Hausbesuche

Als Hölzken-II-Trainer Philip Schimmler mächtig nervös wurde

Philip Schimmler trainiert in dieser Saison alleinverantwortlich die zweite Mannschaft des TuS Germania Lohauserholz.
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Philip Schimmler trainiert in dieser Saison alleinverantwortlich die zweite Mannschaft des TuS Germania Lohauserholz.

Kumpeltyp Philip Schimmler setzt als Coach von Germania Lohauserholz II auf das gute Miteinander

Hamm – So nervös war Philip Schimmler noch nicht einmal vor den besonders wichtigen Fußballspielen in seiner Karriere gewesen. Mehrere Tage hatte er sein Vorhaben schon mit sich herumgetragen und wartete immer auf den richtigen Moment. Als er dann vor zwei Jahren im Rahmen eines Roadtrips quer durch die USA am Grand Canyon angekommen war, holte er den Ring aus der Tasche und stellte seiner Freundin die Frage aller Fragen. „Wir waren schon so lange zusammen. Aber irgendwo zwischen Tür und Angel oder klassisch in einem Restaurant wollte ich ihr den Heiratsantrag nicht machen”, sagt der 34 Jahre alte Trainer des Fußball-A-Kreisligisten TuS Germania Lohauserholz II. „Ich hatte den Ring schon ein paar Tage immer griffbereit dabei gehabt. Am Grand Canyon hat es dann gepasst und ich habe mir gedacht, jetzt oder nie. Aber ich war mächtig aufgeregt.”

Mit seiner Frau, die er bereits seit 2008 kennt, und ihrer Tochter wohnt Schimmler in Drensteinfurt, fühlt sich dort wohl und genießt das Leben mit seiner kleinen Familie. „Meine Frau kommt aus Drensteinfurt und arbeitet in Münster. Meine Job ist in Hamm. Da ist Drensteinfurt die perfekte Mitte. Außerdem ist das auch eine richtig schöne Ecke”, betont Schimmler.

Geboren und aufgewachsen ist er allerdings im Hammer Westen, hat am Märkischen Gymnasium sein Abitur gebaut – und ist von Kleinauf eng mit dem TuS Germania Lohauserholz verbunden. „Der TuS ist mein Zuhause. Hier kenne ich alles und jeden. Das ist mein Heimatverein. Es gibt nichts, worüber ich mich hier beklagen kann”, sagt Schimmler, der über das Mutter-Kind-Turnen im Hölzken zum Fußballspielen beim TuS kam. Zuerst kickte er noch auf dem alten Ascheplatz, später auf der neuen Anlage am Hahnenbach. Dabei ist er – bis auf die Mini-Kicker und Alten Herren – in jeder Mannschaft zum Einsatz gekommen. „Aber die Alten Herren kommen noch, dieses Loch kann ich noch stopfen”, stellt er schmunzelnd klar.

Allerdings machen seine Knochen nicht mehr so mit, wie er es sich wünscht. Mit Mitte 20 mehrten sich seine Verletzungen. Vor allem machte ihm seine Schulter zu schaffen, nachdem er sich auf der linken Seite mehrere Bänder gerissen hatte. „Ich bin dann nie mehr so richtig auf die Beine gekommen”, gibt er zu. Daher hat der frühere Mittelstürmer mittlerweile auch seine aktive Laufbahn im Seniorenbereich beendet und hat sich ganz auf die sportliche Leitung des Kreisliga-Teams konzentriert. Dabei denkt er nur zu gerne an die vielen Augenblicke zurück, die er in seiner Laufbahn beim TuS erleben durfte.

So wie zum Beispiel zu seinen A-Jugendzeiten, als er mit einer Sondergenehmigung als Jungjahrgang hochgeschrieben wurde und unter der Regie des damaligen Trainers Dirk Eickhoff bei seinem ersten Spiel in der Ersten am Busch in Heessen gleich zwei Treffer erzielte. Oder in der Jugend, als er bei einem 8:0-Sieg mit Lohauserholz gleich sieben Tore beisteuerte. „Das Lustige ist aber, dass das achte Tor von einem anderen Spieler ein herrlicher Schuss in den Winkel war. Darüber wird bei uns am Platz noch heute gesprochen, aber nicht über meine sieben Dinger”, sagt Schimmler. Aber auch an die Derbys gegen den Nachbarn aus Wiescherhöfen erinnert er sich nur zu gerne. Vor allem an ein Aufeinandertreffen, bei dem das Team von der Wielandstraße zur Pause bereits mit 3:1 führte, Lohauserholz die Partie nach dem Wechsel aber drehte und am Ende durch drei Schimmler-Tore mit 4:3 triumphierte.

