Handball

ASV-Geschäftsführer Thomas Lammers spricht über die Corona-Folgen für den Klub

Thomas Lammers ist ab 1. Juli Geschäftsführer des ASV Hamm-Westfalen.
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Thomas Lammers ist ab 1. Juli Geschäftsführer des ASV Hamm-Westfalen.

Ab dem 1. Juli ist Thomas Lammers gleichberechtigt neben Franz Dressel Geschäftsführer beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen. Im Interview spricht er über die Corona-Krise und ihre Folgen.

Hamm - In Corona-Zeiten ist gibt es nur wenige Konstanten. Im Privaten nicht, in der Wirtschaft nicht – und schon gar nicht im Profisport. Für Thomas Lammers, der ab Juli in neuer Rolle gleichberechtigt neben Franz Dressel die Position des Geschäftsführers beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen bekleiden wird, keine leichte Zeit, um sich im neuen Job freizuschwimmen. 

Auf der anderen Seite ist der 35-Jährige schon seit Januar in Vollzeit für den Hammer Vorzeigeklub in leitender Rolle tätig. Eines hat Lammers, der in der Saison 2009/2010 mit dem ASV-Team in die erste Liga auf- und ein Jahr später wieder abgestiegen ist, in den vergangenen Monaten bereits gelernt, wie er im Gespräch einräumt: Wirklich planbar ist in Zeiten der Pandemie nichts.

Nach dem Lockdown sieht der Sport wieder optimistischer in die Zukunft. Der Saisonstart in der 2. Liga ist auf den 2. Oktober terminiert, an dem Sie mit einem Heimspiel gegen den TV Emsdetten starten sollen. Wann wird die Mannschaft mit dem Training beginnen?

Am 27. Juli ist bei uns der offizielle Trainingsstart angesetzt mit unserem obligatorischen Frühstück. Dann waren die Jungs fast fünf Monate auf sich allein gestellt. Deswegen hat unser Cheftrainer Michael Lerscht mit unserem Athletiktrainer Thomas Isdepski die Trainingspläne so aufgestellt, dass wir zehn Wochen Zeit haben. Nach diesen zehn Wochen werden wir für eine besondere Saison bereit sein, in der die Fitness angesichts eines komprimierten Spielplans möglicherweise eine noch größere Rolle als sonst spielen wird. Im August wird es noch mal eine Woche Pause geben. Und danach folgen die üblichen sechs Wochen, in denen es ins Handballspezifische geht.

Wie sieht es mit Testspielen aus?

Mit Corona ist die Planung da gerade schwierig. Es stellt sich die Frage, wie viele Testspiele machen wir und wie viele Zuschauer werden wir dabei haben dürfen?

Das gilt auch für die Liga.

Stand heute planen wir für Anfang Oktober mit 30 bis 40 Prozent Auslastung. Das wären rund 500 Zuschauer – aber es sind noch drei Monate Zeit bis dahin. Wenn man die Lockerungen der letzten Wochen sieht, nehmen wir Tönnies mal raus, dann sind wir auf einem super Weg und bekommen vielleicht sogar 1 000 Leute in die Halle. Grundsätzlich bin ich optimistisch, dass wir mit Zuschauern starten. Mein Ziel ist es, alle Dauerkarteninhaber und Sponsoren in die Halle zu kriegen, dann wären wir bei 1000. Alles, was darüber hinaus geht, nehmen wir gerne mit.

Wie überbrücken Sie als Geschäftsführer die lange Handballpause?

Wir haben keine Langeweile. Eher im Gegenteil. Wir stehen vor der Frage: Wie rechnen wir die letzte Saison ab und wie gehen wir in die neue. Wir kommunizieren mit den Dauerkarteninhabern. Es stellen sich für die Leute die gleichen Fragen wie im März. Darf ich zu den ersten Spielen kommen? Muss ich den vollen Preis zahlen? Kriegen wir eine andere Lösung? Dann kommt die Regierung mit der Verringerung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent – wie rechen wir das ab? Hinter den Kulissen sind wir ordentlich am Rödeln.

Wie hat der Verein den Abbruch der vergangenen Saison wirtschaftlich überstanden?

