HSV setzt auf Stadionverbote / Derby am Sonntag

"Antifa" erhebt schwere Vorwürfe gegen die Hammer SpVg

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Die Hammer SpVg will mit Stadionverboten gegen die vom Staatsschutz ermittelten Personen vorgehen, die in Lippstadt für Ausschreitungen gesorgt hatten.

Hamm - Am Montag vermeldete die Polizei Dortmund, dass sie die ersten sechs angeblichen Fußball-Anhänger identifiziert hat, die beim Auswärtsspiel des Fußball-Oberligisten Hammer SpVg in Lippstadt den Platz gestürmt und Neonazi-Parolen sowie antisemitische Beschimpfungen skandiert hatten. Wenig später veröffentlichte dann die „Antifa“ Hamm eine Stellungnahme, in der sie schwere Vorwürfe gegenüber der HSV und auch dem Fan-Beauftragten Max Neumann erhebt.

So weist die „Antifa“ in ihrer Veröffentlichung mittels Screenshots aus dem Internet und Fotos auf „die Verbundenheit (Hammer) Neonazis zur HSV“ hin und fordert den Verein auf, „endlich dieses Problem zu erkennen und aufzugreifen. Außerdem sollte der Verein seine Mitglieder für Neonazis und ihre Ideologie sensibilisieren.“ 

Es könne nicht sein, so heißt es weiter, dass „sich die Hammer Spielvereinigung als Wohlfühlort und Tollhaus für Faschisten und rechte Hooligans entwickelt.“ 

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Dennis Kocker, Vizepräsident der HSV und stellvertretender Fußballabteilungsleiter, hatte sich nach Veröffentlichung der „Antifa“-Vorwürfe direkt mit seinen Präsidiums-Kollegen ausgetauscht und betonte auf WA-Anfrage: „Ich habe ja schon in der vergangenen Woche gesagt, dass nach den Vorfällen in Lippstadt Aufklärung für uns das oberste Gebot ist. Jetzt, wo wir durch den Staatsschutz und auch durch die Antifa Namen und Daten haben, können und werden wir auch handeln. Denn wir als Verein wollen und werden keine rechten Botschaften oder Ansichten dulden.“ 

„HSV steht für Weltoffenheit“ 

Die HSV, so erklärte Kocker weiter, sei ein Verein mit über 1200 Mitgliedern, von denen viele einen Migrationshintergrund hätten: „Vor allem in der Jugendabteilung, aber auch bei den Senioren und den Alten Herren praktizieren wir eine vorbildliche interkulturelle Zusammenarbeit.“ 

In diesem Kontext erwähnte der HSV-Vizepräsident das internationale Pfingstturnier, Austausch mit Fußball-Mannschaften aus den Partnerstädten und Projekte gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. „Wir lassen uns dies von solchen Leuten jedenfalls nicht kaputtmachen“, stellte Kocker klar – und meinte: „Die HSV steht für Integration und Weltoffenheit.“ 

Wichtig sei es ihm, dass nun unmittelbar gehandelt würde. So sollen auch so schnell wie möglich Stadionverbote ausgesprochen werden. „Ohne konkrete Ansatzpunkte konnten wir bislang rechtlich nicht handeln. Jetzt aber haben wir etwas in der Hand, nachdem der Staatsschutz und die Antifa Namen genannt und wir konkrete Informationen haben. Daher werden wir ein entsprechendes Konzept erarbeiten“, meinte Kocker, der auch bei Auswärtsspielen mit den entsprechenden Gastgebern im Vorfeld Kontakt aufnehmen will, damit diese Leute keinen Zutritt mehr zu Partien der Hammer SpVg erhalten. 

„Wir wollen diesen Menschen keine Bühne geben. In unserem Verein ist kein Platz für rechtsextremes und rassistisches Gedankengut“, so Kocker. 

Sicherheitsmaßnahmen für Derby verstärkt 

Bereits für das Derby am Sonntag (15 Uhr) gegen Westfalia Rhynern wird die HSV daher die Sicherheitsmaßnahmen im Stadion verstärken. „Es geht dabei nicht nur um eine erhöhte Sensibilität, sondern es ist unsere Pflicht, dass wir das machen“, stellt Kocker klar. „Das gilt nicht nur im Stadion, sondern auch im Umfeld unserer Anlage.“ 

Aber nicht nur die HSV, auch der Fan-Beauftragte Max Neumann muss sich mit Vorwürfen der „Antifa“ auseinandersetzen. So wird dem 20-Jährigen vorgehalten, dass er „kein neutraler Fan-Beauftragter“ der HSV sei, weil er bei Facebook mit Neonazis befreundet sei und Bilder mit rechtem Gedankengut geteilt habe. 

Daher sei es, so heißt es in der Mitteilung, „ziemlich unglaubwürdig, dass er die Nazis im Bus, im Block oder bei der Rückfahrt nicht erkannt hat oder zuordnen konnte. Auch seine Verklärungen, er wüsste nicht, ob es Rechte, Linke oder Hooligans waren, ist offensichtlich unglaubwürdig. Gerade bei den weiter oben genannten Parolen (Anm. der Redaktion: „Jude, Jude“) ist es doch eindeutig, welche politische Gesinnung diese Menschen haben. Es kommt der Verdacht auf, dass er den Hintergrund der Beteiligten absichtlich verschleiert.“ 

Die Antifa führt als Beleg für ihre Behauptungen ebenfalls entsprechende Screenshots aus dem Internet an. Während den WA von Neumann bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme erreichte, erklärte derweil Kocker, dass er und seine Vorstandskollegen bis zu der Veröffentlichung durch die „Antifa“ von den Vorwürfen gegenüber dem Fan-Beauftragten nichts gewusst haben. 

„Wir werden diese Anschuldigungen überprüfen und dann entscheiden, was zu tun ist. Aber das wird erst passieren, wenn wir mit ihm gesprochen haben. Das werden wir in den nächsten Tagen machen“, sagte Kocker.

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