Alina Mühlenjost will in den A-Kader schwimmen

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Mit Finalhoffnungen zur EM ins russische Saransk: Alina Mühlenjost.

HAMM -  Bei den Deaflympics gab Alina Mühlenjost im vergangenen Jahr ihr Debüt auf der großen Sportbühne. Was sie in Bulgarien knapp verpasste, könnte die 16-jährige Schwimmerin des SV Heessen 1950 nun bei der am Montag beginnenden EM der Gehörlosen schaffen: den Sprung in die Medaillenränge. Und in den deutschen A-Kader, der die Chance auf eine WM-Teilnahme eröffnet. Allerdings sind Mühlenjosts Hoffnungen gedämpft.

„Ich bin einfach froh, dabei zu sein“, sagt die Heessenerin wenige Tage vor der Abreise ins russische Saransk. Was klingt wie die Höflichkeitsfloskel eines Oscar-Nominierten, hat bei der Schülerin einen ernsten Hintergrund, denn bis vor wenigen Wochen war es völlig unsicher, ob Mühlenjost nach einer langwierigen Verletzung überhaupt die geforderten Normzeiten schaffen würde.

Die Zeit der Unsicherheit begann im Sommer des vergangenen Jahres. Als Mühlenjost nach Deaflympics und Sommerpause wieder voll ins Training einsteigen wollte, schmerzte ihr Knie, was bei einer Brustschwimmerin besonders ins Gewicht fällt. Die ersten Diagnosen der Ärzte (Kreuzbandriss) waren falsch, die Schmerzen blieben. Es dauerte bis November, ehe die Uni Münster die wahre Ursache für die Schmerzen fand: angewachsenes Fettgewebe im Knie. Die Probleme waren nach dem schnellen Eingriff zwar beseitigt, doch ehe Mühlenjost ins Training einsteigen konnte, wurde es Januar. Es dauerte noch weitere Wochen, bis sie wieder voll belastbar war. „Die ersten Trainingsstunden im Winter waren hart. Ich habe daran gezweifelt, dass es für die EM reicht“, sagt die 16-Jährige.

Und auch ihr Trainer Klaus Voß hatte zunächst leichte Zweifel: „Wir mussten zu Beginn des Jahres von vorne anfangen. Alina fehlten viele Monate im Becken und damit viele Tausend Trainingsmeter. Jetzt ist ist sie wieder auf dem Stand, auf dem sie vor der Verletzung war.“ Ohne die Knie-Probleme wäre Mühlenjost jetzt auf einem höheren Level als vor Jahresfrist. „Alina würde sicherlich mit größeren Hoffnungen und größeren Chancen zur EM fahren, wenn sie nicht verletzt gewesen wäre“, glaubt Vater Thorsten Mühlenjost, der seine Tochter nach Saransk begleiten wird. „Von der Kraft her geht es mir besser als Anfang des Jahres, aber konditionell ist es noch nicht so richtig gut“, so Mühlenjost.

Am Freitag beginnt die beschwerliche Reise des neun Athleten großen deutschen Schwimmkaders: Erst geht es nach Frankfurt, von da per Flugzeug nach Moskau, dort mit Hilfe einer Delegation des russischen Gehörslosenverbandes weiter mit dem Nachtzug ins gut 700 Kilometer südöstlich gelegene Saransk, gefolgt von einer einstündigen Busfahrt zum Austragungsort. „Das wird spannend“, sagt Thorsten Mühlenjost. Immerhin: Das Ambiente einer Großveranstaltung kennt seine Tochter mittlerweile: „Bei den Deaflympics war das noch ungewohnt. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Jetzt habe ich ein besseres Gefühl“, sagt sie. Fünf Mal geht sie von Montag bis Freitag in Saransk ins Wasser, hinzu kommen drei bis vier Staffelstarts, sofern diese nicht mit möglichen Finalteilnahmen in den Einzelkonkurrenzen kollidieren, denn die haben Vorrang. Gleich am ersten Tag rechnet sich Mühlenjost gute Chancen aus, ins Finale zu kommen, denn auf dem Programm steht ihre Paradestrecke 50 Meter Brust. Es folgen weitere Starts über 100 m Brust, 50 und 100 m Schmetterling sowie 50 m Freistil.

„Ich möchte wenigstens einmal ins Finale kommen. Das ist mein Ziel“, sagt Mühlenjost. Das hat einen Grund: Denn wer den Endlauf erreicht, rückt in den deutschen A-Kader. Und wer dem angehört, hat die Chance, im kommenden Jahr bei der Weltmeisterschaft in Dublin zu starten. Vorausgesetzt, die Normzeiten werden erfüllt. „Bei der EM ins Finale zu kommen, wäre ein großer Schritt auf dem Weg zur WM“, glaubt Mühlenjost, die von einem Medaillengewinn jedoch nicht reden möchte. Denn die Konkurrenz vor allem aus Russland, Weißrussland und der Ukraine ist schnell, und hinter Mühlenjost liegt ein Jahr zum Vergessen. Vielleicht aber eines mit erfreulichem Ende. - sst

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