Handball

ASV-Trainer Kay Rothenpieler: "Vielleicht braucht es mehr Disziplin"

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Gespannt auf die neue Saison: ASV-Trainer Kay Rothenpieler

Mit einem Leistungstest startet Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen am Donnerstag in die siebenwöchige Saisonvorbereitung. Trainer Kay Rothenpieler äußert sich vorab zur neu formierten Mannschaft.

Die Sommerpause geht heute zuende. Wie war der Urlaub?

Kay Rothenpieler: Sehr schön. Es war wichtig, dass wir uns alle gut erholen konnten, bevor es wieder losgeht. Die Akkus sind voll – jetzt gehen wir mit voller Freude in die Vorbereitung.

Sie bitten Ihr Team am ersten Tag traditionell zur Leistungsdiagnostik. Was erwartet Ihre Spieler ab heute?

Rothenpieler: Sie haben ja ihre Hausaufgaben bekommen. Ich denke, jeder ist Profi genug, um diese auch gemacht zu haben. Es geht daher nicht um Kontrolle, sondern darum, die richtigen Erkenntnisse zu sammeln, um bei jedem individuell mit der richtigen Belastung einsteigen zu können.

Für Sie ist es nach Ihrer Trainerpause nun die zweite Saison. Was haben Sie aus der vergangenen Serie gelernt, gibt es etwas, das Sie anders machen wollen?

Rothenpieler: Nach der Rückkehr bin ich schon mit einer großen Anspannung in die Saison gestartet. Das Vertrauen des engen Umfeldes, insbesondere von Franz Dressel, war sehr wichtig. Wir sind gemeinsam gut in die Spielzeit gekommen, genau das wollen wir in dieser Saison natürlich wiederholen. Vielleicht braucht es aber in Zukunft ein bisschen mehr Disziplin. Es geht darum, noch mehr das Team in den Vordergrund zu stellen. Wir wollen weiter nach oben, und darauf muss der Fokus liegen.

Sie gehen mit einem runderneuerten Team in die Spielzeit. Sieben Akteure sind neu im Kader. Ein radikaler Schnitt, oder?

Rothenpieler: Das hört sich so an, aber bei zwei, drei Spielern war ja schon in der vergangenen Saison klar, dass sie uns wieder verlassen werden, wie bei Stanko Sablic und Gregor Lorger. Bei Gregor war der Ursprungsgedanke, einen erfahreneren Torhüter zu holen, damit Felix Storbeck die nötige Sicherheit erhält. Das hat hervorragend funktioniert. Julian Krieg rückt aus beruflichen Gründen ins zweite Glied. Björn Zintel und Julian Possehl haben sich für andere Vereine entschieden. Auf den anderen Positionen wollten wir einfach für neue Impulse sorgen. Jetzt haben wir eine gute Mischung gefunden.

Sie müssen die Neuen in die Mannschaft integrieren. Meist wird das über teambildende Maßnahmen beschleunigt. Was haben Sie vorbereitet?

Rothenpieler: Wir werden schon am ersten Wochenende sehr viel zusammen sein. Am Freitag machen wir ein Frühstück mit dem ganzen Betreuerteam um die Mannschaft herum. Am Sonntag ist Familientag, damit sich alle sehr schnell kennenlernen. Nach einer Woche sind wir dann schon im Trainingslager in Flensburg. Dort wird es einen Mannschaftsabend geben, einen Tag segeln wir – wir werden alles tun, um es schnell hinzubekommen. Ich mache mir keine Sorgen, weil die Mannschaft immer alle Neuen sehr gut aufgenommen hat.

In der vergangenen Serie spielte die Truppe schwankend. Mal am oberen Limit, mal eher unten. Wie können Sie die Ausschläge der Amplituden in diesem Jahr flacher gestalten?

Rothenpieler: Durch bessere Trainingssteuerung. Wir werden härter trainieren und versuchen, gar nicht groß auf andere Gedanken zu kommen. Wir müssen jedes Spiel sehr ernst nehmen. Besser werden zu wollen muss das maximales Prinzip sein bei jedem Spieler. Jeder muss sich einbringen, seine Leistung jeden Tag im Training bestätigen. Gerade in der vergangenen Saison fehlte in gewissen Phasen ein bisschen der Fokus. Einerseits haben wir im Höhenflug die Kontrolle verloren und wenn es andererseits nicht lief, alles sofort in Frage gestellt. Diese Phasen müssen wir so kurz wie möglich gestalten.

In der langen Vorbereitungszeit bilden sich in einer Mannschaft auch neue Hierarchien. Wie wichtig empfinden Sie es, dass hier deutliche Strukturen herrschen?

