Radsport

Aaron Grosser kann endlich wieder ein Rennen fahren

Debüt im neuen Trikot: Aaron Grosser, Rennradfahrer aus Hamm.
+
Debüt im neuen Trikot: Aaron Grosser, Rennradfahrer aus Hamm.

Radfahren geht immer. Auch in Corona-Zeiten. An der nötigen Fitness wird es Aaron Grosser also nicht mangeln.

Hamm - Rennenfahren war während der Pandemie allerdings lange nicht möglich. Der 24-jährige Hammer hat sich nun schon seit anderthalb Jahren nicht mehr mit der Konkurrenz auseinandergesetzt. Am Sonntag hat das Warten ein Ende. Grosser startet in Eschborn bei einem Qualifikationsrennen für die Deutsche Meisterschaft der Elite-Amateure.

Zugleich ist die Rückkehr ins Renngeschehen ein Debüt. Erstmals wird Grosser das Trikot seines Teams Rolinck Racing Steinfurt überstreifen. „Ich hoffe, dass das jetzt regelmäßiger der Fall sein wird“, sagt er.

Vor einem Jahr für die Ausbildung entschieden

Im August vergangenen Jahres hatte sich Grosser von seinen Profi-Träumen verabschiedet. Rückblickend sagt er: „Es war die richtige Entscheidung. Ich bin mit mir im Reinen.“ Der Hammer hatte 2016 einen Vertrag beim Profirennstall Team Sauerland NRW unterschrieben, machte mit Top-Platzierungen wie Rang sechs bei Rund um Köln, einem siebten Platz bei der Deutschland-Tour und der Bronzemedaille bei der U23-DM auf sich aufmerksam. Mit seinem Wechsel zum Team Bike Aid erhoffte sich Grosser mehr internationale Einsätze, sammelte sieben Podiumsplätze, wurde Zweiter bei der Vier-Tages-Rundfahrt Belgrad – Banjaluka und feierte auf der Tour de Mersin in der Türkei seinen ersten Profisieg. Die Belohnung: Die Aussicht auf einen Praktikumsplatz beim World-Team Katusha Alpecin.

Ein Schienbeinbruch, den sich Grosser Ende Juni 2019 bei einem Sturz bei der Rundfahrt La Route d’Occitanie in Frankreich zugezogen hatte, beendete den Traum aber jäh. Grosser steckte nicht auf, arbeitete nach vier Operationen am Comeback – doch dann kam Covid-19. „Ich hatte gleich das Gefühl, dass das keine kurzfristige Geschichte sein würde“, sagt Grosser. Er wog ab, ob der Traum von Tour, Giro und Co. noch realistisch ist. Grosser entschied sich für einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann. Heute sagt er: „Der Job macht mir jeden Tag Spaß.“

„Ich bin auf jeden Fall in guter Verfassung“

Ganz aufgegeben hat er das ambitionierte Radfahren aber nicht. Grosser schloss sich dem Team Rolinck Racing Steinfurt an. Jetzt sitzt er zwar nicht mehr wie früher bis zu 30 Stunden pro Woche im Sattel, trainiert aber weiterhin 12 bis 15 Stunden wöchentlich. Dass er Corona bedingt meist alleine unterwegs war und bislang kaum Zeit mit den neuen Teamkollegen verbracht hat, sei kein Problem. „Auch früher war ich oft alleine beim Training. Ich bin auf jeden Fall in guter Verfassung“, sagt der 24-Jährige. „Ich möchte mir selbst beweisen, dass ich auf hohem Niveau Amateurrennen fahren kann.“ Im Familienurlaub an der Ostsee arbeitete er zuletzt am Feinschliff für Sonntag, absolvierte täglich bis zu 3,5 Trainingsstunden. Taktisch sieht er sich für das Comeback jedoch im Nachteil: „Die meisten Teams werden mit bis zu zehn Fahrern vor Ort sein. Wir sind nur zu dritt.“

Zudem ist das Rennen ein sogenanntes Kriterium. Die 76 km führen über 80 Runden. Alle acht Runden werden Punkte verteilt. „Häufig bin ich dieses Format noch nicht gefahren“, sagt Grosser. Die besten 20 der insgesamt 100 Teilnehmer qualifizieren sich genau wie bei den vier weiteren Qualifikationsrennen für das Finale am 29. August in Mainz. „Das möchte ich erreichen“, sagt der Hammer. „Ich werde allerdings nicht von mir verlangen, direkt zu gewinnen.“ Grosser setzt eine andere Priorität: „Nach so langer Zeit wird es sicher ein nervöses Rennen. Alle wollen sich zeigen. Da gilt es vor allem, heile ins Ziel zu kommen.“ Den schweren Sturz von vor zwei Jahren hat er abgehakt – jetzt soll ihm der Radsport vor allem Spaß bereiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare