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Ärger in Hamm über 42 Oberliga-Spieltage: "Das ist doch völlig realitätsfern"

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Im Winter häufig nicht bespielbar: Der Papenloh des SV Westfalia Rhynern.

Begeisterung und Vorfreude auf die neue Saison nach der lange Pause hören sich anders an. Das Mammutprogramm der Fußball-Oberliga sorgt für Ärger.

Hamm - „Wir fügen uns dem, was demokratisch abgestimmt wurde. Aber 40 Spiele in der Meisterschaft plus die Partien im Pokal sind schon eine Hausnummer“, sagt Dirk Blumenkemper, Vize-Präsident und Fußball-Abteilungsleiter der Hammer SpVg. Und auch beim Ortsnachbarn in Rhynern sind die Verantwortlichen alles andere als glücklich mit der am Montag verkündeten Entscheidung, dass die Oberliga mit ihren 21 Mannschaften trotz der immer noch herrschenden Corona-Pandemie in einer Hin- und Rückserie ausgetragen werden soll. „Schon in einer normalen Saison sind 42 Spieltage grenzwertig. Aber so etwas jetzt in Zeiten von Corona ist doch völlig realitätsfern“, schüttelt Rhynerns Vorsitzender Arnulf Kleine fassungslos den Kopf.

Bei einer schriftlichen Abstimmung hatten sich 13 Vereine für die Lösung mit einer kompletten Saison ausgesprochen, acht Vertreter stimmten dagegen für eine einfache Hinrunde mit anschließenden Auf- und Abstiegspartien. „Wir hätten es sehr charmant gefunden, wenn die Liga nach regionalen Gesichtspunkten in zwei Gruppen aufgeteilt worden wäre und es anschließend eine Play-off- und Play-down-Runde gegeben hätte. Das hätte nicht nur Reisekosten gespart, sondern auch einige Derbys mit sich gebracht“, sagt Blumenkemper, fügt aber zähneknirschend hinzu: „Aber diese Option kam leider nicht zur Abstimmung.“

HSV kann den Kunstrasen nutzen

So bleibt sowohl der HSV als auch dem SV Westfalia nichts anderes übrig, als die enorme Herausforderung mit 42 Spieltagen und 40 Partien anzunehmen – wobei es den Rot-Weißen aus dem Hammer Osten weitaus leichter fallen wird, die 20 Heimspiele auszutragen als den Rhyneranern. „Sicherlich werden die Jungs in einigen Wochen auf dem Zahnfleisch gehen angesichts der vielen englischen Wochen. Aber wir haben den Kunstrasenplatz am Jahnstadion als Ausweichplatz. Das Ambiente ist da zwar gleich Null, aber wir können da zumindest spielen“, betont Blumenkemper.

Anders sieht es im Hammer Süden aus. Da es am Kunstrasenplatz am Tünner Berg keine Toiletten gibt, ist lediglich der Platz am Papenloh mit seinem Naturrasen für Oberliga-Spiele freigegeben. Wenn es im Herbst oder Winter aber viel regnen wird oder Frost in den Boden zieht, ist das Spielfeld des SV Westfalia bekanntermaßen sehr anfällig und selten nutzbar. „Wenn man bedenkt, dass die Winterpause nur vom 21. Dezember bis Ende Januar geht, wird es viele Nachholspiele unterhalb der Woche geben“, sagt Kleine und denkt dabei nicht nur an die Spieler, sondern auch an die vielen Helfer im Verein, die enorm gefordert sein werden: „Das Ehrenamt wird mit den Füßen getreten. Es sind doch meist ältere Leute, die als Ehrenamtler tätig sind und die uns bei den Spielen unterstützen. Aber diese Leute gehören zur Risikogruppe. Ich kann das alles nicht nachvollziehen.“

Kersting: "Eine Holzhackermethode"

Aber es ist nicht nur die Anzahl der Spiele, über die sich die Verantwortlichen aus Rhynern echauffieren. Sondern auch über den Umgang mit der Situation durch die Offiziellen des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW). „Warum gab es im Vorfeld der Videokonferenz am Sonntag keinen Meinungsaustausch? Dadurch gab es völlig unausgewogene Vorschläge, die da zur Abstimmung gegeben wurden“, sagt Kleine. Und Andreas Kersting, der Sportliche Leiter der Westfalia, wundert sich: „Es gibt doch weiter das Corona-Problem. Das ist ja nicht weg. Es ist doch derzeit nichts normal. Aber wir sollen eine ganz normale Saison spielen. Das ist doch eine Holzhackermethode nach dem Motto, ‚Es geht schon wieder, es wird schon funktionieren‘.“

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