Radsport

Das sagt Grosser nach seinem Horror-Sturz

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Aaron Grosser wird in den nächste Wochen erst einmal nicht mehr im Rennradsattel sitzen können. Nach seinem Sturz in Frankreich und dem Bruch seines Schienbeines muss er eine mehrwöchige Zwangspause einlegen.

Nach seinem bösen Sturz mit dem Bruch seines rechten Schienenbeins am Freitag bei der stark besetzten Rundfahrt La Route d’Occitanie hat der Hammer Radrennfahrer Aaron Grosser die rund einstündige Operation gut überstanden und wirft den Blick bereits wieder nach vorne.

Hamm/Toulouse – Aaron Grosser hat die Szene noch genau vor Augen: In der letzten Kurve vor der Zielgeraden hatte sich der 22-Jährige für den Schlussspurt eine optimale Position erkämpft, war als Siebter genau am Hinterrad des späteren Etappensiegers Arnaud Demare (FDJ). Da versuchte sich Lorrenzo Manzin vom Team Vital Concept an Grosser durch eine kleine Lücke vorbeizuschieben. „Da war eigentlich gar kein Platz“, wundert sich Grosser über die Fahrweise des Franzosen, durch den er zu Fall kam. „Ich bin mit meinem Lenker bei ihm hängenbeblieben.“

Grosser, der in der Linkskurve auf der rechten Außenseite gefahren war, stürzte und rutschte mit seinem Rad direkt in einen am Straßenrand einbetonierten Begrenzungspfosten. „Ich habe dann direkt gemerkt, dass da was nicht stimmt. Ich habe mein Bein nicht mehr gespürt. Und als ich mir das angeschaut habe, habe ich gesehen, dass da ein Knochen aus meinem Schienbein herausguckt und dass mein Fuß nach unten hängt. Und ich hatte auch heftige Schmerzen“, beschreibt Grosser die ersten Augenblicke nach seinem bösen Sturz.

Operation am gleichen Abend im Krankenhaus in Toulouse

Von allen Seiten strömten sofort Helfer herbei, die sich um ihn kümmerten. Auch der Krankenwagen ließ nicht lange auf sich warten und brachte ihn schnell in das Hospital Purpan nach Toulouse, wo er noch am gleichen Abend operiert wurde. Zuvor hatte er die Röntgenbilder noch seinem Trainer Robert Pawlowsky nach Deutschland geschickt, der schnell Kontakt zu einigen Spezialisten aufgenommen hatte, die sofort entschieden hatten, dass Grosser umgehend unter das Messer muss. 

Grosser hatte letztlich sogar noch Glück im Unglück, denn der Bruch war ein glatter, und die Muskulatur und Bänder hatten keinen Schaden genommen. Dennoch muss er eine Zwangspause von sechs bis acht Wochen einlegen, ehe er mit dem Aufbautraining beginnen kann. Sollte alles optimal verlaufen, will der Fahrer vom Team Bike Aid Ende Oktober wieder Rennen bestreiten, ohne dabei allzu große Ambitionen zu haben. „Dann geht es darum, wieder das Gefühl für Rennen zu bekommen. Richtig angreifen und um Siege fahren kann ich erst im nächsten Jahr“, sagt er.

Auch am Freitag war er auf dem besten Wege, zumindest auf das Treppchen zu fahren. Denn seine Position für den finalen Sprint war überaus gut, zudem fühlte er sich nach der schweren Bergetappe vom Vortag topfit und hatte noch genug Kraft, um sein Rennrad noch einmal auf der Zielgeraden auf Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen. „Ich denke, dass ich das Rennen unter den ersten Drei beendet hätte“, sagt Grosser zähneknirschend.

Teamkoordinator Schnapka: "Aaron war in absoluter Topform"

Und auch Matthias Schnapka, Teamkoordinator bei Bike Aid, meinte gegenüber radsport-news.com: „Das ist bitter für Aaron. Er war in absoluter Topform und heute hätte sein Tag werden können, nachdem ihn das Team viele Kilometer unterstützt und Mekseb Debesay ihn letztlich an vorderster Stelle in die entscheidende, schmale Ortsdurchfahrt manövriert hat. Das war kein Hinterherfahren, sondern ein Mitmischen in der Weltspitze.“

Zwar hat Grosser durch den Sturz keine Chance mehr, den erhofften Praktikumsplatz im Profiteam Katusha Alpecin zu bekommen. „Diesen Traum muss ich leider begraben“, meint er. Dennoch blickt Grosser mit großer Zuversicht seiner sportlichen Zukunft entgegen und glaubt weiter fest daran, dass er demnächst für eine Mannschaft der höchsten Kategorie fahren wird. „Ich denke, man hat gesehen, dass ich Talent habe und dass ich Erfolge einfahren kann“, meint der Hammer, der zuletzt bei der Tour de Hongrie gleich drei Top-10-Platzierungen gesammelt hatte und daher sagt: „Dieses erste halbe Jahr war für mich erfolgreicher als das ganze vergangene Jahr zusammen.“

Grosser kritisiert Veranstalter wegen fehlender Absicherung

Am Mittwoch soll er per Flugzeug zurück nach Deutschland gebracht werden, dann stehen erst einmal Erholung und Genesung an. „So hart das ist, bedeutet dies aber auch eine Auszeit vom Rennstress und die Möglichkeit, dem Körper und der Psyche viel Erholung zu bieten. Aaron war in der ersten Saisonhälfte bei einem dichten Rennkalender ständig auf Achse“, versuchte Schnapka, das Positive im Schlechten zu sehen.

Mut gemacht haben Grosser bereits jetzt die zahlreichen Genesungswünsche, die er über die verschiedenen Kanäle bekommen hat. Unter anderem hat ihm Jakob Schwabe vom Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen per Videobotschaft Mut zugesprochen. „Das hat schon sehr gut getan“, meint er und fügt mit viel Kampfeswillen hinzu: „Das ist ein kleiner Dämpfer gewesen. Aber jeder, der mich kennt, der weiß, dass ich wieder auf´stehe und noch stärker zurückkomme.“

Sauer auf den Franzosen, der ihn zu Fall gebracht hat, ist Grosser übrigens nicht. „Ich unterstelle ihm da keine Absicht. Im Finale ist das so“, sagt der Hammer, der vielmehr dem Veranstalter des Rennens in Frankreich einen Vorwurf macht. „Wir fahren da mit 60 Sachen um die Kurve. Und keiner dieser fünf Pfosten ist abgesichert. Das kann nicht sein“, schimpft Grosser.

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