Diskussion beendet?

Der fleißige Lahm kreiselt weiter im Mittelfeld

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Philipp Lahm (r.) im Duell mit dem Amerikaner Michael Bradley.

Santo Andre - War das schon das Ende der Debatte um die Position von Philipp Lahm? Oder geht sie mit der K.o.-Runde noch mal richtig los. Der Kapitän selbst möchte die Diskussion nicht bewerten.

Aufgehoben? Oder doch nur aufgeschoben? Mit der Diskussion über seine WM-Rolle wollte sich Philipp Lahm auf dem Weg zum Achtelfinal-Duell mit Algerien in Porto Alegre nicht lange aufhalten. „Ich lebe hier nicht in irgend so 'ner Blase. Ich lese auch Zeitung, deswegen bekomme ich das natürlich auch mit“, erklärte der Kapitän. „Für mich ist das Wichtigste, dass die Mannschaft erfolgreich spielt und dass sich die Mannschaft immer wieder weiter entwickelt. Das haben wir definitiv gemacht.“

Das andere sei nicht sein Thema, sondern das der Medien und Experten, erklärte der Führungsspieler und freute sich nach dem Gruppensieg und dem Erfolg gegen die USA auf die K.o.-Runde. Locker zeigte er sich beim Regenerationstraining am Tag nach der Partie, als er flankiert vom grinsenden Bastian Schweinsteiger und dem plaudernden Thomas Müller auf dem Ergometer in die Pedale trat.

Jahrelang war Lahm im Nationaltrikot auf der Außenverteidigerposition eine Stütze. Bei seinem ersten Turnier in der Mittelfeldzentrale steht er mehr denn je im Fokus. Ordentlich gegen Portugal, fehlerhaft gegen Ghana. Als zentraler Spieler eines Bayern-Dreiecks (Schweinsteiger/Lahm/Kroos) gegen die USA unterstrich er dann wieder aufsteigende Form.

Lob vom Bundestrainer

„Aber es ist egal, wer aufläuft“, erklärte der 109-malige Nationalspieler angesprochen auf Vorteile der Münchner Runde. „Wir trainieren jetzt seit mehreren Wochen zusammen und arbeiten als Mannschaft zusammen. Und deswegen spielt das keine Rolle, aus welchen Vereinen die Spieler kommen.“

Bundestrainer Joachim Löw nimmt darauf auch keine Rücksicht - und auf die Debatte um die Lahm-Rolle sowieso nicht. „Die Diskussionen gibt es nicht erst seit einer Woche. Die Diskussionen gibt es in Deutschland schon seit Jahren. Soll er links oder rechts spielen?“, erklärte Löw nach dem Abschluss der Gruppenphase. „Seit dieser Saison gibt es vermehrt die Diskussion, soll er im Mittelfeld spielen oder rechts?“ Und betonte: „Die Entscheidung haben wir getroffen.“

In seiner neuen Rolle passt Lahm wie kaum ein anderer. Nur der Argentinier Javier Mascherano (278) und Teamkollege Toni Kroos (260) haben bei Top-Quoten mehr Zuspiele als Lahm (252) auf dem WM-Konto. Lahm und Kroos kreiselten mit Stratege Schweinsteiger an der Seite auch gegen das Klinsmann-Team sehr sicher. „Gegen die USA war unser Mittelfeld, mit Toni Kroos, mit Schweinsteiger, solange die Kräfte gereicht haben, und mit Philipp Lahm absolut dominant“, schilderte Löw. „Philipp war vor der Abwehr immer anspielbar, er war taktisch sehr gut und hat für eine gute Organisation gesorgt. Also, im Mittelfeld waren wir insgesamt sehr stark“, lobte der Bundestrainer.

"Passend zu Wimbledon"

In einer Kategorie geht der DFB-Kapitän allemal voran: Bei der Laufleistung. Vor den K.o.-Spielen rennt laut FIFA-Statistik kein deutscher Weltmeisterschafts-Akteur mehr als er. Mit 34,6 Kilometern in drei Gruppenbegegnungen liegt der 30-Jährige weltweit auf Rang acht in der vom Amerikaner Michael Bradley (38 Kilometer) angeführten Liste. Zweitbester Deutscher knapp hinter Lahm ist Kroos (34,4).

Die letzten Meter der Vorrunde hatten es für Lahm allerdings in sich. In der Nachspielzeit des Gruppenfinales gegen die USA zog der Allrounder einen Spurt von der Mittellinie in den eigenen Strafraum, um dort den Schuss von Alejandro Bedoya abzublocken und den wahrscheinlichen Ausgleich zu verhindern.

„Ich bin Defensiv-Spieler und da kriegt man nicht gerne Gegentore. Und dann freut man sich auch, wenn man Tore verhindern kann“, schilderte Lahm die Szene, nach der er mit einer Boris-Becker-Faust light auf dem Rasen stand. „Das ist genau passend zu Wimbledon gerade“, scherzte der Bayern-Profi. Gefühls-Ausbrüche wie diesen ist man vom kühlen Lahm nicht gerade gewohnt - die Debatte scheint den langjährigen „Mr. Fehlerlos“ doch auch ein bisschen zu berühren.

dpa

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