Handball

Drei Szenarien für die 3. Liga

Christof Reichenberger ASV Hamm-Westfalen Handball
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ASV-Sportwart Christof Reichenberger freut sich über die Rückholaktion.

Das erste Jahr in der 2. Handball-Bundesliga hatten sich die Spieler und Verantwortlichen der zweiten Mannschaft des ASV Hamm-Westfalen ein wenig anders vorgestellt. Genau zwei Meisterschaftsspiele hat das Team von Trainer Dirk Schmidtmeier in der aktuellen Saison absolviert – ob weitere dazu kommen, ist nach einer Telefonkonferenz der Vertreter des Deutschen Handball-Bundes (DHB) sowie der Vertreter der dritten Ligen und der Jugendbundesligen weiter offen.

Hamm - Im Gegensatz zum Handballkreis Hellweg, der die Saison Anfang der Woche für beendet erklärt hat, spielen der DHB und die Vereine der dritthöchsten Liga weiter auf Zeit. Allgemeiner Tenor: Es wird abgewartet, welche Beschlüsse zur Bekämpfung der Corona-Pandemie die nächste Ministerkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel am 25. Januar fassen wird.

„Es gibt drei Szenarien“, sagt Christof Reichenberger, der den ASV als Sportlicher Leiter in der Mammutrunde mit 125 Vereinsvertretern und den DHB-Verantwortlichen Andreas Tiemann (Spielkommission, 3. Liga) und Melanie Prell (Spielbetrieb und Recht) vertreten hat. „Aber das allerwichtigste Ergebnis für uns ist, dass es in dieser Saison keine Absteiger geben wird – egal, wie es weitergeht.“

Sollte sich die Entwicklung der Corona-Zahlen positiv auswirken und die Politik am 25. Januar eine Lockerung beschließen, dann sieht die Planung vor, dass die Meisterschaft Anfang März mit den restlichen Partien der Hinserie fortgesetzt wird. Eine Rückserie wird nicht mehr gespielt. „Diese Serie soll dann bis Ende Mai beendet sein“, sieht Reichenberger dieses Zeitfenster sehr skeptisch, zumal im Juni bereits wieder die Junioren-WM stattfinden soll und entsprechend über den Mai hinaus kein Zeitpuffer mehr besteht. „Die Chancen, dass es dazu kommen wird, sahen allerdings alle Beteiligten bei einem ganz minimalen Prozentsatz.“

Entsprechend liegt der Schwerpunkt der Überlegungen eher auf der zweiten Variante zur Fortführung der Saison. „Wenn der Betrieb auch im März weiter auf Eis gelegt wird, soll die Saison im April wieder starten“, so Reichenberger. Für die Vereine, die den Aufstieg planen, wird dann eine einfache Aufstiegsrunde anberaumt. Die infrage kommenden Klubs müssen dies bei der Handball Bundesliga (HBL) anmelden, die für den Spielbetrieb in den ersten beiden Ligen in Deutschland zuständig ist.

Für alle anderen Mannschaften wird eine Pokalrunde angeboten, über die sich Teams für den DHB-Pokal qualifizieren können – allerdings auf freiwilliger Basis. Ob die Hammer für diese Runde melden, soll noch intern geklärt werden. „Wir hätten davon sportlich überhaupt nichts“, wägt Reichenberger ab. „Denn am DHB-Pokal dürften wir als zweite Mannschaft sowieso nicht teilnehmen. Das wäre daher für uns nur unter dem Aspekt der Arbeitsbeschaffung oder Weiterbildung zu sehen. Aber erst einmal wollen wir die Mannschaft mit ins Boot nehmen, mit Spielern und Vorstand darüber reden und die Kosten durchleuchten. Danach gucken wir, ob wir spielen oder nicht.“

In die Überlegungen fließt neben der Frage des Kosten-Nutzen-Aufwands auch der Gedanke ein, ob es Sinn macht, die extrem hohen Vorgaben in Sachen Corona-Schutz mitzutragen. In der 3. Liga sind Schnelltests vor der Anreise zum Spiel obligatorisch. „Die dürfen aber nur maximal sechs Stunden alt sein“, sagt Reichenberger. „Wenn wir also zum Beispiel eine achtstündige Anfahrt zum Auswärtsspiel haben, müssen wir gleich zwei Tests durchführen – einen, bevor wir losfahren und einen, wenn wir ankommen.“

Sollte sich die Corona-Lage im Februar nicht beruhigen, wird es wohl zum Abbruch kommen. Denn die neue Saison wird schon Anfang August starten – also vier Wochen früher als üblich. Damit soll ein Puffer geschaffen werden, um Unwägbarkeiten in der kommenden Spielzeit abfedern zu können.

Zudem sollen die Teams der 3. Ligen in der kommenden Serie ihren Spielbetrieb in Zehner-Staffeln aufnehmen. Daran anschließen wird sich eine Auf- und Abstiegsrunde. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass erneut Mannschaften auf- aber keine absteigen werden, wird es in den kommenden Spielzeiten eine größere Zahl von Absteigern aus den Ligen geben. So soll die normale Sollstärke der Gruppen nach zwei Jahren wieder erreicht werden.

Auch wenn die Situation weiterhin nicht abschließend geklärt ist, zieht Reichenberger ein positives Fazit zu den getroffenen Entscheidungen. „Gut für uns ist es, dass wir nicht absteigen und damit Planungssicherheit für die kommende Saison haben“, sagt er. „Jetzt werden wir bis Ende Januar ein Konzept entwickeln, wie wir uns künftig strukturieren und verändern wollen.“ Dies geschieht zunächst in kleiner Runde mit den Trainern Michael Lerscht (1. Mannschaft) und Dirk Schmidtmeier (2.) sowie Zweitliga-Geschäftsführer Thomas Lammers. Unter anderem geht es dann auch um die Kaderplanungen der Bundesliga-Teams.

Unabhängig von der Entwicklung des Spielbetriebs wird das Drittliga-Team aber weiterhin zumindest zweimal wöchentlich trainieren. „Damit werden wir nicht aufhören“, versichert Reichenberger. „Schließlich wollen wir ja die Spieler in ihrer Entwicklung weiter nach vorne bringen, damit sie dann im August topfit sind.“

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