Germanen erreichen den Flieger in letzter Minute

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Lucas Karschau und Maurice Michler am Freitag beim Training in der Halle in Italien.

PISA - Das letzte European-League-Spiel des deutschen Rollhockey-Meisters SK Germania Herringen der laufenden Saison beim italienischen Titelträger Alimac Forte dei Marmi (Samstag/18.30 Uhr) hat noch gar nicht begonnen, da haben die Herringer schon den ersten ganz engen Kampf gewonnen – den gegen die Zeit.

Denn um ein Haar hätte es der über 30-köpfige SKG-Tross gar nicht zum Spielort geschafft. Um 0.30 Uhr sollte die Reise von Mannschaft, Verantwortlichen und Fans in der Nacht zum Freitag an der Glück-Auf-Sporthalle Richtung Pisa mit einem Reisebus beginnen. Doch danach lief fast nichts mehr zusammen: Es begann damit, dass der Dienst habende Busfahrer sich im Tag vertan hatte. Der Start mit einem Ersatzteam und 90-minütiger Verspätung und das Verpassen der Autobahnabfahrt zum Flughafen in Brüssel folgten, ehe sich der Bus mit einem metallenen Geräusch in einer Baustelle festfuhr. Das Spiel schien verloren, ehe es begonnen hatte, und selbst der SKG-Vorsitzende Michael Brandt hatte in diesem Moment innerlich mit der Reise abgeschlossen. „Das wird nichts mehr“, unkte er. „Ab hier können wir zu Fuß weitergehen.“

Glück für die Herringer, dass zehn Minuten später überraschend der Befreiungsschlag gelang – kurz vor dem Abflug erreichte der Tross den Flughafen Charleroi, und SKG-Coach Hans-Werner Meier hatte schon zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, ein verloren geglaubtes Spiel in letzter Sekunde gedreht zu haben, hatte er sich und das Team doch vor seinem geistigen Auge schon im Bus nach Pisa weiterfahren sehen.

An eine ähnlich überraschende Wendung zu Gunsten seiner Mannschaft auf dem Spielfeld glaubt Meier allerdings nicht. „Das wird eine ganz schwere Partie für uns“, weiß er. „Forte ist ja nicht nur Spitzenreiter in unserer Gruppe. Die Mannschaft ist auch noch mit spanischen und italienischen Nationalspielern gespickt.“ Vor allem der herausragende Pedro Gil, der im Hinspiel bei der Herringer 7:11-Niederlage bereits fünf Tore erzielte, dürfte von den Gästen nur schwer zu halten sein.

Nur sechs Feldspieler

Dass Meier selbst zudem nur auf einen Rumpfkader zurückgreifen kann, macht die Aufgabe nicht leichter. Denn mit Dominik Brandt und Jannis Reinert standen im Vorfeld bereits zwei Spieler fest, die verletzungsbedingt nicht dabei sein würden. Am Ende blieb dann auch noch der Platz von Philipp Michler im Kader frei, der sich kurzfristig aus beruflichen Gründen abgemeldet hatte. „Damit haben wir nur sechs Feldspieler zur Verfügung“, sagt Meier. „Da darf nun nichts mehr passieren.“ Zumal Kevin Karschau beim Abschlusstraining am Freitagnachmittag nur als Zuschauer an der Bande stand. Der Herringer Defensivspieler war bereits mit einer Erkältung angereist. „Daher tue ich mir lieber noch ein bisschen die Ruhe an“, sagte Karschau, der dann mit ein wenig mehr Kraftreserven in die Partie gehen will. Eine Begegnung, in die auch Robin Schulz nach seiner im Spiel gegen Iserlohn erlittenen Handgelenksverletzung angeschlagen gehen wird. „Ich habe schon noch Schmerzen“, räumte er ein, will aber die Zähne aufeinander beißen. „Das wird schon irgendwie gehen.“

Verkaufen wollen sich die Germanen dennoch auch in ihrer letzten Begegnung auf europäischer Bühne nocheinmal so teuer wie möglich. „Die Mannschaft hat den deutschen Rollhockey-Sport bislang in der Königsklasse würdig vertreten“, sagt Brandt. „Und das will sie in Forte auch tun.“ Und Meier ergänzt, dass „wir natürlich vor allem zuhause in unserer Halle, auf unserem Belag und vor unseren Zuschauern stark aufgespielt haben – auswärts ist das schon eine ganz andere Nummer.“ - güna

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