Fußball

Hammer Spielvereinigung verliert Hauptsponsor - Rückzug von Hickmann

Nach dem angekündigten Rückzug von Achim Hickmann (links) muss sich die HSV um den Präsidenten Jürgen Graef (Mitte) und den Sportlichen Leiter Holger Wortmann finanziell neu aufstellen.
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Nach dem angekündigten Rückzug von Achim Hickmann (links) muss sich die HSV um den Präsidenten Jürgen Graef (Mitte) und den Sportlichen Leiter Holger Wortmann finanziell neu aufstellen.

Die Hammer SpVg steht vor einem der gravierendsten Einschnitte in ihrer Vereinsgeschichte. Der Fußball-Oberligist wird am Ende der laufenden Saison den Hauptsponsor verlieren.

Hamm – „Ich werde mich im Sommer zurückziehen“, bestätigte Achim Hickmann, der den Verein seit 2004 nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch hinter den Kulissen als mächtiger Mann in der Fußball-Abteilung die Fäden zieht.

In den vergangenen Monaten habe er auf Grund der Corona-Pandemie sehr viel Zeit gehabt, nachzudenken, berichtete Hickmann. „Es fand ja nichts mehr statt“, erzählte der Unternehmer. Inzwischen hätten die 16 Jahre seines Engagements Spuren hinterlassen. „Ich war ja nicht nur Sponsor. Wenn man Geld gibt, dann will man ja auch mitentscheiden. Das war schon eine enorme Belastung“, beteuerte der Mäzen, der den Traditionsverein aus dem Hammer Osten aber nicht ganz im Stich lassen wird. „Ich habe ja nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch immer die zweite Mannschaft mitfinanziert und die Jugend gefördert. In einem kleineren Umfang werde ich die HSV weiter unterstützen“, versprach der 62-Jährige.

Welche Auswirkung dieser Rückzug auf die Zukunft der Hammer SpVg haben wird, konnte Präsident Jürgen Graef mit Blick auf die unsicheren Corona-Zeiten nicht sagen. „Für uns ist das natürlich ein großer Verlust. Wir sind Achim Hickmann sehr dankbar, ohne den es hier in den vergangenen Jahren keinen Oberliga-Fußball gegeben hätte. Auch für die Infrastruktur auf unserer Anlage hat er sehr viel getan. Er wird hier eine Lücke hinterlassen, die nur schwer zu schließen sein wird“, betonte Graef. Schließlich trägt auch das Stadion den Namen eines Hickmann-Unternehmens

. Ob es weiter 24nexx-arena heißen wird, ist aber noch ungewiss. „Die Entscheidung liegt allein beim Verein. Ich hätte den Namen hergeben, wenn jemand gekommen wäre, der mehr dafür gezahlt hätte“, beteuerte Hickmann. Die HSV würde sich, so Graef, bereits seit einiger Zeit intensiv darum bemühen, neue Sponsoren zu gewinnen. „Es ist allerdings derzeit nicht einfach, die heimischen Firmen anzusprechen. Die haben wegen der Pandemie meist selbst große Probleme“, erklärte der Vereins-Präsident.

Graef erinnert daran, dass Hickmann am Ende des Jahres 2004, kurz nachdem er den Vorsitz bei der HSV übernahm, als Sponsor bei den Rot-Weißen eingestiegen sei. Damals noch mit einer größeren Summe, die er dem Verein als Saisonetat zur Verfügung stellte. Der Millionär war einst mit dem Ziel angetreten, den Verein in die Regionalliga zu führen. Was allerdings nie gelang. „Zweimal waren wir ganz dicht dran“, erinnerte sich Hickmann. „Doch wenn man ehrlich ist, dann wären wir vermutlich sofort wieder abgestiegen. Diese Klasse hätten wir ohne weitere Sponsoren einfach nicht stemmen können.“ Hickmann schraubte sein finanzielles Engagement in den vergangenen Jahren von Jahr zu Jahr immer weiter zurück. Zahlen wollte er in diesem Zusammenhang nicht nennen. „Doch ich ziehe den Hut vor einem Mann wie Chiquinho, der es hier in den vergangenen Jahren als Sportlicher Leiter mit sehr bescheidenen Mitteln geschafft hat, eine Oberliga-Mannschaft zusammen zu stellen“, beteuerte der Unternehmer. Ähnlich äußerte er sich über den ehemaligen HSV-Trainer Rene Lewejohann, den aktuellen Coach Steven Degelmann und den neuen Sportlichen Leiter, Holger Wortmann. „Dass sie trotz des geringen Etats diese Herausforderung überhaupt angenommen haben, kann man nicht hoch genug bewerten.“

Frust, die Ziele nicht erreicht zu haben, habe bei seiner Entscheidung, sich zurückzuziehen, keine Rolle gespielt. „Wohl ein wenig Enttäuschung“, meinte Hickmann. Dass sich unter seiner Regie das Personalkarussell im Hammer Osten ständig gedreht habe, sei nicht allein seine Entscheidung gewesen: „Die Trainer haben ihre Wünsche geäußert. Ich habe nur versucht, diese umzusetzen.“ Praktisch nach jeder Saison hat es unter seiner Regie bei der HSV einen großen personellen Umbruch gegeben. Einschließlich Degelmann waren seit 2004 in 16 Jahren insgesamt 19 (!) Trainer beim Oberligisten tätig.

In Zukunft wird die Hammer SpVg in sportlicher Hinsicht erst einmal kleinere Brötchen backen müssen. Verantwortlich für die Planung wird Holger Wortmann sein, der schon bei seiner Verpflichtung vor einigen Wochen von Hickmann über den geplanten Rückzug informiert wurde, deshalb genau wusste, welch schwere Aufgabe er übernehmen wird. Nachdem den Rot-Weißen nach dem Abbruch der vergangenen Saison wegen Corona im März der Klassenerhalt auch ohne Sieg bei nur fünf Punkten geschenkt wurde, droht jetzt in der wieder unterbrochenen Meisterschaftsrunde 2020/21 erneut der Abstieg aus der fünfthöchsten Fußball-Klasse. „Keiner weiß im Moment, wie es weiter geht“, erklärte Wortmann, der aber keine weiteren Geschenke erwartet. „Ich gehe einmal davon aus, dass der Verband alles daran setzen wird, die Hinrunde zu Ende zu spielen, damit die Saison gewertet werden kann“, sagte der Sportliche Leiter. Dass die Mannschaft derzeit wieder am Tabellenende stehen würde, läge auch daran, dass sie bisher fast ausschließlich gegen die Spitzenteams angetreten sei. „Wir können allerdings nicht garantieren, dass wir bei der Fortsetzung der Runde des Tableau von hinten aufrollen werden“, meinte Wortmann, der die Hoffnung nicht aufgegeben hat. „Wir werden alles versuchen, um die Oberliga zu erhalten und auf keinen Fall etwas abschenken“, versicherte Wortmann.

Trotz der ungewissen Zukunft will er die Weichen so schnell wie möglich stellen, vor allem, was die Trainerfrage und das Personal angeht. Zeitnah will Wortmann deshalb die ersten Gespräche führen. „Wenn es nach mir geht, würde ich die Zusammenarbeit mit Trainer Steven Degelmann gerne fortsetzen“, erklärte der Sportliche Leiter.

So oder so wird der Hickmann-Rückzug bei der HSV einen weiteren Umbruch nach sich ziehen. Auf dem Platz und hinter den Kulissen wird es spannende Wochen geben.

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