Mit einem blauen Auge. Dank der Solidarität der Dauerkarteninhaber und Sponsoren. 80 bis 90 Prozent haben gesagt, ich nehme auch die Karte für die neue Saison. Wir werden unser Niveau halten – wirtschaftlich wie sportlich. Ob wir nachher aufsteigen in dieser Saison oder in drei Jahren, das kann ja keiner sagen. Wenn ich Gummersbach und Bietigheim sehe, die nicht geizen mit den Ausgaben, sind wir sicher nicht Favorit. Auch alles andere kann ich nicht kalkulieren. Werden wir Geisterspiele haben, 30 Prozent Zuschauer, 50 Prozent?

Die ausgefallenen Heimspiele der vergangenen Serie waren alle bereits fast ausverkauft. Wie groß war denn der Verlust, den der ASV durch eingeforderte Rückzahlungen hinnehmen musste?

Bei den Sponsoren ging das fast gegen Null. Da war kaum jemand, der das Geld zurück wollte. Bei den Dauerkarteninhabern genauso. Der größte Teil, der einen Bezug zum ASV Hamm hat, hat gesagt, ist okay so. Bei den Einzeltickets war es ein bisschen anders. Da kamen viele Fans von außerhalb, und wir haben wesentlich mehr Anfragen bekommen, wo die Leute ihr Geld zurück haben wollten. Wer es monetär zurück haben wollte, hat es bekommen. Ansonsten haben wir versucht, Lösungen zu finden mit Freitickets für die nächste Saison. Da haben wir einen großen Schwung mit abgefangen, rund 90 Prozent der Karten.

Hat der Handball mit dem Saisonabbruch einen Fehler begangen?

Nach meiner persönlichen Meinung hat er alles richtig gemacht. Der Nachteil ist natürlich: Wir waren komplett von der Bildfläche weg. Trotzdem finde ich es nicht gut, was die Fußballer und Basketballer gemacht haben. Ich kann meinen Kindern ja nicht erklären, ihr müsst Mundschutz tragen und dürft nur mit sechs Leuten in einem Raum sitzen. Aber die Fußballer können machen, was sie wollen.

Andere Vereine haben in der handballfreien Zeit soziales Engagement im Umfeld gezeigt. Die Spieler haben etwa für ältere Leute den Einkauf erledigt. Warum gab es solche Aktionen beim ASV nicht?

Wir haben das schon angeboten. Aber das wurde nicht angenommen. Entweder hatten wir die falschen Kanäle oder wir haben zu früh gefragt. Zum Beispiel hatten wir geplant, dass wir uns bei einem Discounter hinstellen und dann den Einkauf für die Leute übernommen hätten. Aber wir haben ja auch Masken mit dem ASV-Logo verteilt – da, wo sie gebraucht wurden. So haben wir versucht, etwas für die Öffentlichkeit zu tun. Aber natürlich hatten wir auch andere Sachen im Kopf. Da ging es darum die eigene GmbH zu retten.

Bis zur Vorbereitung sind es noch kapp vier Wochen. Sind bereits alle Spieler wieder in Hamm?

Der eine oder andere ist noch im Kurzurlaub. Der einzige, der noch im Ausland ist, ist Alex Rubino.

Ab dem 27. Juli dürfte sich die Urlaubsplanung vorerst erledigen.

Wenn es dann losgeht, brauchen die Jungs bis zum 30. Juni 2021 keinen Urlaub mehr zu planen. Da ist nur noch Platz für Handball im Kopf. Die Spiele sind sehr eng getaktet. Vor allem im „worst case“, wenn wir erst im November anfangen könnten. Dann wäre aber nur noch Attacke und die Belastung für die Spieler extrem groß. Daher wird die Vorbereitung so wichtig. Denn da wird die Grundlage für die Fitness und Verletzungsanfälligkeit nach hinten heraus gelegt.

Kennen Sie schon Details des Hygienekonzepts der Handball Bundesliga?

Das wird noch aufgestellt. Die Bedingungen ändern sich im Moment ja alle zwei Wochen. Entsprechend macht es keinen Sinn, das jetzt schon zu machen. Ich bin sicher: Was ich heute formuliere, wird in drei Monaten nicht mehr tagesaktuell sein. Ziel in der HBL ist es, dass jeder Verein Mitte Juli unter den gleichen Voraussetzungen starten kann. Michael Lerscht hat aber auch vor Corona allein schon wegen der normalen Grippe in der Winterzeit darauf geachtet, dass sich jeder die Hände desinfiziert. Wenn das von Corona bleibt, habe ich nichts dagegen, hier ein paar Desinfektionsmittelspender in der Halle aufzustellen.

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