Unvergessen ist für ihn auch das Vorrundenfinale des Warsteiner Masters 2011, als die TuS-Reserve den damaligen NRW-Ligisten Westfalia Rhynern völlig überraschend mit 6:4 besiegte und damit auf direktem Wege in die Endrunde einzog. „Das war damals unter unseren Trainer Franke und Torsten Skerra. Wir sind in dem Jahr sogar Herbstmeister in der Kreisliga A geworden, haben den Aufstieg in die Bezirksliga nur knapp verpasst”, sagt er. Am wichtigsten ist es ihm aber, dass er durch das Fußballspielen beim TuS mit Bastian Schulte einen Freund fürs Leben gefunden hat, der auch sein Trauzeuge war: „Seit der F-Jugend haben wir zusammen gespielt. Und so etwas hat doch viel mehr Wert als mal irgendwo 80 Euro Siegprämie zu bekommen.”

Die Zeiten, in denen Schimmler selbst dem Leder nachjagt und Tore wie am Fließband für den TuS erzielt, sind vorbei. Damit hat er sich mittlerweile genauso abgefunden wie mit der Tatsache, dass er überhaupt nicht in dem Job arbeitet, den er mal studiert hatte. Nach seinem Abitur hatte er sich für ein BWL-Studium entschieden, aber schnell gemerkt, dass das nichts für ihn ist. „Ich habe dann auf Politikwissenschaft umgesattelt und fand das auch echt spannend”, betont er. Doch als er sein Pflichtpraktikum in der Landesgeschäftsstelle der Grünen in Düsseldorf absolvierte, schloss er mit diesem Thema, nachdem er das Studium noch mit dem Bachelor abgeschlossen hatte, ab. „Diese Zeit da hat mir jegliche Lust auf das politische Tagesgeschäft genommen.” Und da gleichzeitig eine Recyclingfirma am Hafen in Hamm, bei der sein Vater als Prokurist arbeitete, Verstärkung im Büro suchte, entschied sich Schimmler 2013, dort einzusteigen und verdient dort seitdem als Kaufmännischer Angestellter seine Brötchen.

Seine sportlichen Meriten verdiente er sich nach seiner Jugendzeit zuerst in der ersten Mannschaft des TuS, nach zwei Jahren wollte Rainer Franke die „Zweite” neu aufbauen und fragte für den Neustart in der Kreisliga C auch bei Schimmler nach, ob er Lust hätte, bei diesem Projekt dabei zu sein. „Mir war es am wichtigsten, Spaß bei der ganzen Sache zu haben”, betont der Angreifer und gab daher seine Zusage. „Wir hatten dann eine Truppe mit vielen Freunden von mir zusammen. Wir sind von ganz unten bis in die Kreisliga A durchmarschiert, hätten sogar fast den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft. Das war eine super Zeit.”

Zwar hatte Schimmler oft Anfragen von anderen Vereinen, hätte auch höherklassig spielen können. Doch er wischte alle Angebote meist umgehend vom Tisch. „Hier habe ich all meine Kumpels. Ich wüsste nichts, was mich zu einem anderen Verein ziehen sollte”, erklärt er. Und so war es für ihn auch selbstverständlich, dass er mit ins Trainerteam einstieg – zuerst an der Seite von Orhan Secer als spielender Co, dann gleichberechtig zusammen mit Klodian Kola, jetzt als alleinverantwortlicher Chefcoach der Reserve.

Und so gibt Schimmler, der auch noch als stellvetretender Fußball-Abteilungsleiter beim TuS eingebunden ist, an seine Mannschaft das weiter, was er früher als Spieler schon sehr genossen hat. „Ich bin eher der Kumpeltyp, lasse die Jungs an der langen Leine. Das sind alles charakterstarke Spieler, mit denen es viel Spaß macht. Als Reserve kann man nicht viel bieten, außer vielleicht einen Trainingsanzug. Und eben einen tollen Zusammenhalt. Das ist ein Hobby, das Spaß machen muss”, sagt er und übt daher nicht viel Druck auf seine Schützlinge aus, überfrachtet sie nicht mit taktischen Vorgaben. „Fußballerisch klappt es manchmal nicht so ganz optimal. Aber das ist egal. Die Jungs kommen alle mit viel Freude zum Training. Da denkt keiner über Siegprämien nach.”

Schimmler hat übrigens in seinem Fußball-Herz noch Platz für einen zweiten Lieblingsverein: Er ist glühender Fan von Borussia Dortmund, war früher regelmäßiger Stadiongänger und kann sich noch gut an den 14. März 2005 erinnern. „Das war mein 18. Geburtstag. Und der Tag der Gläubigerversammlung. Als ich da morgens zur Schule gegangen bin, wusste ich nicht, ob mein Verein am Nachmittag noch weiter in der Bundesliga spielt oder pleite ist”, sagt er. Doch letztlich ging diese spannende Geschichte genauo gut aus wie die mit seiner Frau am Grand Canyon.

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