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2G-Regel für Amateursportler: Können noch alle Hammer Klubs eine Mannschaft aufstellen?

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Von: Günter Thomas, Patrick Droste

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Dem SVE Heessen verbleiben durch die 2G-Regel vorerst wohl nur noch maximal 14 Spieler.
Dem SVE Heessen verbleiben durch die 2G-Regel vorerst wohl nur noch maximal 14 Spieler. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Ab sofort gilt die 2G-Regel im gesamten Sport: Zugelassen zu Wettkämpfen, Meisterschaftsspielen und Training in Sportvereinen sind künftig nur noch Geimpfte und Genesene. 

Welche Auswirkungen hat das für den Trainings- und Wettkampfbetrieb in der der Stadt? Müssen Meisterschaftsspiele im Fußball ab sofort mangels Spielern gar nur noch auf dem Kleinfeld ausgetragen werden? Oder haben die Vereine und Sportler die neue Regel schon längst umgesetzt? Wir haben bei den Hammer Fußballvereinen nachgefragt.

Michael Kaminski (Trainer Westfalia Rhynern): Ich finde die Regel gut, weil sie es uns ermöglicht, weiter Fußball zu spielen. Unser Kader ist allerdings nicht komplett durchgeimpft, auch wenn wir mit einer hervorragenden Quote mit Betreuer- und Trainerteam nah an 100 Prozent sind. Wir haben 25 Spieler im Kader, einer mit Genesenem-Status, der noch überprüft werden muss. Kontrollen der Aktiven – auch bei den Meisterschaftsspielen – dürften auch bei uns im Eingangsbereich problemlos möglich sein. Ich habe da keine Bedenken. Dass die Regelung kommen würde, hat man erahnen können. Ich bin froh, dass wir weiter an der frischen Luft trainieren und spielen können – Pausen hatten wir schon lange genug.

Steven Degelmann (Trainer Hammer SpVg): Kleinfeld müssen wir zum Glück nicht spielen – bis auf zwei Ausnahmen sind aus unserem Kader alle geimpft. Damit haben wir immer noch 20 Spieler, die ab Mittwoch im Trainingsbetrieb dabei sind. Ich habe erwartet, dass es so kommt, und wir haben die Jungs mehrmals darauf hingewiesen. Ich gehe davon aus, dass diejenigen sich jetzt impfen lassen, die Signale gingen zumindest in die Richtung. Ich stehe auch dafür, die Sache jetzt korrekt umzusetzen und die Fristen beim Impfen einzuhalten und Geimpfte erst mit vollständigem Schutz wieder zuzulassen. Davon, die letzten Spieltage vor der Winterpause abzusetzen und später nachzuholen, halte ich nichts. Bei uns geht es auch um wichtige Spieler, dennoch bin ich der Meinung, dass jeder die Chance hatte, rechtzeitig zu reagieren. Ich will nicht wieder etwas aufschieben – wohin auch? In den Januar, wenn sich der Schnee türmt? Wenn es sich bei den Vereinen fair verteilt, sollten wir auch weiterspielen. Ich will mir nicht schon wieder meinen Fußball nehmen lassen – dafür bin ich geimpft und auch schon geboostert.

Thorsten Heinze (Trainer TuS Wiescherhöfen): Wenn dem so ist und der Verband sagt, dass nur noch die 2G-Regel gilt, dann können wir eh nichts daran ändern. Ich gehe davon aus, dass es eine ordentliche Wettbewerbsverzerrung geben wird. Man hätte das auch mit tagesaktuellen Tests für die betreffenden Spieler machen können, dann kann derjenige ja immer noch entscheiden, mache ich die ganzen Tests oder lasse ich mich doch impfen. Du wirst es eh nicht allen Recht machen können. Generell glaube ich, dass wir nur noch ein komplett normales Leben führen können, wenn alle geimpft sind.

Marco Liedtke (Trainer TuS Germania Lohauserholz): Wir haben das Thema schon in der vergangenen Woche mit den Jungs angesprochen, dass es so kommen wird. Der Anteil bei uns ist aber hoch, so dass der Spielbetrieb bei uns in der ersten Mannschaft nicht lahmgelegt ist. Wir haben einen 26er Kader. Ich persönlich finde es wichtig und richtig, dass man geimpft ist. Aber ich kann auch Leute verstehen, die es nicht tun. Dass diese 2G-Regel jetzt auch für den Amateursport gilt, ist nur konsequent. Es wäre ja komisch, wenn der ausgeklammert wird.

Marco Liedtke, Trainer des TuS Germania Lohauserholz, findet die 2G-Regel für den Amateursport konsequent.
Marco Liedtke, Trainer des TuS Germania Lohauserholz, findet die 2G-Regel für den Amateursport konsequent. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Rouven Meschede (Trainer SVE Heessen): Das war abzusehen, dass es so kommt. Für uns bedeutet das, dass zu den vielen verletzungsbedingten Ausfällen noch drei, vier weitere Spieler dazu kommen, die ich nicht einsetzen kann. Das trifft uns daher schon enorm. Aber wir hätten immer noch 13, 14 Akteure, wir könnten also weiterhin eine Mannschaft stellen. Ich bin mittlerweile auch geimpft, wünsche mir aber, dass man jetzt die Saison unterbricht und die bis Weihnachten ausfallenden Spiele im neuen Jahr nachholt. Dann hätten zum einen die Spieler genug Zeit, sich das mit dem Impfen nochmal zu überlegen. Und zum anderen wäre – da es ja auch viele Mannschaften betrifft – der sportlich faire Wettkampf nach einer Pause eher gewährleistet.

