Fußball

Warum die Motivation von Jan Apolinarski für das ganze HSV-Team reicht 

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Jan Apolinarski im Trikot der Hammer SpVg.

Von 2013 bis 2018 lief Jan Apolinarski – bis auf ein halbjähriges Gastspiel beim FC Kray – für den SV Westfalia Rhynern in der Ober- und Regionalliga auf. In diesem Sommer hat der 28 Jahre alte Verteidiger die Seiten gewechselt und trägt nun das Trikot der Hammer SpVg.

Hamm – Warum es ihn zur HSV gezogen hat und was seiner Meinung nach die Unterschiede der beiden Vereine sind, hat der in Bochum lebende Apolinarski in einem Gespräch vor dem Derby am Freitag (19.30 Uhr) in Rhynern mit Patrick Droste verraten.

Herr Apolinarski, erst Rhynern, jetzt HSV. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Nach meinem Weggang aus Rhynern habe ich ein Jahr lang in der Bezirksliga beim SuS Langscheid gespielt, hatte dann aber wieder Lust, in einer höheren Liga aufzulaufen. Aber ich war ja ein bisschen in der Versenkung verschwunden und musste daher selbst aktiv werden. Ich hatte beim FC Kray angefragt, aber da war es ein wenig durcheinander. Rene Lewejohann kannte ich von einem Trainerlehrgang, da habe ich dann Kontakt zu ihm aufgenommen. Ich habe zwei Probetrainings absolviert, anschließend meinte Rene, er würde mich in den Kader aufnehmen. Ich habe da sofort Vertrauen gespürt und habe einen Vertrag bis 2021 unterschrieben. Ich fühle mich fit, will aber noch fitter werden.

Sie kennen die HSV aus Ihrer Jugendzeit, haben in der B- und A-Jugend schon mal eineinhalb Jahre im Hammer Osten gespielt. Wie schnell haben Sie sich wieder eingefunden?

Das war relativ einfach. Denn durch die vielen Abgänge gab es keinen großen Stamm mehr, es ist eine neu zusammengewürfelte Truppe. Wobei es mir die ‘älteren’ Spieler wie Patrick Franke oder Alan Bezhaev, um nur zwei zu nennen, das Ankommen auch leicht gemacht haben, das sind schon coole Typen.

Weniger cool war der Saisonstart mit einem Zähler aus drei Spielen. Woran liegt es, dass es noch nicht so rund läuft?

Der Start hätte definitiv besser sein können. Im ersten Spiel beim 2:2 gegen die U23 von Preußen Münster haben wir uns nach dem 0:2 gut zurückgekämpft und hätten am Ende fast noch den Lucky Punch gesetzt. Beim 0:5 in Rheine hatten wir einen rabenschwarzen Tag, den wir vergessen sollten. Gegen Ennepetal sah es in der ersten Halbzeit gut aus, aber dann verlieren wir 0:3. Wir hätten gerne schon mehr Punkte und stehen daher im Derby gegen Rhynern unter Druck.

Liegt es vielleicht daran, dass die HSV fast komplett runderneuert wurde und viele junge Spieler im Team sind?

Es sagt viel aus, wenn ich mit meinen 28 Jahren zu den drei ältesten Spielern gehöre. Der Rest ist im Großteil zwischen 19 und 22 Jahre alt. Für viele von diesen Jungs ist das die erste Oberliga-Saison. Das dauert eben. Wobei es auch den Vorteil haben kann, dass die jungen Leute, wenn sie ehrgeizig sind, schnell lernen und sich schnell daran gewöhnen.

Sie haben es gesagt, Sie gehören zu den älteren Akteuren. Was können Sie den jungen Spielern an Hilfestellung geben?

Ich versuche mit den Leuten zu reden, wenn mir etwas auffällt, und zeige ihnen meine Sicht der Dinge auf. Ich hoffe, dass sie das aufnehmen und ihr Spiel verbessern. Ich bin jedenfalls immer da, wenn einer eine Frage hat – auf und auch neben dem Platz wenn es um Sachen geht wie Job, Ausbildung oder Studium.

Jetzt steht für Sie und Ihre jungen Teamkollegen das Derby gegen Rhynern an. Wie wird es für Sie sein, dieses Duell von der anderen Seite aus zu erleben und jetzt in einem roten Trikot aufzulaufen?

Als ich in Rhynern gespielt habe, waren wir von der Papierform her immer der Underdog. Aber die Westfalia war am Ende der Saison immer vor der HSV. Daher ist Rhynern für mich der Favorit und ich bin wieder in der Mannschaft, die der Außenseiter ist. Von daher hat sich für mich nichts geändert. Außer eben die Trikotfarbe.

Sie haben es angesprochen: Seit 2010, als die Hammer SpVg aus der NRW-Liga abgestiegen ist, war Rhynern jedes Jahr besser platziert als die Hammer oder spielte in einer höheren Liga. Sie haben einen Einblick in beide Vereinsphilosophien. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe?

Seit 2010? Das ist mal ein Statement. Es ist für mich schwer zu sagen, was in den vergangenen Jahren bei der HSV nicht so gut gelaufen ist. Ich weiß nur, was uns in Rhynern ausgezeichnet hat. Zum einen waren wir eine verschworene Truppe, die viel über die Physis gekommen ist und die lange in dieser Zusammensetzung zusammen geblieben war. Und zum anderen hatten wir mit Björn Mehnert einen richtig starken Trainer.

Aber die HSV hat mit Rene Lewejohann auch einen durchaus speziellen Trainer, oder?

