ASV Hamm-Westfalen

Alex Rubino Fernandez - ohne Plan B für den Handball

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Alex Rubino Fernandez

Der Spanier Alex Rubino Fernandez träumt beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen von einer Profi-Karriere.

Hamm - Es ist Montagnachmittag. Eine lockere Trainingseinheit steht beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen an. Nach zwei Kraft raubenden Partien in Pokal und Liga hat Trainer Kay Rothenpieler eine Fußball-Einheit versprochen. 

Alex Rubino Fernandez zieht verstohlen den Reißverschluss seiner Trainingsjacke nach unten, so dass ein Trikot von Borussia Dortmund darunter sichtbar wird. Der Spanier deutet auf das Shirt. „Hab ich extra für heute angezogen. Ich mag Borussia Dortmund“, sagt er lächelnd.

Die eigentliche Liebe des Spaniers, der am 6. November 19 Jahre alt wird, ist aber der Handball. Und um sich in seinem Sport zu verbessern, hat er sein Heimatland vor etwas mehr als einem Jahr verlassen. Seine erste Station in Deutschland: der nächste ASV-Gegner, Tusem Essen. Entsprechend freut sich Fernandez auf das Topspiel in der 2. Liga am Freitag bei seinem Ex-Klub (19.30 Uhr/Sporthalle Am Hallo) – auch wenn er dort nur in der Jugend zum Einsatz gekommen ist. „Ich habe aber immer mit der ersten Mannschaft trainiert“, sagt der Nachwuchsmann.

160 Tore in 22 Spielen

Viele Krafteinheiten standen da auf dem Programm für den jungen Rechtshänder, der in der A-Jugend-Bundesliga in 22 Spielen 160 Treffer für Tusem erzielte und in der Statistik drittbester Torschütze der Liga wurde. „Da ist es gut gelaufen“, war der Spanier mit seinem ersten Jahr in Deutschland zufrieden.

Auch in Hamm trainiert er mit der ersten Mannschaft, aber „normalerweise spiele ich in der Oberliga“, sagt er. „Und immer, wenn Kay sagt, er braucht mich, dann bin ich dabei. Ich weiß aber, dass wir zwei sehr gute Linksaußen haben – dass ich warten muss.“

Geboren ist Fernandez in der Nähe von Bilbao, „aufgewachsen bin ich aber in Barcelona“, sagt er. „Da wohnt meine Familie immer noch.“ Genau genommen 15 Minuten vor den Toren der Stadt in Sant Cugat del Vallès. Drei Jahre hat er in der Jugend des FC Barcelona gespielt, ehe er sich für weitere zwei Spielzeiten Sant Cugat anschloss, um dann den Schritt nach Deutschland zu wagen. „Es gibt zwei Gründe dafür“, sagt der 18-Jährige. 

„Zum einen wollte ich in einer der besten Ligen der Welt spielen“, sagt er. „Ich denke, die zweite Liga hat ein Top Level – besser als in Spanien. Da hat die zweite Liga das Niveau von der dritten in Deutschland. Und die erste das Niveau der zweiten hier. Und zum anderen glaube ich, dass es gut für meine Zukunft sein wird, eine neue Sprache zu lernen.“ Mit der hapert es im Moment noch. Doch um Abhilfe zu schaffen, hat Fernandez in Hamm einen Kursus an der Volkshochschule belegt.

Ein Treffer im Zweitligateam

Überhaupt ist Lernen das Stichwort für den Linksaußen. Vor allem in seinem Sport. „In Deutschland will ich jeden Tag arbeiten, mein Handball, meine Fertigkeiten verbessern und versuchen, mehr in der ersten Mannschaft zu spielen“, sagt er. Das hat zumindest sporadisch schon für ein paar Minuten geklappt – und beim 29:17-Erfolg gegen den TV Emsdetten gelang ihm sogar sein erstes Tor für das Zweitligateam.

In der zweiten Mannschaft trifft er dagegen regelmäßig – zuletzt sieben Mal beim 47:27-Kantersieg beim Oberliga-Schlusslicht Bielefeld/Jöllenbeck.

Seine Wohnung in Hamm ist nur wenige Fahrrad-Minuten von der Arena entfernt. Dort lebt er mit Torhüter Jan Wesemann zusammen, der auch zum erweiterten Kreis der Bundesliga-Mannschaft gehört. „Normalerweise bin ich zuhause, wenn ich nicht Handball spiele. Ich lese in meiner Freizeit, gucke TV-Serien“, sagt er. „Wir gehen einkaufen, kochen zusammen.“ Zwei Bücher liest er momentan parallel: eines über gesundes Kochen und das andere „La tercera Ola“ (Die dritte Welle) des US-Amerikaners Alvin Toffler über das vergangene Jahrhundert. „Etwas Geschichtliches“, sagt er.

Möglichst Profi werden

Die Zukunft lässt er dagegen auf sich zukommen. Einen Plan B hat er nicht. „Ich habe mir kein Limit gesetzt“, sagt der Rechtshänder. „Im Moment will ich Handball auf einem guten Level spielen, möglichst Profi werden“, sagt er. „Dafür muss ich natürlich noch viel lernen.“

Dazu hat er zumindest in dieser Saison Zeit – und möglicherweise auch noch in der nächsten. Denn sein Vertrag läuft über ein Jahr mit der Option auf ein weiteres. „Wenn der Verein mich ein zweites Jahr behalten möchte, würde ich natürlich gerne den Sprung in die erste Mannschaft schaffen – vielleicht so, wie Jan Pretzewofsky, der in dieser Saison in beiden Mannschaften spielt.“

Mittendrin zu sein, statt nur dabei, ist das Ziel des 19-Jährigen, der das Tempospiel ebenso mag wie die Defensive. „Wenn du da deinen Job gut machst, ist das auch spannend“, sagt Fernandez, der mit Champions-League-Sieger RK Vardar Skopje ausNord-Mazedonien einen neuen Lieblingsklub gefunden hat. „Die Spieler haben irgendwann kein Geld mehr bekommen aber das war denen egal. Sie haben weiter gearbeitet und den Pokal gewonnen – ohne an das Geld zu denken.“

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