Robin Grosch (Trainer Hammer SpVg II): Für mich ist es die erste Variante, den Ungeimpften die Chance zu geben, mit 3G weiter am Spielbetrieb teilzunehmen. Wenn das nicht möglich ist, sollte meiner Meinung nach die Saison unterbrochen werden. Alles andere wäre Wettbewerbsverzerrung. Wir haben auch drei Spieler, die nicht geimpft sind, die können wir ja nicht zwingen, sich impfen zu lassen. Als Trainer bist du gearscht. Ich selbst bin seit vergangener Woche geboostert, das Trainerteam ist auch geimpft. Aber ich finde, man müsste den Spielern eine Chane geben, sich jetzt impfen zu lassen. Wir haben zehn Verletzte, dazu kommen jetzt drei Ungeimpfte. Wieviele Spieler sollen wir denn in den Kader nehmen, um eine Saison spielen zu können? Dann sollte mal die Regel überdacht werden, dass A-Jugendliche nur in der ersten Mannschaft auselfen dürfen. Den Betreffenden das Spielen verbieten? Wir haben ja keine Impfpflicht. Da bin ich eher für Abbruch.

Orhan Sezer (Trainer BV 09 Hamm): Aufgrund der steigenden Zahlen kann ich persönlich diese Regelung verstehen. Bei uns in der Mannschaft wären zwei, drei Spieler betroffen. Das ist für die Jungs und für uns als Team schade, wenn die nicht mehr auflaufen können. Aber letztlich habe ich es lieber so, als wenn die Saison wieder annulliert wird und es am Ende weder Auf- noch Absteiger gibt.

Kevin Schulzki (Trainer VfL Mark): Wir als Verein finden die Maßnahme genau richtig, hätten sie uns aber schon deutlich eher und umfangreicher gewünscht. Alle Spieler und Betreuer sind durchgeimpft. Alles andere wäre aus gesellschaftlicher Sicht unverantwortlich. Auch sportlich betrachtet gibt es keine andere Möglichkeit, endlich mal wieder eine Saison durchzubringen.

Erdal Akyüz (Trainer TSC Hamm): Leider betrifft diese 2G-Regel bei uns vier bis fünf Leute, auch aus unserer ersten Elf. Zwei davon kriegen ihre zweite Impfe in ein oder zwei Wochen. Aber wir haben auch drei Spieler, die sich bisher gar nicht impfen lassen wollten. Und auch diejenigen, die es jetzt doch wollen: Mit der Erstimpfung kommt man aktuell ja nicht weiter. Wir haben noch drei Spiele vor der Winterpause, und die sind dann ja vorbei. Ich bin geimpft, schon länger sogar. Aber wir haben in der Mannschaft nie jemanden gezwungen, sich impfen zu lassen, das ist Privatsache. Aber die Leute müssen sich darüber im Klaren sein, dass das soziale Leben nicht mehr so weitergehen wird, wie sie es kennen. Vielleicht schiebt der Verband ja die letzten Spiele vor der Winterpause ins neue Jahr. Ich kann das aber auch noch mit meinem Kader überbrücken, der ist groß genug. Wie das bei anderen Mannschaften aussieht, weiß ich nicht. Für uns geht es ja um nichts. Wenn so eine Truppe wie der VfL Kamen keine Elf zusammen bekommt, wird es spannend. Insgesamt sollte das Sportliche jetzt nicht im Vordergrund stehen. Wichtiger ist, dass wir von dem ganzen Mist wegkommen. Hauptsache, die Dinge werden nicht wieder ganz runter gefahren und wir sitzen wie die Hühner auf der Stange, weil wir nichts machen können.

David Schmidt (Trainer SG Bockum-Hövel): Natürlich trage ich diese Entscheidung. mit. Ich habe schon in der vergangenen Woche vor meiner Verletzung damit gerechet, dass es passieren wird. Nachvollziehen kann ich die Regelung für den Amateursport eher nicht, weil wir nachweislich in der Vergangenheit keine Fälle hatten. Für den Verein bedeutet es jetzt viel Bürokratie, die Leute machen das ehrenamtlich. Die Mannschaft wird aber weiter wettbewerbsfähig sein. Wir haben ein, zwei Leute, die nicht geimpft sind und dann wohl erstmal raus sind und bei einem wird es uns auch richtig weh tun. Wir haben vom Verein her zwischendurch auch dazu animiert, sich impfen zu lassen, man kann aber nur Empfehlungen aussprechen.

Sven Pahnreck (Trainer SVF Herringen): Grundsätzlich möchte ich nicht darüber sprechen, wen es betrifft, weil wir den Datenschutz respektieren. Persönlich habe ich den Impfstatus im Kader natürlich abgefragt. Fest steht daher: Wir könnten den Spielbetrieb fortführen. Ich selbst bin geimpft, stehe da auch hinter. Ich empfinde es gerade im Mannschaftssport aber als schwierig, dass man Einzelne ausschließen muss. Das ist nicht im Sinn des Mannschaftsgedanken. Ich denke, wir werden nicht drum herum kommen, ähnlich wie es in anderen Bereichen Normalität geworden ist, zu kontrollieren, ob jemand ungeimpft ist und die Betreffenden vom Trainingsbetrieb auszuschließen – uns bleibt nichts anderes übrig. Positiv ist, dass es weitergeht.

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