Lehrstunde für Bayer

Hyypiä: "Muss viele Psychologen einladen"

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Teamchef Sami Hyypiä.

Leverkusen - 1:7 beim FC Barcelona, 0:5 gegen Manchester United und aktuell 0:4 gegen Paris St. Germain. Bayer Leverkusen blamiert sich mit schöner Regelmäßigkeit in der Champions League.

Ratlos, hilflos, fassunglos: Nach der dritten bitteren Pleite binnen einer Woche in drei verschiedenen Wettbewerben herrscht bei Bayer Leverkusen blankes Entsetzen. Beim 0:4 (0:3) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Frankreichs Meister Paris St. Germain wurden dem Bundesliga-Zweiten auf brutale Weise von Zlatan Ibrahimovic und Co. die Grenzen aufgezeigt.

Nach dem 1:7-Debakel 2012 beim FC Barcelona und der 0:5-Blamage vergangenen November gegen Manchester United war es in jüngerer Vergangenheit in der Königsklasse die dritte grausame Demütigung, die alle kostspieligen Bemühungen des Werksklub um ein besseres Image konterkariert.

Leverkusen kam mit 0:4 gegen Ibrahimovic & Co. unter die Räder.

„Ich muss viele Psychologen einladen, damit wir bis zum Bundesligaspiel am Samstag beim VfL Wolfsburg die Kurve kriegen. Wir hatten wie schon gegen Kaiserslautern ein Kopfproblem“, sagte ein konsternierter Leverkusener Teamchef Sami Hyypiä mit aschfahlen Gesicht nach dem Offenbarungseid seiner hoffnungslos überforderten Spieler gegen die in allen Belangen überlegenen Gästen.

Der Finne hatte ebenso wie nach dem peinlichen 0:1 n.V. im Pokal-Viertelfinale gegen Zweitligist FCK die richtige Einstellung bei seinen Profis vermisst. „Aggressiv spielen kann man nur, wenn man in der Nähe des Gegners ist. Das war aber nicht der Fall. Wir haben mit zehn Mann besser gespielt. Das ist ein Rätsel für mich“, so der frühere Musterprofi. Die einseitige Partie war allerdings vor der Gelb-Roten Karte gegen Emir Spahic in der 59. Minute schon entschieden.

PSG-Superstar Zlatan Ibrahimovic hatte zuvor mit seinen Saisontoren neun und zehn in der Champions League (39. Foulelfmeter, 42.) wohl frühzeitig das Aus der Werkself besiegelt. Blaise Matuidi (3.) hatte nach einem schlimmen Fehler von Bayer-Kapitän Simon Rolfes mit der Gäste-Führung frühzeitig die Pläne der Hausherren durchkreuzt, Yohan Cabaye traf zwei Minuten vor Schluss zum Endstand.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Großteil der maßlos enttäuschten Bayer-Fans, die bereits zur Pause ihre Lieblinge mit einem lautstarken Pfeifkonzert in die Kabine geschickt hatten, nach der sechsten Niederlage in den letzten acht Spielen bereits auf dem Heimweg.

„So eine Serie habe ich bei Bayer auch noch nicht erlebt. Aber ich bin als Spieler nach einer Schwächeperiode immer wieder aufgestanden und werde auch meiner Mannschaft vermitteln, wie man aus solch einer Situation wieder rauskommt“, kündigte Hyypiä trotzig an. Der 40-Jährige verlangte ebenso wie Bayer-Sportchef Rudi Völler in Leverkusen von seinen Spieler das Herz eines Boxers, „der wieder aufsteht, wenn er am Boden liegt“.

Auch Völler hofft, dass Bayer gegen die ambitionierten Wölfe seine Krise beendet und „die Kurve“ kriegt, damit die Saison nicht gänzlich kippt. „Wir sind heute an unsere natürlichen Grenzen gestoßen und müssen das akzeptieren. Wir sind wirtschaftlich an einem bestimmten Limit und damit auch an einem Qualitäts-Limit. Das muss man akzeptieren. Wir haben beim 1:2 gegen Schalke gut gespielt, befinden uns aber in einer Ergebniskrise. Nun müssen wir erstmal in der Bundesliga wieder den Bock umstoßen und dann in drei Wochen beim Rückspiel in Paris sehen, was noch geht.“

Bis dahin muss Bayer aber zunächst mal in Wolfsburg, gegen Mainz und Hannover Schadenbegrenzung betreiben. „Leverkusen befindet sich in einer schweren Phase. Schlimm war, dass sich die Mannschaft nach dem frühen Rückstand nicht gewehrt und sich in ihr Schicksal ergeben hat. Das muss sich schnell wieder ändern, wenn man zurück in die Erfolgsspur finden will“, kritisierte der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack den blutleeren Auftritt seiner Ex-Kollegen. Vor allem Ibrahimovic habe man schalten uns walten lassen: „Er hat sich wohl selbst gewundert, dass er so viel Platz hatte.“

Zlatan Ibrahimovic: Seine markigsten Sprüche

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Zlatan Ibrahimovic macht den Unterschied

Es war zum x-ten Mal eine beeindruckende Demonstration der Fußballkunst von Zlatan Ibrahimovic. Sein Königsklassen-Traumtor zum 3:0 beim 4:0 im Achtelfinalhinspiel von Leverkusen war eine einzige Augenweide. Zwei Treffer für Paris St. Germain selbst erzielt, einen exzellent vorbereitet: Der exzentrische Schwede überragte, ohne eigensinniger Individualist zu sein.

Er sagte es danach selbst: „Wenn das ganze Team gut spielt, ist es ein Leichtes, selbst gut zu sein.“ Er war omnipräsent: erfolgreicher Mittelstürmer, erfolgreicher Zerstörer der zumeist hilflosen Aufbau-Bemühungen des Gegners, erfolgreicher Passgeber für seine Mitspieler, die ihn offen bewundern.

PSG-Rechtsverteidiger Gregory van der Wiel schwärmte: „Er war so gut. Es ist einfach toll, mit ihm in einer Mannschaft zu spielen.“ Der einstige Bayer-Leader Michael Ballack untertrieb fast, als er festhielt, Ibrahimovic sei „ein herausragender Spieler“.

Das ist er. Und er genoss es sichtlich, dass nicht nur PSG-Fans seiner huldigten, als er die BayArena verließ. Eine Horde von Verehrern eilte ihm nach, wollte ein Stückchen Ibrahimovic spüren dürfen. Das braucht er, das gibt ihm Power. Hoffentlich noch jahrelang. Denn Fußballer wie er machen diesen Sport zum Genuss.

dpa/sid

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