Handball

ASV-Geschäftsführer Franz Dressel: "Wir müssen sicherlich liefern"

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Franz Dressel fiebert den Start des ASV Hamm-Westfalen in die neue Saison der 2. Handball-Bundesliga entgegen.

Am Freitag startet Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen mit einem Heimspiel gegen Aufsteiger TV Großwallstadt (19.15 Uhr/Westpress Arena) in die Saison. Geschäftsführer Franz Dressel (67) bezieht im Vorfeld Stellung.

Nur noch wenige Tage, dann startet der ASV Hamm-Westfalen in die neue Zweitliga-Saison. Wie groß ist die Vorfreude?

Franz Dressel: Es ist jedes Jahr so, dass ich sage, die Vorfreude ist riesengroß. Aber dieses Jahr ist ein Besonderes. Weil wir sagen: Es gibt den neuen ASV Hamm-Westfalen. Ich begleite dieses Projekt seit über 20 Jahren ehrenamtlich, und mich motivieren Woche für Woche diese faszinierende Sportart, dieses faszinierende Team und die Hoffnung, eine gute Saison zu erleben.

Die Mannschaft ist runderneuert – der komplette Rückraum ist ausgetauscht worden. Was erwarten Sie von dem Team in sportlicher Sicht?

Dressel: Ich glaube nach wie vor, dass wir durch jede dieser Neuverpflichtungen stärker geworden sind, auch wenn wir zwischendurch eine Leistungsdelle in der Vorbereitung hatten. Das sind alles tolle Handballspieler. Ich gebe zu, dass nicht alle Verpflichtungen, die wir in der Vergangenheit getätigt haben, zu 100 Prozent eingeschlagen haben. Aber jeder einzelne unserer Neuzugänge wird die Position, die er bekleidet, stärker besetzen können, als es bei uns in der Vergangenheit der Fall war. Wie schnell sie das als Mannschaft auf die Platte bringen, kann ich nicht sagen. Aus dem Grund haben wir seiner Zeit den großen Teil der Abwehr behalten, die Spieler, die wir langfristig binden wollten, mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet. Wir wollen natürlich früh zeigen, dass wir eine gute Entwicklung nehmen, aber eigentlich ist die Mannschaft erst im kommenden Jahr auf ihrem Leistungshöhepunkt, wo sie um den Titel mitspielen kann. Sollte es dieses Jahr schon gehen, dann gerne.

Den Aussagen der neuen Spieler nach zu urteilen, haben Sie bereits in den Vertragsverhandlungen deutlich gemacht, in welche Richtung es in Hamm gehen soll. Wie sehr kann man einen Aufstieg in die 1. Liga planen?

Dressel: Das kann man nicht vorher sehen. Aber wir haben die Spieler geholt, um den nächsten Schritt zu machen. Ich sage ganz offen, wenn wir dieses Jahr Sechster werden, haben wir unser Ziel nicht erreicht. Wenn wir Vierter werden mit einem Rückstand von über zehn Punkten auf einen Aufstiegsplatz, dann haben wir unser Ziel nicht erreicht. Ich kann niemanden versichern, dass wir aufsteigen. Aber wir werden versuchen, so lange wie möglich in der Spitze mitzuspielen.

Sie sagten vorhin, es gebe einen neuen ASV. Was bedeutet das konkret?

Dressel: Das bezieht sich vornehmlich auf ein verändertes Auftreten der Spieler, in Sachen Einstellung, Disziplin, Identifizierung mit dem Verein. Das fängt in der Kabine an. Wenn früher einer, salopp gesagt, die Bananenschale neben den Papierkorb geworfen hat, ist die auch da liegen geblieben. So etwas wird es jetzt nicht mehr geben. Das fängt in der Kabine an, geht auf dem Feld weiter und hört darin auf, wie sich die Jungs nach dem Spiel in der Öffentlichkeit geben.

Die Mannschaft geht mit Trainer Kay Rothenpieler nach seiner Rückkehr auf die Trainerbank ins zweite Jahr. Wie wichtig ist seine Rückkehr aus Ihrer Sicht für den Verein?

Dressel: Kay und ich arbeiten jetzt seit fast 15 Jahren zusammen. Der eine weiß, was er vom anderen zu halten hat. Das funktioniert wirklich sehr gut. Wir haben die Zuständigkeiten klar getrennt. Er ist für den sportlichen Bereich verantwortlich. Da halte ich mich zurück. Nach dem verkorksten Jahr davor sind wir der vergangenen Saison auf Platz sechs gelandet – das zeigt, dass er der richtige Trainer für uns ist.

Ihr 2-5-1-Slogan, aus der 2. Liga innerhalb von fünf Jahren in die erste, geht jetzt ins vierte Jahr. Sehen Sie sich im Soll?

Dressel: Wir müssen sicherlich liefern. Wenn es in diesem Jahr noch nicht der Aufstieg in die erste Liga ist, wird man uns das mit Sicherheit nicht übel nehmen. Aber wir erwarten erkennbar, dass ein Schritt nach vorne gemacht wird. Wir werden auch selbstbewusster auftreten. Wir sind die Nummer eins in Hamm und wollen das nach außen deutlich zeigen – mit aller Bescheidenheit und Demut. Wir haben auf großen Plakatwänden im gesamten Stadtgebiet die Dauerkarten-Kampagne angekündigt und bewerben unsere Heimspiele Woche für Woche mit Großanzeigen im Westfälischen Anzeiger. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Zuschauerzahlen im Durchschnitt um fast 200 gesteigert. Und ich hoffe, dass wir das in diesem Jahr noch einmal steigern können.

Haben Sie zwischenzeitlich einmal bereut, diesen Slogan in die Welt gesetzt zu haben?

Dressel: Nein, überhaupt nicht. Natürlich, wenn wir in fünf Jahren immer noch in der 2. Liga spielen, müssen wir dann auch sagen: Das Ziel wurde nicht erreicht.

Sie streben sportlich den Sprung in die 1. Liga an. Sehen Sie auch die Strukturen im Verein mittlerweile bereit dafür?

Dressel: Das Jahr in der 1. Liga (2010/2011, Anm. d. Red.) war für alle Beteiligten sehr lehrreich. Davon ist bei allen noch ein ganz großes Stück haften geblieben. Daher bin ich sicher, dass uns diese gravierenden Fehler nicht mehr passieren.

Es gibt immer noch Restschulden, Verbindlichkeiten aus dieser Saison...

Dressel: Ja, das lässt sich nicht in einem Jahr tilgen, ist jedoch überschaubar. Das war aber auch nicht unser Plan. Wir werden diese Altlasten langfristig tilgen. Die Liquidität ist in ausreichendem Maß gesichert. Wir kriegen seit Jahren die Lizenz ohne Auflagen und Bedingungen. Ich kenne mich als Präsidiumsmitglied der HBL (Handball Bundesliga, Anm. d. Red) ein wenig aus und kann behaupten, dass wir da gegenüber anderen Vereinen deutlich bessere Ergebnisse vorweisen können.

Eine Wiederholung dieses Erstliga-Szenarios können Sie also ausschließen.

Dressel: Definitiv. Das wird nicht wieder passieren.

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