Fußball

Ein- oder zweigleisige Oberliga? Entscheidung "nicht in Stein gemeißelt"

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[Update: 20. Juli, 17.57 Uhr] 21 Mannschaften, 42 Spieltage, elf englische Wochen: Jetzt ist eine Entscheidung gefallen, ob die Oberliga Westfalen in einer oder in zwei Staffeln gespielt wird.

Hamm - Es ist ein Mammutprogramm. Gleich 21 Mannschaften gehören in der kommenden Spielzeit der Fußball-Oberliga Westfalen an. Das bedeutet für die Teams, dass sie alleine im Liga-Alltag 40 Partien absolvieren müssen. Hinzu kommen noch die Begegnungen im Pokal auf Kreis- sowie Verbandsebene. 

„Das ist schwer, das alles durchzuboxen. Und 50 bis 60 Pflichtspiele kann man auf Amateurebene den Spielern doch nicht zumuten, zumal durch den späten Saisonbeginn im September ja auch noch einige Wochen fehlen“, sagt Andreas Kersting, der Sportliche Leiter des SV Westfalia Rhynern. „Da muss irgendetwas wegfallen, sonst funktioniert das doch überhaupt nicht.“ Und auch Steven Degelmann, Trainer der Hammer SpVg, ist sich dieser problematischen Sachlage bewusst: „Das ist eine Ausnahmesituation, die wir miterleben dürfen. Das wird auf jeden Fall eine Kräfte zehrende Saison.“

Einige Klubs haben nur einen Platz

Gerade für die Vereine wie eben die Westfalia, aber auch die Sportfreunde Siegen, der FC Gütersloh oder die SG Wattenscheid 09, die nur über einen Platz verfügen, wird es sehr schwer, in dem angesetzten Zeitraum die Partien auszutragen. „Wir können zum Beispiel nicht auf dem Kunstrasenplatz am Tünner Berg spielen, weil es da keine Toiletten gibt“, so Kersting.

Video-Konferenz am Mittwochabend

Am Mittwochabend soll ab 18 Uhr im Rahmen einer Video-Konferenz der Staffeltag der Oberliga stattfinden, wo dann auch diese Problematik besprochen werden soll. Die Idee, die 21 Vereine in zwei Gruppen einzuteilen und am Ende per Play-off-Spiele die Auf- und Absteiger zu ermitteln, hatte der Fußball- und Leichtathletik Verband (FLVW) in der vergangenen Woche bereits verworfen, doch Staffelleiter Reinhold Spohn betonte jetzt, dass diese Entscheidung keineswegs in Stein gemeißelt sei.

Doch es gibt noch andere Möglichkeiten, die Vielzahl der Spiele zu reduzieren. „Man könnte zum Beispiel eine komplette Hinrunde mit zehn Heim- und zehn Auswärtsspielen absolvieren. Dann hätte jeder gegen jeden einmal gespielt, und wenn man dann im März fertig werden würde, könnte man schauen, wie es weitergeht“, sagt Kersting. „Wenn alles gut läuft, könnte man bis zum Juli die Rückrunde austragen. Oder vielleicht eine Meister- und eine Abstiegsrunde ansetzen. Wenn nicht, hätte man aber zumindest eine gerechte Wertung. Es sind nun mal besondere Zeiten, da muss man auch mal besondere Sachen machen.“

Späterer Einstieg in die Pokalwettbewerbe?

Eine andere Idee sei es laut Kersting, die höherklassigen Vereine im Kreispokal erst später in den Wettbewerb einsteigen zu lassen. Oder auf die Austragung des Westfalenpokals zu verzichten. „Man muss jedenfalls einen Plan aufstellen, der durchführbar ist, der flexibel ist und der es sportlich so gut wie möglich allen Teams gerecht macht“, so der Rhyneraner Funktionär, der gespannt ist, welche Modelle den anderen Vereinen vorschweben.

Ursprüngliche Meldung

Hamm - Für Christian Knappmann, Trainer-Unikum des SC Westfalia Herne, ist die Aussicht auf eine geballte Saison mit 40 Ligaspielen einfach nur „Mega geil“, wie er in einem Interview verraten hat. „Fußballspielen ist das Schönste auf der Welt. Ich hoffe, dann gibt es auch keine Winterpause.“

Knappmann darf sich freuen. Denn der Fußball- und Leichtathletikverband hat per Pressemitteilung bekannt gegeben, dass die Oberliga Westfalen eingleisig bleiben wird.

