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ASV Hamm-Westfalen: Bonus gegen den Klub-Weltmeister

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Von: Günter Thomas

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Traf zuletzt in der Liga achtmal gegen Emsdetten: ASV-Rechtsaußen Tim Wieling.
Traf zuletzt in der Liga achtmal gegen Emsdetten: ASV-Rechtsaußen Tim Wieling. © Reiner Mroß

Eine Woche nach der Konkurrenz ermitteln am Dienstag der ASV Hamm-Westfalen und der SC Magdeburg in der Hammer Westpress Arena den letzten Teilnehmer des Viertelfinals um den DHB-Pokal. Der Zweitligist aus Hamm ist dabei krasser Außenseiter.

Hamm – Als Olympia-Boxerin Nadine Apetz in ihrer Funktion als Losfee am Freitagmorgen die Paarungen für die Viertefinalbegegnungen um den DHB-Pokal am 5./6. Februar zog, befand sich Michael Lerscht gerade in der Kirche. Nicht, um für eine lösbare Aufgabe zu beten, sondern, um eine Hochzeit im Verwandtenkreis zu feiern. Dass sein Team die Ostwestfalen von GWD Minden für die nächste Runde zugelost bekam, sollte es diese erreichen, löste beim Coach des ASV Hamm-Westfalen keine wirkliche Reaktion aus. „Das interessiert mich ehrlich gesagt kein Stück“, sagte Lerscht.

Der Grund liegt auf der Hand: Denn mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Hammer Zweitligist in der nächsten Pokalrunde ohnehin nicht mehr dabei sein: Der Gegner, den der Zweitliga-Vierte auf dem Weg zum Viertelfinale gegen Minden aus dem Weg räumen müsste, ist am Dienstagabend (19.15 Uhr/Westpress Arena) die derzeit beste Mannschaft der 1. Bundesliga: der SC Magdeburg. Mit 30:0 Punkten ist das Team von Trainer Bennet Wigert aktuell der Inbegriff des Superlativs im Handball: Der SCM ist unangefochtener Tabellenführer des Oberhauses, zudem gerade erst Klub-Weltmeister geworden und seit 27 Begegnungen wettbewerbsübergreifend ungeschlagen. „Die Anzeigentafel hat in diesem Spiel keine große Bedeutung“, versichert Lerscht. „Es geht für uns darum, dass wir mutig sind, bestmöglich unser Spiel spielen, nicht mit zu viel Ehrfurcht ins Rennen gehen – auch wenn die Rollen klar verteilt sind.“

Halle ist mit 1495 Fans ausverkauft

Denn auch wenn die Chance auf die nächste Runde für den ASV gering ist, bildet die Partie gegen Magdeburg doch einen Saisonhöhepunkt. Die Halle wird mit erlaubten 1495 Zuschauern ausverkauft sein – und auf ein Team, das mit Topspielern verschiedener Nationen gespickt ist, trifft auch ein Zweitliga-Profi nicht jeden Tag. Die deutschen Nationalspieler Philipp Weber (Rückraum Mitte), Matthias Musche (Linksaußen) oder Moritz Preuss (Kreis) teilen sich mit internationalen Stars wie Gisli Kristjannsson, Omar Ingi Magnusson (beide Island), Magnus Gullerud (Norwegen) oder Magnus Saugstrup (Dänemark) die Kaderplätze – und trotzdem ist es vor allem das gut funktionierende Kollektiv, das Magdeburg bis ganz nach oben gespült hat.

Noch drastischer als bei den Gastgebern ist beim SCM aber der Terminplan gestrickt. Acht Partien allein im Zeitraum zwischen dem 5. und 26. Dezember gilt es für das Team von Bennet Wiegert zu meistern. Am Samstag gewann der SCM mit 27:24 beim Bergischen HC, am Montag folgte die Anreise nach Hamm, wo abends das Abschlusstraining in der Westpress Arena stattfand. Und am Donnerstag erwartet das Team aus Sachsen-Anhalt schon wieder den HSV Hamburg in der Liga. „Aber das sind sie ja gewohnt, alle drei Tage zu spielen“, sieht Lerscht darin keinen Vorteil für den ASV. „Der Kader ist ja auch breit genug.“

Für seine Mannschaft gilt es in der vierten englischen Woche vor der Winterpause dagegen, die Kräfte gut zu verteilen – und der Fokus liegt dabei schon jetzt auf dem wichtigen Ligaspiel am 2. Weihnachtstag gegen den TV Hüttenberg, das erneut in der heimischen Arena ausgetragen wird. „Diese emotionalen Partien wie gegen Emsdetten fressen Energie“, sagt Lerscht. „Unsere Wechselstrategie gegen Magdeburg wird daher nichts mit der Anzeigetafel zu tun haben. Jeder soll und wird seine Anteile bekommen. Wir haben ohnehin keine erste oder zweite Reihe, sondern 16 Spieler im Kader, die alle ihre Berechtigung haben. Aber natürlich wollen wir auch Kräfte verteilen, die wir gegen Hüttenberg ja noch mehr brauchen.“

Kurze und knackige Vorbereitung

Die Vorbereitung auf den Gast war kurz und knackig. Nach dem freien Sonntag musste das Videostudium „in reduzierter Form“ (Lerscht) am Montag reichen. Die größte Stärke der Gäste: „Ihr Handball ist gar nicht so kompliziert“, so Lerscht. „Aber was sie machen, machen sie so unglaublich gut. Und sie haben ihr Spiel über Jahre entwickelt, den Kader nur immer leicht angepasst.“

Im eigenen Lager sind nach dem Derby keine großen Blessuren dazu gekommen. Einzig bei Linksaußen Alexander Reimann stehen noch Untersuchungsergebnisse aus, nachdem er auf die Hüfte gefallen war. „Wir gehen von Prellungen aus“, so Lerscht. „Ich habe Hoffnung, dass er spielen kann. Ansonsten ist der Kader der gleiche wie gegen Emsdetten.“

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