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ASV Hamm-Westfalen: Ehemaliger Kapitän kehrt mit dem TV Emsdetten an seine alte Wirkungsstätte zurück

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Von: Günter Thomas

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Jakob Schwabe ASV Hamm-Westfalen
Auf der anderen Seite: Der ehemalige ASV-Kapitän Jakob Schwabe (links) trifft am Samstag mit dem TV Emsdetten auf seinen früheren Trainer Michael Lerscht. © Reiner Mroß

Jakob Schwabe blickt auf eine lange Vergangenheit beim ASV Hamm-Westfalen zurück. Am Samstag (19.15 Uhr/Westpress Arena) trifft der 32-Jährige erstmals nach seinem Wechsel zum Nachbarn TV Emsdetten in einem Punktspiel auf den Klub, für den er elf Jahre lang die Schuhe geschnürt hat.

Hamm – Natürlich ist Jakob Schwabe gerade auf dem Weg zum Training, als der Telefonanruf ihn erreicht. Und natürlich ist er im Terminstress. „Dezember halt“, sagt er lachend, der Monat, in dem es traditionell für Handballer keine Atempause gibt. Dass eine der zahlreichen Begegnungen, die der Kreisläufer in diesem Monat zu absolvieren hat, dennoch herausragt, ergibt sich von selbst. „Das muss ich ja nicht verheimlichen, dass es ein besonderes Spiel ist, wenn du plötzlich in die falsche Kabine musst“, sagt Schwabe vor der Partie mit seinem neuen Klub beim „Ex“. „In der war ich in meiner ASV-Zeit höchstens mal, um da irgendwelche Sachen beim Saubermachen reinzuräumen.“

Die lange Zeit im ASV-Trikot war prägend. Und natürlich sind mit dem Vereinswechsel im Sommer die Kontakte nicht abgebrochen. „Ich habe in dieser Woche noch mit keinem gesprochen, aber meine Telefonliste ist lang“, sagt der Kreisläufer. „Ich habe elf Jahre in Hamm gespielt, war jahrelang mit allen zusammen, Fuchser (Anm. d. Red: ASV-Abwehrchef Markus Fuchs) ist mein Trauzeuge – warum sollte ich den nicht anrufen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen beim ASV gibt, der jetzt vor dem Spiel nicht mit mir sprechen würde. Und wenn doch einer nicht ans Telefon gehen will, muss er ja nicht rangehen. Letztlich weiß jeder, dass wir 60 Minuten gegeneinander kämpfen. Danach setzen wir uns zusammen und trinken ein Bier.“

Als Gast in der Hammer Arena

Ein paar Mal war Schwabe in dieser Saison als Zuschauer in der Hammer Arena, ehe erneut die Corona-Lage aufploppte. „Zuletzt war ich beim Gummersbach-Spiel. Das war schon geil, weil da noch richtig viele Zuschauer waren“, erinnert er sich. „Danach war ich aufgrund der Coronalage nicht mehr da.“

Bei seinem neuen Klub hat sich Schwabe schnell eingelebt. Die Anfahrt von seiner Heimat Münster ist sogar ein wenig kürzer als zur alten Wirkungsstätte in Hamm. Und von Team und Umfeld wurde der Abwehrstratege gut aufgenommen. „Eingewöhnt habe ich mich mega schnell“, sagt er. „Es sind viele neue Spieler gekommen, wir haben eine coole Mannschaft. Und für mich war es ein bisschen von Vorteil, dass ich Trainer Sascha Bertow schon ein bisschen kannte – und im Umfeld habe ich mich sofort wohl gefühlt.“

Dazu hat sicher beigetragen, dass Schwabe auch auf der Platte seine gewohnte Rolle im Zentrum einnehmen durfte. „Ich will mich nicht als Abwehrchef titulieren“, sagt der Innenblocker. „Wir haben auf der Position mit Frederic Stüber und René Mihaljevic noch andere Spieler, wir machen das zusammen. Ob ich da eine Chefrolle habe, sollen andere beurteilen. Gerade, hinten den Laden zusammenzuhalten, hat mir immer Spaß gemacht.“

Zu Hause deutlich stärker

Gemeinsam hat es in dieser Saison vor allem in eigener Halle gut geklappt. Mit 10:4 Punkten ist der TVE Fünfter der Heimtabelle. Beeindruckend die Siege zuletzt in der Ems-Halle gegen Rostock (28:19) und den TV Hüttenberg (33:19). Vor allem die Art und Weise, wie der TVE den als Liga-Zweiten angetretenen TVH entzaubert hat, fordert der Konkurrenz Respekt ab. „Das war nicht so schlecht und hat so funktioniert, wie wir das wollten“, ist Schwabe selbst geflasht von der Partie. „Wir wissen, dass wir gerade zuhause jeden schlagen können. Wir hatten aber auch unfassbar viel Spielglück. Irgendwann war Hüttenberg dann gebrochen.“

