Konferenz mit Schiris

Videobeweis: Profis werden für das Viereck-Zeichen "rund gemacht"

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Das ständige Gefuchtel und Gefordere nach Videobeweisen ging beim Confed-Cup nicht nur dem TV-Publikum auf den Keks - sondern auch den Schiris. Das hat Konsequenzen.

Frankfurt/Main - Für das viereckige Zeichen werden die Profis "rund gemacht": Die Schiedsrichter wollen sich bei der Einführung des Videobeweises ab der kommenden Bundesliga-Saison nicht von den Spielern unter Druck setzen lassen. Als Lehre aus dem zurückliegenden Confed Cup kündigten die Unparteiischen deshalb am Mittwoch an, die TV-Geste mit einer Gelben Karte zu bestrafen.

"Wir werden dieses TV-Zeichen der Spieler als Unsportlichkeit werten und mit einer Gelben Karte ahnden. Darauf können sich alle einstellen", sagte WM- und EM-Schiedsrichter Felix Brych (München) nach dem turnusmäßigen "Runden Tisch" beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), an dem Referees, Trainer, Manager und Spieler teilnahmen.

Zudem werden sich die Zuschauer laut Brych auf längere Nachspielzeiten einstellen müssen, weil Zeitspiel konsequenter geahndet werden soll. Auch auf Schwalben wollen die Unparteiischen verstärkt achten - Gelbe Karten auch bei einem simulierten Foulspiel außerhalb des Strafraums sollen zur Regel werden.

Bei Verletzungen soll der Ball nicht mehr ins Aus

Daneben werden die Mannschaften bei den Regelschulungen in den kommenden Wochen dazu angehalten, bei verletzten Spielern auf dem Platz nicht mehr den Ball ins Aus zu spielen. "Die Entscheidung über eine Unterbrechung soll nur noch von uns Schiedsrichtern getroffen werden", äußerte Brych, der das Treffen in Frankfurt/Main als "sehr angenehm" bezeichnete.

Bei der Unterredung legten die Referees den Beteiligten der Klubs zum wiederholten Mal einen anderen Umgang untereinander ans Herz. "Wir wollen als Sportler und als Menschen mit dem entsprechenden Fehlerpotenzial gesehen werden", erläuterte Brych: "Es wäre schön, wenn wir - bei aller Emotionalität - nicht gleich für einen Fehler in der Öffentlichkeit zerrissen werden. Ein Gespräch in der Schiedsrichterkabine wäre wesentlich angenehmer."

Brych freut sich auf „Hilfe“

Grobe Fehler wird es ab der kommenden Spielzeit aufgrund des Videobeweises allerdings wesentlich weniger geben - dessen ist sich Brych jedenfalls sicher. "Ich habe ein gutes Gefühl. Wir haben schließlich ein Jahr getestet. Wie es sich in der Praxis einspielt, werden die Erkenntnisse der ersten Spieltage zeigen", sagte der 41-Jährige: "Aber wir freuen uns auf die Hilfe. Das Spiel ist so schnell und komplex geworden, dass wir Hilfe brauchen können." Beim Confed-Cup hat die Videobeweis-Technik allerdings auch kuriose Flops hervorgebracht.

Auch Peter Stöger war nach dem Gespräch mit den Schiedsrichtern davon überzeugt, dass die Einführung des Hilfsmittels erfolgreich über die Bühne geht. "Das wird sehr gut funktionieren. Es wird viel besser laufen als beim Confed Cup", sagte der Trainer des 1. FC Köln, der den Aufstieg von Bibiana Steinhaus (Hannover) zur Bundesliga-Schiedsrichterin begrüßt: "Sie hat außergewöhnlich gute Leistungen gebracht. In der Bundesliga pfeift derjenige, der Qualität hat - egal, ob Frau oder Mann."

Sportdirektor Jens Todt vom Hamburger SV lobte - wie alle Teilnehmer - die Atmosphäre des Zusammentreffens beim DFB. "Es ist wichtig, dass die Akteure miteinander reden. Es war eine richtig gute Sache, bei der Verständnis für den jeweils anderen geweckt wurde", äußerte der Ex-Profi: "Bei niedrigem Puls und einem Kaffee kommt man schneller zu einem Konsens als bei der Emotionalität im Stadion."

Der Videobeweis hat auch unter Spielern viele Anhänger: Bayern-Star Mats Hummels sprach sich schon im April für die neue Technik aus.

SID/fn

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