Radsport

Aaron Grosser erhöht die Schlagzahl

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Aaron Grosser hat seinen Vertrag beim Team Bike Aid verlängert und bricht am Sonntag Richtung Mallorca zum ersten Trainingslager der neuen Saison auf.

Ende Juni war Aaron Grosser in Frankreich schwer gestürzt und hatte sich das rechte Schienbein gebrochen. Jetzt ist der 23 Jahre alte Radrennfahrer aus Hamm wieder fit - und will angreifen.

Hamm - Eine Badehose hat Aaron Grosser nicht eingesteckt. Obwohl er am Sonntag auf die beliebte Sonneninsel Mallorca fliegt. Aber zum Schwimmen wird er kaum Zeit finden. Dafür nimmt er sein Fahrrad, Ersatzteile, eine Pumpe und seine Sportbekleidung mit – und eine von seinem Arzt ausgestellte Extra-Bescheinigung.

„Dieses Attest muss ich wegen des Metalls in meinem Bein bei der Sicherheitskontrolle vorzeigen“, sagt Grosser. „Das ist zwar ein komisches Gefühl, aber letztlich macht mir das auch nichts aus. Ich blicke nur nach vorne.“ Noch immer hat er zwei Schrauben und einen rund 30 Zentimeter langen Nagel in seinem rechten Bein, die sein Schienbein fixieren, das er sich

auf der zweiten Etappe

der mit vielen Weltklasse-Fahrern besetzten Vier-Tages-Rundtour La Route d’Occitanie in Frankreich von Labruguière nach Martres-Tolosane gebrochen hatte.

Ab und zu schwillt sein Bein nach Belastungen noch an, ansonsten beeinträchtigt ihn die schlimme Verletzung nicht mehr. Daher will er ab Sonntag auch die Schlagzahl erhöhen und auf der Balearen-Insel die Grundlagen für eine Saison legen, die ähnlich erfolgreich ist wie die vergangene, die die erfolgreichste seiner Karreire war, ehe sie abrupt in Frankreich endete.

Den Unfall komplett abgehakt

„Ich habe den Unfall komplett abgehakt. Ich freue mich auf das neue Jahr und hoffe, dass ich dort anknüpfen kann, wo ich aufgehört habe. Ich weiß natürlich, dass ich nicht einfach den Schalter wieder anknipsen kann. Ich muss hart arbeiten und viel trainieren. Denn von nichts kommt nichts“, sagt Grosser, der bis zu diesem 21. Juni, als er kurz vor dem Ziel in aussichtsreicher Position gestürzt war, bei Rennen in Europa 13 Top-10-Platzierungen eingefahren und siebenmal auf dem Podium gestanden hatte. „Das war eine sehr positive Bilanz, ich hatte trotz der kurzen Zeit die besten Erfolge meiner Karriere.“

Seit dem 7. Oktober befindet er sich bereits wieder im Training, hat für die Grundlagenausdauer lange Einheiten auf dem Rennrad absolviert oder sich bei Regen auf sein Mountainbike gesetzt. Hinzu kam schweißtreibendes Krafttraining. Auf Mallorca will er nun Stufe zwei auf dem Weg zurück zu alter Stärke zünden. Er wird dabei wieder bei einem Freund wohnen, ansonsten ist er auf der Mittelmeerinsel auf sich alleine gestellt und wird sein Trainingspensum eigenständig abspulen.

 „Man findet dort perfekte Bedingungen. Die Temperaturen sind höher als bei uns, ich kann lange und locker Rad fahren und auch mal an den großen Bergen ein paar Anstiege bewältigen“, erklärt er und verrät gleich, dass er überhaupt keine Probleme damit hat, sich jeden Morgen vor den anstrengenden Einheiten selbst zu motivieren. „Ich habe ein klares Ziel vor Augen. 2018 und auch in diesem Jahr bin ich knapp an einem Profivertrag bei einem Team der Worldtour vorbeigeschrappt. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr klappt“, sagt Grosser. „Außerdem macht es mir einfach Spaß, vier bis fünf Stunden Gas zu geben, bis der Akku leer ist, dabei den eigenen Rhythmus zu finden und mir selbst immer wieder neue Reize zu setzen.“ Dabei ist er nicht nur alleine, sondern auch ohne ein Navigationsgerät unterwegs. „Ich kenne auf Mallorca mittlerweile viele Ecken. Außerdem bin ich im Training gerne unabhängig“, erläutert er. „Ich fahre einfach los und komme schon irgendwie wieder zurück. Ich bin jedenfalls noch nie nicht wieder angekommen.“

Vertrag mit Team Bike Aid verlängert

Dafür will er in der neuen Saison wieder möglichst oft vorne ankommen. Bei seinem Versuch, sich mit möglichst vielen erfolgreichen Sprintankünften in den Fokus der besten Mannschaften der Welt zu bringen, wird er dabei weiter mit dem Team Bike Aid zusammenarbeiten. Der Vertrag mit dem Rennstall mit Sitz in Blieskastel, zu dem Grosser zur vergangenen Saison vom Team Sauerland NRW gewechselt war, wurde in dieser Woche um ein Jahr verlängert. „Ich bin den Verantwortlichen natürlich sehr dankbar, dass sie nach der Verletzung weiter auf mich setzen und mir vertrauen“, freut sich Grosser. „Denn eigentlich weiß ja niemand, wie man nach so einem Sturz und nach vier Monaten ohne Wettkampfpraxis zurückkommt.“

Grosser selbst ist jedoch felsenfest davon überzeugt, dass er zu alter Stärke zurückfinden wird und ähnlich schnell auf seinem Rennrad unterwegs sein wird wie in diesem Jahr. „Ich will wieder an die alten Erfolge anknüpfen und nicht Mitte der Saison aufhören müssen. Ich will das ganze Jahr über auf einem konstant hohen Niveau fahren“, stellt er klar und hofft, dass er 2020 bei der Deutschland-Tour und bei der Tour of Qinghai Lake, der viertgrößten Etappen-Rundfahrt der Welt nach der Tour de France, dem Giro d’Italia und der Vuelta, an den Start gehen kann. 

Dies war ihm in diesem Jahr aufgrund des Sturzes verwehrt geblieben. Doch da ihm ein solches Missgeschick nicht noch einmal passieren soll, hat er diese beiden Rennen fest eingeplant. „Ich bin jedenfalls zuversichtlich, voll motiviert und freue mich auf das nächste Jahr“, sagt der Hammer.

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