Tischtennis

15-Jähriger nimmt Vize-Weltmeister einen Satz ab

15-jährige GW-Nachwuchshoffnung: André Bertelsmeier.
+
15-jährige GW-Nachwuchshoffnung: André Bertelsmeier.

Frech, cool, gut: Der 15-jährige André Bertelsmeier nahm dem amtierenden Tischtennis-Vize-Weltmeister Mattias Falck bei der 0:3-Niederlage des Zweitligisten TTC GW Bad Hamm im DTTB-Pokal-Achtelfinale gegen Erstligist Werder Bremen mal eben einen Satz ab.

Hamm – In der Nacht vor dem Achtelfinalspiel des DTTB-Pokals zwischen Zweitligist TTC GW Bad Hamm und Erstliga-Vertreter SV Werder Bremen (0:3) hatte André Bertelsmeier tief und fest geschlafen. Keine Spur von Nervosität, aber auch keine Vorfreude. Kein Wunder. Denn der 15-Jährige erfuhr erst wenige Stunden vor Spielbeginn, dass er bei diesem Saison-Höhepunkt dabei sein würde. Nicht als Zuschauer und mitfiebernder Ersatzspieler. Nein, als Bestandteil der Mannschaft an der Platte – und als Gegner des amtierenden Vize-Weltmeisters Mattias Falck. Eine knappe halbe Stunde lang hatte Bertelsmeier die aktuelle Nummer neun der Weltrangliste ganz für sich allein. Und was er an der Platte gegen den vom Papier her übermächtigen Gegner veranstaltete, verursachte bei den Zuschauern in der Sporthalle des Hammonense-Gymnasiums mehrfach eine Reaktion zwischen staunendem Kopfschütteln und schierer Begeisterung. Am Ende der Partie hatte Bertelsmeier dem Weltklassemann beim 6:11, 11:8, 6:11 und 4:11 nicht nur einen Satz abgenommen – er hatte den Schweden auch richtig ins Schwitzen gebracht.

„Dass er gut ist, wissen wir ja“, lobt der GW-Vorsitzende Martin Vatheuer seinen hoch talentierten Nachwuchsakteur. „Aber, dass er so gut ist, wusste ich zumindest nicht. Man könnte ja denken, dass er den Satz gewonnen hat, weil sich Falck hinten reinstellt und ihn ein bisschen mitspielen lässt. Aber das war unglaublich – André hat von Anfang an super agiert, die Aufschläge gesetzt. Falck hat nie mit dem ersten Ball gepunktet. Erst über den zweiten, dritten war er irgendwann besser.“

Dass Bertelsmeier nach dem gewonnenen zweiten Durchgang im dritten gleich noch einmal mit 6:3 und im vierten mit 4:0 vorn lag, unterstreicht diese These – auch wenn der haushohe Favorit danach die Sätze jeweils sicher ins Ziel brachte.

„Natürlich sehr aufregend“

Bertelsmeier selbst, der seit Montag schon wieder auf einem Lehrgang der Jugend-Nationalmannschaft in Frankfurt weilt, freute sich einfach nur, dass er die Chance bekommen hat, gegen den Klassemann im Wettbewerb spielen zu dürfen. „Das war natürlich sehr aufregend“, sagt er und erklärt seinen Top-Auftritt ganz nüchtern. „Ich habe einfach versucht, so viel Erfahrung mitzunehmen wie möglich – das war sehr schön. Viel nachdenken sollte man da nicht.“

Als der Anruf am Sonntagmorgen kam, dass Gerrit Engemann und Laurens Devos krankheitsbedingt ausfallen würden und er spielen darf, hat der in Rhynern bei seinen Eltern weilende Nachwuchsmann, der sonst im Tischtennis-Internat in Düsseldorf wohnt, „erst einmal „meinen Eltern Bescheid gesagt und dann entspannt gefrühstückt und mich vorbereitet – einfach versucht, den Tag so zu gestalten, dass man in Topform ist“.

Als dann nach der Aufstellung der Teams klar war, dass er auf Falck treffen würde, wich die Anspannung sogar: „Nervös war ich nicht, sogar etwas entspannter – in so einem Spiel kann man ja nur gewinnen. Dass es dann sogar ein Satz war, hab ich anfangs gar nicht realisiert. Ich habe mich nur darauf konzentriert, nicht nachzulassen.“

Bei jedem Ball die richtige Entscheidung

Tat er nicht. Falck aber auch nicht. „Der trifft bei jedem Ball die richtige Entscheidung“, sagt Bertelmeier und ist sich sicher, dass er das für sich auch getan hat, als er ganz auf die Karte Tischtennis gesetzt hat. Der Spaß an seinem Sport ist immer noch riesig – jeden Tag. Und der Erfolg auch. Im August hat er das WTTV Top-24-Turnier der Jugendklasse, in der er jetzt als jüngster Jahrgang antritt, gewonnen und sich damit für das DTTB-Top 48 am 6./7. November qualifiziert, wo er sich gegen bis zu zwei Jahre ältere Konkurrenten für die nächste Runde auf DTTB-Ebene qualifizieren will. In der NRW-Liga steht Bertelsmeier am oberen Paarkreuz nach drei Spielen mit einer Bilanz von 6:0 da. „Da schlägt er die guten Leute jetzt schon relativ sicher“, sagt Vatheuer, der dem Talent auch bei der DTTB-Rangliste gute Chancen einräumt. „Klar gibt es da auch noch Stärkere – aber unter den Besten wird er auch da sein. Und auch im Blick der Bundestrainer ist er weiterhin – die halten große Stücke auf ihn.“

Bertelsmeier selbst hat sich für die Zukunft keine direkten Ziele gesetzt. Aber: In der Bundesliga spielen will er später einmal – am liebsten für Grünweiß – und Nationalspieler werden. Die Erkenntnis, die er aus dem Spiel gegen Mattias Falck gezogen hat, wird ihm dabei helfen: „Es fehlt mir noch an Grundlagentechnik und Schlaghärte“, sagte er. „Und ich muss mehr trainieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare