits als Verlierer von der Platte. Doch während das 26:34 bei den Füchsen Berlin, einem Mitkonkurrenten um die Deutsche Meisterschaft, in einem 50:50-Match passieren kann, löste die 32:33-Heimniederlage am Samstag gegen den TBV Lemgo den Krisenmodus bei den Nordlichtern aus. Ein Umstand, der beim ASV Hamm-Westfalen, der die Kieler am Dienstag zu einem seiner Saison-Highlights in der seit Wochen ausverkauften Westpress Arena erwartet, eher für gemischte Gefühle sorgt.

„Auf jeden Fall war das ein interessantes Ergebnis, ist aber Sache des THW und nicht unser Bier“, hielt sich ASV-Coach Michael Lerscht in seiner Bewertung der Sensation merklich zurück. „Daher weiß ich nicht, was das auslöst. Fest steht aber: Die werden nicht mit angezogener Handbremse bei uns herumlaufen. Für uns hat das aber keine Bedeutung. Denn egal, ob der Gegner für uns Kiel oder wie zuletzt Flensburg heißt – in der Grundsätzlichkeit geht es bei beiden Mannschaften für uns nicht um die Anzeigentafel.“

THW pflegt einen anderen Stil als Flensburg

In der Vorbereitung auf die Partie ändert sich dagegen schon etwas: „Der THW pflegt einen anderen Stil als Flensburg“, weiß Lerscht. Zumal sich die Statik bei den Gästen durch die Verletzungen von Weltklassemann Sander Sagosen und dem langjährigen deutschen Nationalspieler und Abwehrchef Hendrik Pekeler verändert hat. „Die Verantwortung ist dort jetzt breiter auf mehrere Schultern verteilt. Eric Johansson, der in dieser Saison neu dazu gekommen ist, hat da schon eine sehr wichtige Rolle übernommen.“ Kein Wunder, ist der 22-jährige schwedische Europameister im linken Rückraum doch einer der am höchsten gehandelten Spieler auf dem Handballmarkt, der den Talentstatus schon in jungen Jahren hinter sich gelassen hat. Zahlreiche weitere Hochkaräter stehen zudem an der Seite von Kapitän Domagoj Duvnjak (Kroatien) – angefangen bei den deutschen Nationalspielern Patrick Wiencek (Kreis), Rune Dahmke (Linksaußen) und Steffen Weinhold (Rückraum) über den norwegischen Rückraumrechten Harald Reinking, der 2019 mit Norwegen Vizeweltmeister wurde, bis hin zum amtierenden schwedischen Europameister Carl Wallinius (Rückraumlinks) ist der Kader mit Weltklasse gespickt.

Entsprechend geht es für Lerscht darum, die Partie gegen diesen Gegner vor voll besetzter Tribüne vor allem „mit viel Freude anzugehen. Denn diese Spiele bestreiten zu dürfen ist es ja, wofür wir gearbeitet haben.“

Auf die Grundtugenden besinnen

Damit der Spaß nicht in Frust umschlägt, gilt es für den Coach, „uns auf unsere Grundtugenden zu besinnen. Wir müssen extrem fokussiert und klar im System agieren. Kiel besitzt ein großes Portfolio in seinem Angriffsspiel, verfügt da über unterschiedliche Möglichkeiten – die kannst du nicht alle vorbereiten. Daher müssen wir in unserem System bleiben und bei Ballbesitz so sauber wie möglich spielen. Sonst wird da wie in Flensburg eine gnadenlose Wucht auf uns zurollen.“

Von den Verletzten im eigenen Kader wird maximal Fabian Huesmann, der zuletzt wegen muskulärer Probleme fehlte, zurückkehren. Björn Zintel, Markus Fuchs und Benjamin Meschke sind ebenso weiter kein Thema wie Lars Kooij aus dem erweiterten Kreis.

Aus diesem Grund hatte der Verein kurzfristig Kreisläufer Rèmi Leventoux verpflichtet, der in Flensburg bereits seine Premiere feierte. „Wir haben mit Lars und Benni an einem Wochenende gleich zwei Kreisläufer verloren“, wies Lerscht noch einmal auf die Notwendigkeit der Aktion hin. „Mit der Thematik Fuchs blieben uns zwei Innenblocker und ein Kreisläufer – das war einfach zu wenig für die anspruchsvollen Aufgaben.“

Dass manch einer eher mit einer Nachverpflichtung für Rückraum Mitte gerechnet hatte, sieht Lerscht als „Frage, die sich aufdrängt. Aber es tat sich kein Kandidat auf, der uns geholfen hätte. Das Problem konnten wir nicht lösen“, gibt Lerscht zu. „Wir haben viel telefoniert in Europa – aber in der Phase der Saison gibt kein Verein einen Spieler ab.“

Ehemaliger ASV-Torhüter Tomas Mrkva: „Das war eine böse Überraschung“

Als Tomas Mrkva am frühen Montagabend die Rückruftaste seines Telefons drückte, befand er sich mit seinen Mitspielern vom THW Kiel noch auf der Anreise zum Auswärtsspiel beim ASV Hamm-Westfalen – 18 Uhr auf der Autobahn, eine kurze Pause, irgendwo hinter Hannover. Die verlorene Heim-Partie vom Samstag lag dem Torhüter und seinen Mitspielern, der insgesamt fünfeinhalb Jahre das Trikot des ASV Hamm-Westfalen getragen hatte, noch schwer im Magen, um so mehr hatten sie bereits den Fokus auf den nächsten Gegner gelegt. „Dass wir zuhause gegen Lemgo verloren haben, war eine böse Überraschung. „Klar, so ein Spiel hat man mal, in dem es nicht zusammen läuft. Der Gegner hat das gut gemacht“, sagte der mittlerweile 33-Jährige und deutete an, dass die Aufgabe für den ASV bei aller Wiedersehensfreude um so schwerer werden dürfte. „Wir haben das sehr gut analysiert. Und das Gute ist, dass wir jetzt schnell wieder ein Spiel haben, um zwei Punkte zu holen. Den ASV haben wir auf Video gesehen, das ist eine gute Mannschaft. Aber wenn wir unsere Qualität auf der Platte ausspielen, sind wir besser.“

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