Ja, Lewe ist definitiv ein interessanter Trainer. Ich kannte ihn nur von dem gemeinsamen Lehrgang und war auch auf ihn gespannt, als ich hier hingekommen bin. Er ist immer für einen lockeren Spruch gut. Aber bei ihm ist auch sehr viel Fußball-Fachwissen vorhanden – gepaart mit einer Menge Besessenheit. Ich denke, das ist eine gute Kombination. Ich hatte jedenfalls schon Trainer, die haben weniger investiert und hatten weniger Wissen.

Was hat Sie in den fast drei Monaten, in denen Sie bei der HSV sind, am meisten beeindruckt?

Die Fans nach dem Spiel gegen Ennepetal. Die haben trotz der klaren Niederlage Verständnis gezeigt, dass wir noch Zeit brauchen, uns Mut zugesprochen und uns positiv gestimmt. Und sie haben klar gemacht, wie sie auf das Derby brennen.

Für Sie gibt es am Freitag ein großes Wiedersehen. Freuen Sie sich darauf?

Auf jeden Fall. Es stehen noch acht, neun Jungs im Team, die zu meiner Zeit auch schon da waren. Dann freue ich mich auf Andreas Kersting, der immer einen offenen und ehrlichen Umgang pflegt. Ich werde also viele Hände schütteln, wobei ich hoffe, dass sie mir dabei alle nach dem Spiel zum Sieg gratulieren. Wobei ja noch nicht feststeht, in welcher Form ich dabei bin. Ich habe in der vergangenen Woche wegen einer Prellung nicht trainiert und stand gegen Ennepetal auch nicht im Kader. Aber jetzt bin ich wieder fit und biete mich an. Den Rest muss der Trainer entscheiden. Ich bin aber definitiv richtig heiß. Meine Motivation ist so groß, die reicht eigentlich für die ganze Mannschaft.

Sie haben im Trikot des SV Westfalia Rhynern schon einige Derbys gegen die HSV bestritten. Was für Erinnerungen haben Sie an diese Duelle?

Es war jedes Mal kampfbetont und emotional. Und es gab immer viele Zuschauer, was einen zusätzlich motiviert. Aber dafür spielt man ja Fußball, dass man vor solchen Kulissen auflaufen darf. Und ich erinnere mich noch an die Ansprachen von Dustin Wurst vor diesen Derbys. Wenn man danach seinen Gegenspieler nicht auffressen wollte, dann hat man was falsch gemacht.

Was ist aus der Zeit in Rhynern noch geblieben?

Sehr viel. Ich habe dort meinen besten Freund Mathieu Bengsch kennen gelernt, mit dem ich jetzt noch zusammen wohne. Ich habe mit Dustin Wurst einen super Freund gefunden, mit dem ich zusammen seinen Junggesellenabschied feiern durfte. Alexander Hahnemann ist so ein Typ, den man nie vergisst. Oder auch David Schmidt und Markus Maier, die jetzt beide in Bockum-Hövel spielen. Das waren alles feine Menschen. Und auch wenn man zu dem einen oder anderen jetzt nicht mehr so viel Kontakt hat, vergessen werde ich die nie. Hinzu kam ein Trainer Björn Mehnert, von dem man sich viel abgucken konnte. Und ich bin dem Verein dankbar, dass ich so viele Spiele auf Ober- und Regionalliga-Niveau bestreiten durfte.

Den Aufstieg in die Regionalliga haben Sie allerdings als unvergessliches Highlight verpasst.

Ja, leider. Das war schade. Aber in der Winterpause vorher hatte ich das Gefühl, dass ich eine Luftveränderung brauche, weil ich nicht mehr so oft gespielt habe. Ich bin dann zum FC Kray gewechselt. Aber nur für ein halbes Jahr. Denn im Sommer kam schnell wieder der Anruf aus Rhynern – und dann war ich erneut zur Stelle.

Nicht zur Stelle für das Derby am Freitag wäre fast die HSV gewesen. Denn erst am letzten Spieltag der vergangenen Saison haben die Hammer den Klassenerhalt perfekt gemacht. Wie haben Sie dieses Zittern verfolgt?

Zittern ist das richtige Wort. Nach jedem Spiel von mir mit Langscheid bin ich sofort ans Handy gegangen und habe geschaut, was die HSV gemacht hat. Als ich dann den Sieg über Gütersloh gesehen habe, habe ich laut gejubelt. Denn da muss ich es mit Andreas Kersting halten, der immer gesagt hat: Das Derby gehört zur Stadt.

Was muss bei der HSV im Vergleich zu den ersten Spielern anders laufen, damit Sie im Derby was mitnehmen können?

Wenn wir die Kompaktheit aus der ersten Halbzeit gegen Ennepetal gepaart bekommen mit der Aggressivität und dem Willen aus der zweiten Halbzeit gegen Münster, dann bin ich positiv gestimmt, dass da etwas Zählbares für uns herausspringt. Und wir dürfen nicht diese kleinen Fehler machen, die zuletzt immer sofort zu Gegentoren geführt haben. Aber letztlich zählt das, was vorher war, im Derby nicht. Rhynern ist sicherlich der Favorit, weil die Mannschaft schon eingespielt ist. Aber wenn wir das abrufen, was ich beschrieben habe, und bei uns alles gut zusammenpasst, dann wird es ein Derby auf Augenhöhe geben. Ich hoffe, die Zuschauer bekommen ein spannendes Spiel zu sehen – mit dem besseren Ausgang für uns.

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