Adem Cabuk und seine monatelange Leidenszeit

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An Fußballspielen ist derzeit nicht zu denken: Adem Cabuk (rechts) vom SV Westfalia Rhynern muss Ende des Monats erneut operiert werden.

HAMM - Adem Cabuk hat die Szene noch genau vor Augen. „Leider“, wie er sagt. Denn die Erinnerungen an diesen 30. November des vergangenen Jahres, als sich der Offensivspieler des Fußball-Oberligisten SV Westfalia Rhynern bei seinem Treffer zum 1:0 gegen SuS Neuenkirchen (3:0) schwer im Gesicht verletzte, sind überhaupt keine guten.

Von Patrick Droste

„Das hat damals höllisch weh getan. Das waren Schmerzen, die wünsche ich nicht einmal meinem ärgsten Feind“, sagt der 23-Jährige, der seitdem kein Fußballspiel mehr bestritten hat.

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Noch am gleichen Abend war er operiert worden. Denn Cabuk war bei seinem Kopfballtor von seinem Gegenspieler mit dem Fuß im Gesicht getroffen worden und hatte sich zahlreiche Brüche zugezogen: Die Augenhöhlen links und rechts, das Jochbein, die Nase und der Kiefer waren allesamt gebrochen, mussten wieder gerichtet und mit Metallplatten gestärkt werden.

„Das war wirklich schlimm“, erinnert sich Cabuk an die triste Zeit Ende November. „Mein Gegenspieler hatte mich damals nicht kommen sehen und hat mich dann voll getroffen. Immerhin hat er sich nachher bei mir entschuldigt.“

Die schlimmen Verletzungen trafen den Linksfuß, der im dritten Lehrjahr eine Ausbildung zum Automobilkaufmann absolviert, damals doppelt schwer. Er hatte nicht nur die starken Schmerzen, sondern er hatte sich auch gerade wieder ins Team gekämpft, einen Stammplatz ergattert, gegen Neuenkirchen seinen ersten Saisontreffer erzielt und wollte Teil der beeindruckenden Erfolgsserie seiner Mannschaft sein.

"Inzwischen juckt und kribbelt es schon ein bisschen"

„Ich war zu der Zeit richtig gut drauf und stand endlich wieder in der Startelf“, sagt er. „Aber das musste ich so teuer bezahlen.“

Ans Fußballspielen hat Cabuk, der im Sommer 2013 von RW Ahlen an den Papenloh gewechselt war, anfangs überhaupt nicht mehr denken wollen. Zum einen, weil es ihm mit den zahlreichen Platten im Gesicht von den Ärzten untersagt worden war. Zum anderen fühlte er sich auch psychisch dazu gar nicht in der Lage.

„Ich habe damals gedacht: Ich will nie mehr Fußball spielen“, sagt er – fügt dann aber hinzu: „Inzwischen juckt und kribbelt es schon ein bisschen. Ich freue mich, wenn ich in ein paar Wochen oder Monaten wieder dabei sein kann.“

Metallplatten werden in Dortmund endlich entfernt

Allerdings läuft im Sommer sein Vertrag bei den Rhyneraner aus, ob er also – wenn er wieder gesund sein wird – weiter am Papenloh auflaufen wird, ist derzeit noch völlig unklar. „Ich würde gerne hierbleiben“, sagt Cabuk, der Ende des Monats im Unfallkinikium Dortmund erneut unter das Messer muss.

Dann werden ihm die Metallplatten entfernt. „Das ist ein wichtiger Schritt für mich. Denn dadurch, dass die Schwellungen weg sind, rutschen die Platten immer ein wenig hin und her. Wenn die raus sind, kann ich endlich wieder laufen“, freut er sich.

"Starker Linksfuß mit einer tollen Schusstechnik"

Seine Rückkehr zur Mannschaft wird beim SV Westfalia jedenfalls schon sehnsüchtig erwartet. Aus sportlicher Sicht. Aber auch aus zwischenmenschlichen Gründen.

„Adem ist ein starker Linksfuß mit einer tollen Schusstechnik. Und er hat bei uns auch seine Torgefährlichkeit wiedergefunden. Er hat ohne Frage seinen teil dazu beigetragen, dass es bei uns so gut läuft. Umso bitterer war es für ihn und auch für die Mannschaft, dass fast alles zerstört wurde, was es im Gesicht so gibt“, sagt Trainer Björn Mehnert.

„Hinzu kommt, dass Adem es richtig lustiger Typ ist, der für jeden Spaß zu haben ist. Wir freuen uns immer alle, wenn er am Platz auftaucht und mal vorbeischaut.“

In Sachen Vertragsverlängerung kann und will Mehnert seinem Schützling keine allzu großen Versprechungen machen, verrät aber: „Er soll erst einmal wieder gesund werden. Dabei werden wir ihn begleiten und ihm helfen. Und wir werden sicher eine Möglichkeit finden, dass er wieder Fußballspielen kann. Wir werden in sicher nicht hängen lassen.“

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