Auswärts hält sich die TVE-Performance bisher in Grenzen. Die 4:12 Zähler sind der Grund dafür, dass die Münsterländer in der Gesamttabelle nur Rang zwölf belegen. „Wir spielen zwei-Gesichter-mäßig – aber wir haben in jedem Spiel eine gute Chance“, glaubt Schwabe, der die Favoritenrolle für Samstag gerne nach Hamm vergibt. „Da braucht man ja nur auf die Tabelle zu gucken.“

Trotz der eigenen emotional außergewöhnlichen Situation will sich der Kreisläufer keine persönlichen Ziele für das Spiel setzen. „Ich weiß nicht, ob es immer etwas Besonderes sein muss“, betont er. „Ich möchte meine Aufgaben erfüllen. Etwas anderes zu versuchen, muss ja nicht immer gut gehen.“

„Das Spiel musst du gewinnen - die Fans vergessen dann Vieles“

Dass Hamm gegen Emsdetten ein Derby ist, musste Jakob Schwabe auch erst lernen. „Ich habe das früher nicht so empfunden, aber man muss das aus der Fanperspektive sehen. Wenn die es so titulieren, soll man es so mitnehmen“, sagt er. „Und vor allem jetzt in Emsdetten merke ich, dass das Spiel sehr wichtig ist, weil da viele Ur-Emsdettener in der Mannschaft sind. Und egal, wie schlecht du vorher gewesen sein magst – das Spiel musst du gewinnen. Die Fans vergessen dann Vieles.“ So viel gibt es in dieser Saison bisher beim TVE nicht zu vergessen. Das unausgesprochene Ziel ist der Klassenerhalt – und da sieht Schwabe sein Team auf einem guten Weg.

Wie viele Derbys er in seiner Profi-Karriere noch erleben wird, weiß der 32-Jährige nicht. „Ich bin im letzten Drittel meiner Handballkarriere“, weiß er, denkt aber nicht ans Aufhören. „Es macht noch richtig viel Spaß, ich bin gesund. Da mache ich mir keine Gedanken.“

Dem ASV bescheinigt der Ehemalige eine gute Entwicklung. „Ich finde, man sieht die Handschrift von Micha Lerscht. Was letztes Jahr noch nicht so geklappt hat“, sagt er. „In Eisenach war es mega schwer. Wenn sie das gewonnen hätten, dann wäre der ASV jetzt richtig oben dran. Ich finde, die Mannschaft spielt einen sehr attraktiven Handball, sehr schnell. So, wie ASV aussehen wollte und sollte – insgesamt ist das ein Verein, der da in die Spitzengruppe gehört.“ Nach dem Spiel wird er darüber mit den Kollegen ausführlich sprechen können. „Dann werde ich noch ein bisschen bleiben, wenn das für unseren Trainer in Ordnung ist“, sagt er. Und dann darf er auch wieder in die richtige Kabine gehen.

„Mit Emsdetten erwartet und eine sehr emotionalisierte und kämpferische Mannschaft“, sagt Lerscht. „Und eine, die in der jüngeren Vergangenheit in der Liga richtig gute Ergebnisse abgeliefert hat. Der Sieg mit 14 Toren Vorsprung am vergangenen Spieltag gegen den da noch Tabellenzweiten aus Hüttenberg spricht Bände.“ Personell hat sich die Situation beim ASV etwas entspannt. Torhüter Vladimir Bozic fällt zwar weiter aus und wird von Jan Wesemann vertreten. „Ich gehe aber davon aus, dass außer Vladi alle spiele können“, sagte Lerscht. Dazu kommt Kreisläufer Lars Kooij aus der zweiten Mannschaft.

Pokalauslosung interessiert Hammer Trainer nicht

Das Interesse des Hammer Trainers an der am Freitagmorgen in der Kölner Geschäftsstelle der Handball-Bundesliga (HBL) vorgenommene Auslosung der Partien des Viertelfinals um den DHB-Pokal hielt sich übrigens in Grenzen. Hamm träfe in eigener Halle auf GWD Minden. Ein spannendes Los. Eigentlich. Der Haken: Voraussetzung wäre ein Sieg am Dienstag im mit 1500 erlaubten Zuschauern bereits ausverkauften Achtelfinale gegen die derzeit beste deutsche Mannschaft – den SC Magdeburg.

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