Radsport

Aaron Grosser sieht die Karriereplanung in Gefahr

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Aaron Grosser im Training: Auf das nächste Rennen muss der Hammer Radsportler vorerst warten.

Aaron Grosser hat sich nach einer siebenmonatigen Zwangspause gerade erst wieder herangekämpft. Nun aber trifft die Pause durch das Coronavirus den Hammer Radsportler hart.

Hamm - Gerade erst war er nach seiner siebenmonatigen Zwangspause wieder ins Renngeschehen eingestiegen, hatte die ersten kleinen Schritte zurück zu seiner alten Form gemacht – und wird nun durch das Coronavirus gestoppt, das sogar seine ganze Karriereplanung über den Haufen werfen könnte. „Körperlich geht es mir wieder richtig gut. Aber vom Kopf her nicht“, gibt Aaron Grosser, 23 Jahre alter Hammer Radrennfahrer im Diensten des deutschen Teams Bike Aid, unumwunden zu.

Nachdem er sich im Juni des vergangenen Jahres bei einem Rennen in Frankreich das Schienbein gebrochen hatte, hatte er sich in den zurückliegenden Monaten mit viel Ehrgeiz zurückgekämpft, wollte an die starken Erfolge aus dem Frühling 2019 anknüpfen und sich endlich seinen Traum von einem Platz in einem Topteam erfüllen. Doch jetzt macht ihm Covid–19 wohl einen dicken Strich durch die Rechnung. „Im schlimmsten Fall kann mich dieses Virus meine Karriere kosten“, sagt Grosser. „Wenn wir bis August keine Rennen fahren, dann werden die Teams keine Neuverpflichtungen tätigen, sondern dann werden die Fahrer, die bereits unter Vertrag stehen, eine neue Chance bekommen. Darüber bin ich mir im Klaren. Ich kann derzeit nur abwarten.“

Direkt wieder im Rennmodus

Aber nur Warten und Däumchen drehen ist nicht das Ding des ehrgeizigen Hammers. Das hatte er schon im vergangenen Jahr bewiesen, als er nach seinem schlimmen Rennunfall sein Comeback im höchsten Tempo vorangetrieben hatte und sich in diesem Jahr bei den ersten Wettkämpfen schon wieder in beachtlicher Form präsentiert hatte. „Ich war vom Kopf her absolut bereit und direkt wieder im Rennmodus“, sagt er. So verhalf er seinem Teamkollegen Lucas Carstensen bei Rennen in der Türkei zweimal zu einem Podestplatz, als er für ihn den Sprint vorbereitete. Und beim Eintagesrennen „Grote rijs Jean-Pierre Monseré“ in Belgien über 197 km trotzte er dem Dauerregen sowie den kalten Temperaturen und fuhr schon wieder auf den elften Rang vor.

Umso größer war nach diesen ersten Erfolgen seine Vorfreude auf die nächsten Rennen. Am vergangenen Sonntag sollte er in Frankreich starten und dann bei einer fünftägigen Rundfahrt in Portugal, von wo es direkt weiter nach Südostasien zur sechstägigen Tour of Thailand gehen sollte. Aber nachdem der Sport- und damit auch der Rennbetrieb für Radfahrer eingestellt worden ist, musste Grosser in den bitteren Apfel beißen und die wahrscheinlich mehrwöchige Pause in Kauf nehmen. „Natürlich lässt sich durch den Rennstop im Kleinen immerhin ein Beitrag für die Verlangsamung der Verbreitung des Virus leisten. Und gleichzeitig ist es auch ein präventiver Schutz für das Team und alle Fahrer. Aber wie ich mich fühle, kann sich jeder denken. Das ist echt alles andere als leicht für mich“, sagt er. „Keiner weiß, wann wir wieder Rennen fahren können. Und dabei wären Renntage für mich nach der langen Verletzungspause einfach megawichtig. Jeder Renntag, der mir flöten geht, ist eine Niederlage für mich.“

Alleine durchs Sauerland

Daher bleibt ihm derzeit nichts anderes übrig, als das zu tun, was er in den vergangenen Monaten nach seiner Verletzung gemacht hat: alleine seine Runden durch das Sauerland oder um Hamm herum zu drehen. „Aber ich mache das derzeit recht entspannt, ohne Intervalle und so“, betont er. „Es ist für mich einfach wichtig, Rad zu fahren. Dann bekomme ich meinen Kopf frei. Ich muss da jetzt durch, auch wenn es verdammt hart ist.“

Wie lange er allerdings in der freien Natur noch in die Pedalen treten kann, weiß er auch nicht. Sollte es auch in Deutschland eine Ausgangssperre geben, bliebe ihm als einzige Möglichkeit das Training auf der Rolle in der Garage oder im heimischen Garten. Denn eines steht für Grosser fest: Aufgeben ist für ihn keine Option. Er will an dem Tag, wenn er und seine Radfahrkollegen wieder grünes Licht für Rennen bekommen, auf den Punkt topfit sein. „Ich möchte dann direkt einsatzbereit sein“, sagt er, ohne zu wissen, ob er bereits in drei, vier Wochen oder erst in vier, fünf Monaten wieder Rennen fahren wird. „Das ist ein schmaler Grat. Ich muss mich für einen Tag X fit halten, wobei ich keine Ahnung habe, wann dieser Tag X kommen wird. Aber wenn der Tag X dann da ist, werde ich wieder voll angreifen.“

Denn sein Traum lebt. Und den will er sich nicht durch einen Virus zerstören lassen.

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