Angekündigte Videokonferenz hat sich erledigt

Zuvor war in Oberliga-Kreisen darüber gesprochen worden, aufgrund der hohen Anzahl von Vereinen und der unsicheren Corona-Lage eine Teilung der Liga in zwei Staffeln zu spielen.

Staffelleiter Reinhold Spohn wollte im Vorfeld „aus heutiger Sicht“ zu diesem Thema keine verbindliche Aussage machen. „Wir haben mehrere Varianten im Fokus. Es kommt vor allem darauf an, wann wir wieder starten können. Ich kann jetzt nicht in eine Glaskugel gucken und sagen, wie sich alles entwickeln wird“, sagte er gegenüber der Westfalenpost.

Gegenüber den Ruhr Nachrichten bestätigte Spohn, dass es „demnächst eine Videokonferenz mit den Teams“ geben soll. Die scheint sich jetzt jedoch erledigt zu haben. Die Oberliga wird in einer Staffel ausgetragen. Auf die Teams warten 40 Spiele an 42 Spieltagen und zahlreiche englische Wochen.

Fakt ist, dass die Regionalliga Nord, die mit sogar 22 Vereinen in die Saison geht, zweigleisig ausgetragen wird. Die zwei Staffeln werden dort nach regionalen Gesichtspunkten zusammengestellt. Dann wird jeweils eine Serie mit Hin- und Rückrunde gespielt aus der sich die bestplatzierten Mannschaften in einer Aufstiegs- und die restlichen in einer Abstiegsrunde wiederfinden.

Hammer Teams sind zurückhaltend

Ist das auch ein Modell für die Oberliga Westfalen? Die Hammer Verantwortlichen waren zurückhaltend in ihrer Bewertung. „Ich habe da im Moment keine Meinung“, sagt Steven Degelmann, Trainer der Hammer SpVg. „Grundsätzlich mag ich Spiele mehr als Training. Und auch, wenn es keine Winterpause geben würde, finde ich das okay. Aber keiner weiß, wie die Belastung auf die Körper der Spieler wirkt. Bei regelmäßigen Mittwochspielen müsste jedenfalls das Training umgestellt werden. Es bringt aber nichts, Gerüchte zu bewerten. Ich bin nicht in der Entscheidung und muss es nachher so hinnehmen, wie es kommt.“

Ähnlich sieht es Andreas Kersting, Sportlicher Leiter des HSV-Liga-Nachbarn Westfalia Rhynern. „Über diese Dinge habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Da würde ich erst einmal abwarten, was bestimmt wird“, sagt er. „Fakt ist, dass 40 Spiele hammermäßig viel ist. Zumal keiner weiß, ob nicht wieder eine coronabedingte Pause kommt.“ 

Nichts vom Verband gehört

In die Entscheidung einbezogen waren die Vereine jedenfalls nicht, wie neben Kersting auch HSV-Abteilungsleiter Dirk Blumenkemper bestätigt. „Bis jetzt haben wir vom Verband nichts gehört“, sagt Kersting, und Bluenkemper ergänzt, dass „wir dazu bisher Null Info vom Verband erhalten haben. Ich gehe immer noch von 21 Mannschaften aus. Und mit elf Teams in einer Gruppe wäre das schon ein bisschen unglücklich. Sportlich werden wir uns aber wohl von der Winterpause verabschieden können. Und es wird auf viele englische Wochen herauslaufen.“

Haltern und Wattenscheid stoßen hinzu

Dass die Oberliga Westfalen überhaupt auf 21 Mannschaften angewachsen ist, liegt daran, dass der bereits in der Hinserie in Insolvenz gegangene Regionalligist SG Wattenscheid Ende Juni ebenso in die Oberliga eingestuft wurde wie der TuS Haltern, der zwar den Klassenerhalt in der Regionalliga West geschafft hat, sich aber freiwillig aus der Liga zurückgezogen hat, um in er Oberliga mit regionalen Akteuren einen Neustart zu machen.

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