Fabian Huesmann setzt sich nicht unter Druck

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Es wird noch einige Zeit dauern, bis Fabian Huesmann (rechts) wieder für den ASV auf der Platte steht.

HAMM - Fabian Huesmann humpelte einträchtig mit Marian Orlowski über das Parkett der Westpress-Arena. Notgedrungen. Während die Teamkollegen des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen im Überschwang der Gefühle nach dem in allerletzter Sekunde erkämpften Punktgewinn gegen den TV Großwallstadt durch die Halle hetzten, ließ es die „Kreuzbandriss-Fraktion“ gezwungenermaßen gemächlicher angehen.

Was nichts daran änderte, dass sich beide ebenso diebisch freuten. „Es gab in dem Spiel immer Situationen, wo wir hätten wegbrechen können. Das ist nicht passiert. Und das spricht für uns“, analysiert Huesmann.

Dass er selbst derzeit zur Untätigkeit verdammt ist, während der ASV dem nächsten Top-Spiel gegen den Tabellendritten Rimpar am Samstag (19 Uhr) entgegenfiebert, ist für den Linksaußen die Höchststrafe. „Das ist schlimmer als die Verletzung an sich“, sagt Huesmann. „Gerade, wenn es knapp ist, dann möchte man so gerne helfen, dann juckt es richtig in den Fingern.“

Dieses Gefühl wird den 21-Jährigen noch einige Monate begleiten. Anfang März hatte sich Huesmann die gravierende Blessur im Training zugezogen, als er sich beim Gegenstoß um die eigene Achse drehen wollte – und der linke Unterschenkel die Bewegung nicht mit vollzog.

„Ich hatte sofort ein schlechtes Gefühl“, meint Huesmann. Und es wurde nach der ersten „Expertenmeinung“ nicht besser. Denn Neuzugang Jan-Lars Gaubatz, der im vergangenen Jahr einen Kreuzbandriss erlitten hatte, wusste noch, „dass es schlecht aussieht, wenn ich das Knie nicht gleich strecken kann“, erzählt Huesmann.

Ging nicht. Und mit Verzögerung kam der Schmerz hinzu. Spätere Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes, Teilruptur des Innenmeniskus und des Innenbandes. „Damit hatten sich meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt.“ Und das zu einem Zeitpunkt, als er sich selbst sportlich „auf einem guten Weg“ wähnte. Was auch sein Trainer so sieht. Weshalb der Ausfall Huesmanns „uns schon ein bisschen weh tut“, sagt Kay Rothenpieler.

Den „ersten Schock“ hat Huesmann mittlerweile verdaut, sagt von sich, dass „ich ganz gut damit umgehe“. Derzeit ist das Knie mit Hilfe einer Orthese ruhiger gestellt, vom Krafttraining dreimal wöchentlich hält ihn das aber nicht ab.

Am 8. April wird Huesmann in Wuppertal operiert. Danach beginnt die Reha. Viele Einheiten wird er wohl gemeinsam mit Orlowski absolvieren können, der sich im Dezember einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Eins ist für den ehemaligen Recklinghäuser klar: Unter Druck wird er sich bei seinem Weg zurück nicht setzen. Geduld ist gefordert. „Ich gehe kein Risiko ein. Und ich mache mir auch keine falschen Hoffnungen“, sagt Huesmann. „Ich haue mich in der Reha voll rein, dann wird es schon schnell genug gehen.“

Der Linksaußen ist trotz der Widrigkeiten bemüht, einen engen Draht zur Mannschaft zu halten, beim Training schaut er so oft wie möglich vorbei. Und da das Autofahren derzeit zu Huesmanns größten Problemfeldern gehört, „bieten die Jungs auch an, mich zur Physiotherapie zu bringen“.

Für den Mann mit der Trikotnummer drei ein Zeichen für das intakte Binnenklima. Nicht nur in sportlicher Sicht habe die Mannschaft einen „Riesensprung“ gemacht, sondern auch, „was den Zusammenhalt angeht“.

Nicht zuletzt deshalb will Huesmann gerne bleiben. Zumal er auch davon ausgeht, dass der ASV im nächsten Jahr einen weiteren Entwicklungsschub durchlaufen wird – den möchte er miterleben. Verlängert hat er seinen Vertrag noch nicht, Gespräche und entsprechende Signale hat es aber gegeben.

Zwar fahndet der ASV derzeit auch nach einem Linksaußen für das kommende Jahr, da Joscha Ritterbach mindestens in der ersten Hälfte der neuen Saison ansonsten „Alleinunterhalter“ auf der Position wäre. Aber „wir stehen zu Fabian und planen mit ihm“, sagt Rothenpieler. „Wir entscheiden, wenn er wieder fit ist, was für alle Beteiligten das Beste ist. Wir werden schon eine Lösung finden.“

Für Huesmann war das eine gute Nachricht. Damit sei ihm „die erste Angst genommen“ worden: „Deshalb mache ich mir keine Gedanken.“ Zumal das Knie im Moment Priorität genießt. - fh

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