Rothenpieler: Ich denke, dass es wichtig ist, klare Hierarchien zu haben. Die ergeben sich erst einmal durch erfahrene Spieler und die, die schon da waren. Ich bin kein Freund davon, das direkt zu bestimmen, so etwas muss sich entwickeln. Am Ende ist das auch keine Frage von jung und alt. Das wird sich auch aus den sportlichen Leistungen ergeben.

Jakob Schwabe war in den vergangenen Jahren Ihr Kapitän. Welche der neuen Akteure könnten Ihrer Meinung nach in weitere Führungsrollen hineinwachsen?

Rothenpieler: Natürlich ein Sören Südmeier und ein Vincent Sohmann, die Rückraum Mitte spielen und eine gewisse Rolle haben. Stefan Lex gehört ebenfalls dazu. Hierarchie ist gut, darf aber auch die Jungen nicht erdrücken. Deswegen müssen auch sie in die Pflicht genommen werden.

Wenn Sie den neuen mit dem alten Kader vergleichen: Wo sehen Sie die gravierendsten Unterschiede? Was erhoffen Sie sich von den Neuen?

Rothenpieler:  Ich glaube, dass wir etwas spielstärker werden. Generell müssen wir aus den alten Gegebenheiten raus mit den neuen Spielertypen. Lex, Südmeier, die haben eine gewisse Spielintelligenz. Ich hoffe, dass mit ihnen der Fluss besser wird. Wir wollen noch schneller den Ball gewinnen und das Tempo aufziehen. Eine gute Abwehr und sehr gutes Tempo werden eine wichtige Rolle spielen.

Im Rückraum hat es zuletzt ein wenig bei Ihrem Team gehakt. Sehen Sie sich hier jetzt besser besetzt?

Rothenpieler: Ja, wir können variabler sein, bekommen sicher mehr einfache Tore, weil wir wurfgewaltigere Spieler haben. Wenn sie es hinkriegen, sind wir sehr gefährlich, reißen größere Räume für die anderen. Da verspreche ich mir viel von.

Sie haben mit Jan von Boenigk und vor allem Mex Raguse auch sehr junge Leute verpflichtet. Was erhoffen Sie sich von den beiden?

Rothenpieler: Von Jan schon sehr viel. Er hat in Hagen gute Leistungen gezeigt, ist einen Tacken weiter als Mex. Hier wartet ein neues Umfeld und eine andere Drucksituation, aber die braucht er. Mex ist das erste Mal im Männerbereich. Aber er ist sehr professionell, hat bei den Füchsen Berlin den Killerinstinkt in die Wiege gelegt bekommen. Wenn er das hinkriegt, wird er uns viel Freude bereiten.

Welche taktischen Veränderungen bieten sich mit dem neuen Kader an?

Rothenpieler: In der Deckung können wir noch aggressiver werden. Da werden wir kleine Umstellungen vornehmen, die 6:0-Deckung offensiver und mehr auf Ballgewinn ausrichten. Dann müssen wir sicherer hinten heraus spielen. Da hatten wir viele Defizite. Bietigheim ist über ein sehr gutes Tempospiel aufgestiegen.

In der Liga wird es in der kommenden Saison wieder nur zwei Aufsteiger geben. Wie sehen Sie die Chancen für Ihr Team, einen der beiden Plätze zu ergattern?

Rothenpieler: In erster Linie ist Absteiger Nettelstedt der Favorit Nummer eins. Der Verein hat den Kader gehalten. Danach werden viele Mannschaften, um Platz zwei, drei kämpfen. Dazu gehören wir. Den Anspruch haben wir. Aber wir müssen konzentriert sein, um die Rolle einnehmen zu können. Das beste Beispiel ist Eisenach, das nach schwacher Vorrunde aus dem Strudel nicht mehr herausgekommen und abgestiegen ist. Wir wollen gut aus den Startlöchern kommen. Coburg, Schwartau, Nordhorn – die haben alle ein ähnliches Niveau. Da ist eine große Breite im oberen Mittelfeld – und dann steigen fünf Teams ab, Der Druck wird enorm.

Welche Teams könnten es Ihrer Meinung nach schwer haben?

Rothenpieler: Dazu kann ich keine Aussage machen. Ich hoffe, dass wir da keine Rolle spielen. Wir müssen alle sehen, dass wir unsere Hausaufgaben machen. Nicht der Klub mit den besten Namen hat auch die beste Mannschaft. Wer seine Schwächephasen am kürzesten hält, wird am Ende oben stehen.

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